Vom Schlaganfall in die Demenz

Durch die Zusammenarbeit von American Heart Association und American Stroke Association ist ein Review entstanden, welches das Auftreten von Demenz nach einem Schlaganfall anhand der aktuellen Literatur untersucht. Fazit: Jeder Dritte ist betroffen.

Demenz Amyloid-Plaques

Bei bis zu 60% der Patienten, die einen Schlaganfall erleiden, kommt es im ersten Jahr danach zu einer Demenz. Man spricht in diesem Zusammenhang von PSCI (post-stroke cognitive impairment). Am häufigsten tritt PSCI kurz nach dem Schlaganfall. Bis zu 20% der Patienten mit einem milden PSCI erholen sich wieder komplett, aber der Großteil der Patienten gelangt nicht mehr zum kognitiven Status vor dem Insult zurück. Patienten, die sich komplett von Schlaganfall und folgendem PSCI erholen, haben dennoch ein erhöhtes Demenzrisiko.

Kognition nach Schlaganfall beeinflusst Therapieerfolg

In Anbetracht des demographischen Wandels werden zunehmend mehr Menschen von Schlaganfällen und somit auch von PSCI betroffen sein. Die psychischen Begleiterkrankungen nach einem Schlaganfall, wozu neben PSCI auch Depressionen und Delir gehören, beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen stark und können den Therapieverlauf negativ beeinflussen. So verwundert es nicht, dass die Kognition nach Schlaganfall eines der Top-Themen in der Schlaganfallforschung ist.

Experten analysieren aktuellen Wissenstand zu PSCI

Zur Auswertung der aktuellen Datenlage im Bereich PSCI haben die American Heart Association und die American Stroke Association eine ausführliche Literaturrecherche vorgenommen und in einer wissenschaftlichen Stellungnahme im Fachjournal „Stroke“ veröffentlicht. Die Experten sichteten die aktuelle Literatur zu Prävalenz, Diagnose und Management von PSCI, geben einen Rahmen für die klinische Versorgung vor und weisen auf Fragestellungen hin, die bisher unzureichend beleuchtet wurden und weitere Studien erfordern.

Ein Drittel entwickelt Demenz innerhalb von 5 Jahren nach Insult

Die Autoren um Dr. Nada El Husseini vom Duke University Medical Center in Durham, USA, führten ein Literatur-Review durch, in dem randomisierte klinische Studien, prospektive und retrospektive Kohortenstudien, Fallkontrollstudien, klinische Guidelines, Review-Artikel und Editorials aus den letzten 10 Jahren berücksichtigt wurden.

Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass PSCI gerade im ersten Jahr nach einem Schlaganfall häufig ist und alle Ausprägungen von milden bis schweren Verläufen annehmen kann. Obwohl die kognitiven Einschränkungen reversibel sind, gerade früh nach dem Insult, entwickeln bis zu einem Drittel der Betroffenen innerhalb von 5 Jahren nach dem Schlaganfall eine Demenz. Manche Patienten erfüllen die diagnostischen Kriterien einer Demenz nicht, leiden aber dennoch unter kognitiven Einschränkungen, welche die Lebensqualität beeinträchtigen.

Wie kommt es zu PSCI?

Die Pathophysiologie hinter PSCI ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Das bleibt auch Fazit der Experten nach dem Literatur-Review. Vermutlich löst ein akuter Schlaganfall eine Reihe von pathologischen Veränderungen aus, gerade bei bereits existierenden mikrovaskulären und neurodegenerativen Veränderungen. In der Allgemeinbevölkerung tragen vor allem mikrovaskuläre Veränderungen zu Demenz und vaskulär-kognitiven Einschränkungen (vascular cognitive impairment, VCI) bei, wohingegen bei Patienten nach Schlaganfall embolische Infarkte einen relativ großen Beitrag zu leisten scheinen. Daneben spielen genetische und soziodemographische Faktoren eine Rolle, so dass die Genese multifaktorieller Natur ist.

Versorgung von Patienten mit PSCI nach Schlaganfall

Hier sehen die Experten ein Screening auf Komorbiditäten und das interdisziplinäre Management der Patienten als integrale Bestandteile in der Versorgung von PSCI. Die gesamten Maßnahmen werden in vier Rubriken zusammengefasst:

  • Komorbiditäten berücksichtigen:
    körperliche Einschränkungen, Schlafstörungen, soziale Isolation, Angststörungen
  • Vorbereitung für die Rückkehr in den Alltag:
    Sicherheit zu Hause und beim Fahren, sofern möglich; Rückkehr an den Arbeitsplatz; Unterstützung durch Pflegeperson
  • Progression der kognitiven Einschränkungen minimieren:
    Sekundärprävention von Schlaganfällen
  • Funktionelles Outcome optimieren durch kognitive Rehabilitation und interdisziplinäre Versorgung, körperliche Aktivität, pharmakologische Therapie.

Weiterer Forschungsbedarf

Das Fazit der Forscher nach ihrer Literaturrecherche: Prospektive Studien zur Evaluierung individueller Entwicklungsverläufe von PSCI und zur Bedeutung akuter vaskulärer Ereignisse bei Alzheimer und anderer Demenzformen sind ebenso notwendig, wie qualitativ hochwertige, randomisierte klinische Studien zum Management von PSCI.

Quelle:

Husseini et al. (2023): Cognitive Impairment After Ischemic and Hemorrhagic Stroke: A Scientific Statement From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke, DOI: https://doi.org/10.1161/STR.0000000000000430

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