Probiotika in der Therapie von Depressionen

Die Rolle der Mikrobiom-Darm-Hirnachse rückt zunehmend in den Fokus der Pathophysiologie von MDD. Eine Pilotstudie untersuchte den Einsatz von Probiotika als Zusatztherapie für Patienten mit diagnostizierter MDD und liefert vielversprechende Ergebnisse.

Probiotika

Probiotika als potenzielle Ergänzungsbehandlung bei Depressionen

Rund 60% der Menschen mit Major Depression (major depressive disorder, MDD) sprechen teilweise nicht auf Erstbehandlungen an und etwa ein Drittel leidet weiterhin unter Symptomen trotz weiterführender Therapien. Die zunehmende Erkenntnis über die Rolle der Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse in der Pathophysiologie von MDD weist auf neue Behandlungsmöglichkeiten hin, wie etwa Probiotika.

Bisherige Studien vielversprechend

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021, die sieben randomisierte klinische Studien mit 404 Patienten umfasste, zeigte, dass Probiotika depressive Symptome effektiv reduzieren können, wenn sie zusätzlich zu Antidepressiva verabreicht werden. Allerdings haben bisherige Untersuchungen teils unzureichende Daten zur Verträglichkeit geliefert oder Probleme bei der Einhaltung der Behandlung bzw. der Studienteilnahme festgestellt. Es sind weitere Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten erforderlich, damit Probiotika als realistische Behandlungsoption in der klinischen Praxis in Betracht gezogen werden können.

Probiotika bei Depression: Eine Pilotstudie

Im Rahmen einer 8-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurde die Umsetzbarkeit von Probiotika als Zusatztherapie bei MDD untersucht. Alle 50 Teilnehmenden mit MDD und einem HAMD-17 (Hamilton-Depressionsskala) -Score über 13 waren bereits auf eine stabile Dosis eines zugelassenen Antidepressivums eingestellt.

Die Teilnehmenden erhielten täglich vier Kapseln Probiotikum (mit 14 Stämmen von Bakterien) oder ein entsprechendes Placebo. Die Auswahl des Probiotikums basierte auf früheren Hinweisen zu antidepressiven Effekten der enthaltenen Bakterienstämme. Die Wirksamkeit der Verblindung wurde am Studienende überprüft.

Depressionsentwicklung, Angstempfinden und Adhärenz wurden untersucht

Die Teilnehmenden absolvierten drei Termine (Baseline, Woche 4 und Woche 8). Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung der Depressionswerte in Woche 8 definiert. Weitere Ergebnisse umfassten Veränderungen in Angstwerten und klinischem Status sowie die Adhärenz der Einnahme. Unerwünschte Ereignisse und gastrointestinale Symptome wurden ebenfalls überwacht.

Keine schweren Nebenwirkungen beobachtet

Die Intervention wurde gut vertragen, ohne schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder studienbedingte Abbrüche. Insgesamt berichteten 16 Teilnehmer über unerwünschte Reaktionen wie Übelkeit und Verdauungsstörungen, die jedoch nur in der Probiotika-Gruppe auftraten und vorübergehend waren.

Probiotika Gruppe schnitt besser ab

In beiden Gruppen verbesserten sich depressive Symptome, wobei in der Probiotika-Gruppe ab der vierten Woche eine größere Optimierung festgestellt wurde, da sie durchschnittlich eine Reduktion um einen Schweregrad auf beiden verwendeten Depressionsskalen erfuhren.

Angst-Patienten könnten von Probiotika profitieren

Angstsymptome, obwohl häufig bei MDD auftretend, wurden in Probiotika-Studien bisher wenig untersucht. Insbesondere Angst-somatische Symptome konnten durch das Probiotikum verbessert werden. Sollten sich diese Ergebnisse in größeren Studien bestätigen, könnten sie darauf hinweisen, welche Patienten am meisten von einer Probiotika-Behandlung profitieren könnten.

Aussagekraft eingeschränkt durch limitierende Faktoren

Limitierend ist, dass nicht festgestellt werden kann, ob die beobachteten Effekte spezifisch für die Interaktion mit SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer [selective serotonin reuptake inhibitors]) sind oder auf andere Behandlungen verallgemeinert werden können.

Wirksamkeitsstudie zu Probiotika als Zusatztherapie bei MDD ausstehend

Zusammenfassend legen die vorläufigen Ergebnisse dieser Pilotstudie nahe, dass eine 8-wöchige ergänzende Behandlung mit einem Multistamm-Probiotikum für Erwachsene mit MDD akzeptabel und tolerierbar ist. Die geschätzten Effektgrößen auf wichtige klinische Ergebnisse sind vielversprechend und ermutigen zu weiteren Untersuchungen in einer definitiven Wirksamkeitsstudie.

Autor:
Stand:
07.04.2024
Quelle:

Nikolova et al.: Acceptability, Tolerability, and Estimates of Putative Treatment Effects of Probiotics as Adjunctive Treatment in Patients With Depression. A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2023.1817

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