Periphere Nervenstimulation bei chronischen Kopfschmerzen

Zervikogene Kopfschmerzen und Okzipitalneuralgien stellen eine therapeutische Herausforderung dar. Die 60-tägige periphere Nervenstimulation bietet eine minimalinvasive Behandlungsoption mit vielversprechenden Ergebnissen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

kpfschmerzarten

Kopfschmerzen zählen weltweit zu den häufigsten und belastendsten neurologischen Erkrankungen. Etwa 46 % der Weltbevölkerung sind betroffen. Während Migräne gut erforscht ist, stellen zervikogene Kopfschmerzen und Okzipitalneuralgien therapeutisch eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere bei chronischen Verläufen zeigen sich viele konventionelle Verfahren – von Medikamenten bis zu Nervenblockaden – als nur unzureichend wirksam.

Periphere Nervenstimulation als innovativer Therapieansatz

Die periphere Nervenstimulation (PNS) der Okzipitalnerven hat sich in der Vergangenheit als potenziell wirksame Methode bei verschiedenen chronischen Schmerzsyndromen erwiesen. Bislang basierten viele dieser Ansätze jedoch auf permanent implantierten Systemen mit entsprechenden Risiken und Nebenwirkungen. Das temporäre, minimalinvasive 60-Tage-PNS-System (SPRINT® von SPR Therapeutics) eröffnet neue Perspektiven für eine risikoärmere und reversible Behandlungsform.

Das PNS-System besteht aus einem äußerlich angebrachten Impulsgenerator, einer Handfernbedienung, um den Stimulationslevel zu regulieren, und Feindrahtelektroden.

Studie untersucht PNS bei Okzipitalneuralgie und zervikogenen Kopfschmerzen

In der vorliegenden multizentrischen, prospektiven, einarmigen Studie wurden 20 Patienten (Durchschnittsalter 55 Jahre, 70 % Frauen) mit diagnostizierter zervikogener Kopfschmerzsymptomatik oder okzipitaler Neuralgie über 60 Tage mit der peripheren Nervenstimulation behandelt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Headache“ publiziert.

Die Stimulation erfolgte bilateral auf Höhe des zweiten Zervikalnervs (C2) und zielte auf den Nervus occipitalis major (GON) sowie den Nervus occipitalis tertius (TON) ab. Die Elektroden wurden fluoroskopisch gesteuert platziert; ihre Austrittsstellen lagen unterhalb des Haaransatzes und wurden gesichert.

Klinische Ergebnisse zeigen Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung

Bereits zum Endpunkt der Behandlung (EOT) berichteten 90 % der Teilnehmer über eine klinisch relevante Schmerzreduktion von ≥30 %. Bei 85 % der Teilnehmer zeigte sich sogar eine Reduktion von ≥50 %. Diese Effekte persistierten auch drei Monate nach Therapieende (83 % mit ≥50 % Schmerzreduktion).

Zusätzlich kam es zu signifikanten Verbesserungen der Kopfschmerz-bezogenen Lebensqualität (HIT-6 [six-item Headache Impact Test]), der funktionellen Einschränkungen (NDI [Neck Disability Index]) sowie der subjektiven Verbesserung (PGIC [Patient Global Impression of Change]). Auch in angrenzenden Kopf- und Nackenregionen wurde eine Schmerzreduktion beobachtet.

Sicherheit der PNS-Therapie bei zervikogenen und okzipitalen Kopfschmerzen

Das Verfahren zeigte ein günstiges Sicherheitsprofil. Es traten ausschließlich leichte, meist lokale Hautreaktionen auf. Infektionen oder schwerwiegende Komplikationen wurden nicht beobachtet.

PNS als effektive und sichere Therapieoption bei Okzipitalneuralgie und zervikogenen Kopfschmerzen

Die Ergebnisse dieser prospektiven Studie zeigen, dass eine temporäre PNS der Okzipitalnerven eine effektive und sichere Behandlungsoption für Patienten mit zervikogenem Kopfschmerz oder okzipitaler Neuralgie darstellt – insbesondere bei Versagen konservativer Therapien. Die beobachtete Nachhaltigkeit der Effekte über den 60-Tage-Zeitraum hinaus ist vielversprechend.

Ausblick für zukünftige Studien

Zukünftige Studien sollten kontrollierte Designs mit größeren Kohorten und Kontrollgruppen einsetzen, um die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse zu bestätigen und mögliche Prädiktoren für den Therapieerfolg zu identifizieren. Der Einsatzbereich der temporären PNS könnte dabei auch auf andere Formen chronischer Kopfschmerzen ausgeweitet werden.

Die Studie wurde unterstützt von SPR Therapeutics, dem Hersteller des PNS-Systems.

Autor:
Stand:
28.07.2025
Quelle:

Gutierrez et al. (2025): A multicenter, prospective, single‐arm study of 60‐day peripheral nerve stimulation of the occipital nerves for the treatment of headache. Headache, DOI: 10.1111/head.14948

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