Die Bedeutung multidisziplinärer Therapiekonzepte für Menschen mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS) ist unumstritten. Die stationäre multidisziplinäre Behandlung der meisten IPS-Patienten erfolgt als Parkinson-Komplextherapie (PKT). Einige Betroffene werden aber auch im Rahmen einer geriatrischen Komplextherapie (GKT) behandelt. Letztere ist in Studien unterrepräsentiert, und ein direkter Vergleich der Zielgruppen beider Therapieformen fehlt bisher.
Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum und der Christian-Albrechts-Universität Kiel haben jetzt in einer Querschnittsanalyse zwei Gruppen von IPS-Patienten verglichen, die unterschiedliche stationäre multidisziplinäre Komplextherapien erhalten hatten. Die Ergebnisse der Studie wurden beim 96. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin präsentiert (Abstract 40) [1,2].
Studiendesign und Teilnehmerprofil
Die prospektive Beobachtungsstudie umfasste insgesamt 302 Probanden, die zwischen September 2017 und September 2022 an einer 14-tägigen multidisziplinären Komplextherapie teilnahmen. Nach Anwendung einer Ausschlussliste verblieben 188 vollständige Datensätze. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen unterteilt, wobei eine Gruppe eine Parkinson-Komplextherapie (PKT) in Bochum (n=97) erhielt und die andere eine geriatrische Komplextherapie (GKT) in Kiel (n=91). Dabei wurden allgemeine klinische Merkmale sowie motorische und nicht-motorische Parameter erfasst.
Signifikante Unterschiede in motorischen und nicht motorischen Merkmalen
Die beiden Kohorten wiesen bedeutende Unterschiede hinsichtlich des Alters, der Erkrankungsdauer und des Erkrankungsstadiums auf. Auch in motorischen Merkmalen, gemessen am Short Physical Performance Battery (SPPB) und der Movement Disorder Society Unified Parkinson’s Disease Rating Scale Part III (MDS-UPDRS III), sowie in nicht motorischen Parametern, erfasst durch das Montreal Cognitive Assessment (MoCA), wurden signifikante Divergenzen festgestellt.
Die Gruppe, die die geriatrische Komplextherapie erhielt, war im Durchschnitt älter und schwerer betroffen. Dies spiegelte sich in einer höheren Punktzahl im MDS-UPDRS III und niedrigeren Punktzahlen in SPPB und MoCA wider. Bezüglich der Geschlechterverteilung und der Levodopa-Äquivalenzdosen (LED) wiesen beide Gruppen ähnliche Muster auf.
Fazit
Der Zielgruppenvergleich zwischen PKT und GKT offenbarte signifikante Unterschiede. Die geriatrische Zielgruppe war dabei sowohl motorisch als auch kognitiv schwerer betroffen. Zukünftige Studien sollten prüfen, ob diese Unterschiede nach einem Matching nach Alter und Geschlecht weiterhin bestehen und ob ein Einfluss auf den Therapieerfolg zu verzeichnen ist.





