Schwangerschaftskomplikationen erhöhen Risiko für frühen ischämischen Schlaganfall

Präeklampsie, Frühgeburt, Gestationsdiabetes & Co. sind nicht nur perinatale Risiken. Eine aktuelle Studie belegt ihren Zusammenhang mit ischämischen Schlaganfällen bei den Müttern noch vor dem 50. Lebensjahr.

Arzt misst Blutdruck Schwangerer

Der ischämische Schlaganfall zählt zu den führenden Ursachen für Morbidität und Mortalität weltweit. Während das Risiko mit dem Alter zunimmt, treten Schlaganfälle auch bei Frauen unter 50 Jahren auf. In dieser Altersgruppe ist die Inzidenz sogar höher als bei gleichaltrigen Männern. Geschlechtsspezifische Risikofaktoren – vor allem Schwangerschaftskomplikationen – könnten diesen Unterschied erklären.

Schwangerschaft als kardiovaskulärer Stresstest

Komplikationen wie hypertensive Schwangerschaftsstörungen (HDP), Gestationsdiabetes, Small-for-Gestational-Age (SGA), Frühgeburten, Fehl- oder Totgeburten gelten nicht nur als geburtsmedizinische Probleme. Sie spiegeln häufig eine zugrunde liegende endotheliale Dysfunktion oder mikroangiopathische Veränderungen wider, die auch für die Pathophysiologie atherosklerotischer Erkrankungen und Schlaganfälle relevant sind. Frühere Studien belegten bereits einen Zusammenhang zwischen Schwangerschaftskomplikationen und einem erhöhten Schlaganfallrisiko im späteren Leben. Unklar war bislang, ob diese Assoziation auch bei jüngeren Patientinnen besteht und ob bestimmte Schlaganfallsubtypen stärker betroffen sind.

Fall-Kontroll-Studie mit mehr als 1000 Frauen

Eine niederländische Studiengruppe um Dr. Esmée Verburgt von der Universität Nijmegen wollte herausfinden, wie stark der Zusammenhang zwischen verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen und dem Auftreten eines ischämischen Schlaganfalls vor dem 50. Lebensjahr ist. Zudem sollte geprüft werden, ob vor allem atherosklerotische Schlaganfälle in besonderem Maße mit Schwangerschaftskomplikationen assoziiert sind.

Die Studie basierte auf einer Fall-Kontroll-Analyse:

  • Studienpopulation: 358 Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren mit einem erstmalig bildgebend bestätigten ischämischen Schlaganfall.
  • Kontrollgruppe: 714 alters- und graviditätsangepasste Frauen aus der Pregnancy and Infant Development Study.
  • Erhobene Schwangerschaftskomplikationen: HDP, SGA, Frühgeburt, Gestationsdiabetes, Totgeburt und Fehlgeburt.
  • Endpunkte: Auftreten eines ischämischen Schlaganfalls sowie Analyse nach ätiologischen Subtypen (z. B. große Arterienkrankheit, kryptogener Schlaganfall).

Augen auf bei Apoplex in der Anamnese

Die Analyse zeigte, dass Frauen mit ischämischem Schlaganfall in der Vorgeschichte signifikant häufiger Schwangerschaftskomplikationen erlitten hatten als Frauen ohne Schlaganfall. Besonders auffällig ist die Assoziation mit atherosklerotischen Schlaganfällen:

  • Hypertensive Schwangerschaftsstörungen, SGA und Frühgeburten standen in enger Verbindung mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall aufgrund einer Erkrankung der großen Arterien.
  • Auch Gestationsdiabetes, Totgeburten und Fehlgeburten waren häufiger bei Frauen mit Schlaganfall vertreten.

Schwangerschaftskomplikation: Langfristiger Risikofaktor

Diese Ergebnisse legen nahe, dass Schwangerschaftskomplikationen nicht nur kurzfristige Risiken für Mutter und Kind bergen, sondern auch ein Frühmarker für kardiovaskuläre Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter sein können.

Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit, Schwangerschaftskomplikationen in der Anamnese als langfristigen vaskulären Risikofaktor zu berücksichtigen. Für die neurologische und gynäkologische Praxis ergeben sich folgende Konsequenzen:

  • Risikostratifizierung: Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen sollten hinsichtlich vaskulärer Risikofaktoren frühzeitig überwacht werden.
  • Sekundärprävention: Bei Patientinnen mit Komplikationen in der Vorgeschichte könnten gezielte Präventionsmaßnahmen wie Lebensstilinterventionen und engmaschige kardiovaskuläre Kontrollen sinnvoll sein.
  • Interdisziplinäre Betreuung: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie, Kardiologie und Neurologie ist entscheidend, um gefährdete Patientinnen frühzeitig zu identifizieren.

Die niederländischen Wissenschaftler stufen aufgrund dieser Ergebnisse Schwangerschaftskomplikationen als relevanten Risikofaktor für frühe ischämische Schlaganfälle ein. Besonders die Verbindung zu atherosklerotischen Schlaganfällen verdeutlicht die gemeinsame Pathophysiologie endothelialer Dysfunktionen. Weitere prospektive Studien seien notwendig, um Kausalitäten zu klären und konkrete Präventionsstrategien abzuleiten. Bis dahin sollte die Schwangerschaftsanamnese konsequent in die Schlaganfallrisikobewertung junger Patientinnen integriert werden. Damit eröffnet sich ein wichtiger Ansatzpunkt für personalisierte Prävention und eine verbesserte Langzeitbetreuung von Frauen nach komplizierten Schwangerschaften.

Autor:
Stand:
29.09.2025
Quelle:

Verburgt E, et al.:(2025): History of Pregnancy Complications and the Risk of Ischemic Stroke in Young Women. Neurology. 2025;105(5). doi:10.1212/WNL.0000000000214009

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