Thrombektomie bei hohem Blutdruck sinnvoll?

Vor einer endovaskulären Therapie beim Schlaganfall sollte der Blutdruck nicht höher als 185/110 mm Hg sein – so die Aussage in aktuellen Leitlinien. Doch wie sehr beeinflusst der Blutdruckwert bei stationärer Aufnahme das funktionelle Ergebnis nach Thrombektomie?

Blutdruckmessung beim Arzt

Blutdruck bei Schlaganfall und Einfluss auf Therapiewahl und Therapiebeginn

Bei einem akuten Schlaganfall besteht bei den Patienten häufig ein erhöhter Blutdruck – und zwar unabhängig davon, ob zuvor schon eine arterielle Hypertonie vorlag. Aktuelle Leitlinien raten zu einem Blutdruck von maximal 185/110 mm Hg vor der endovaskulären Thrombektomie. Doch ist bislang nicht sicher geklärt, wie sehr die Höhe des Blutdrucks nach einem ischämischen Schlaganfall den Outcome der Patienten nach einer Thrombektomie beeinflusst.

Studie untersucht Assoziation zwischen Blutdruck und funktionellem Ergebnis

Zur Klärung dieser Fragestellung untersuchte ein Team um Dr. Noor Samuels vom Erasmus MC University Medical Centre in Rotterdam, Niederlande, den Einfluss des systolischen Blutdrucks (SBP) zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme bei Schlaganfallpatienten auf die funktionellen Ergebnisse nach endovaskulärer Thrombektomie.

Metaanalyse vergleicht Thrombektomie mit medikamentöser Standardtherapie

In der Metaanalyse wurden Daten aus sieben randomisierten kontrollierten Studien ausgewählt (MR CLEAN, ESCAPE, EXTEND-IA, SWIFT PRIME, REVASCAT, PISTE und THRACE). In diesen Studien wurden Patienten mit Schlaganfällen in der vorderen Zirkulation nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt eine endovaskuläre Thrombektomie, überwiegend unter Verwendung von Stent-Retrievern (n = 867). Die andere Gruppe wurde mittels medikamentöser Standardtherapie versorgt (n = 886). Primärer Studienendpunkt war die funktionelle Erholung nach 90 Tagen, gemessen mithilfe der modifizierten Rankin-Skala (mRS).

Systolischer Blutdruck von 140 mm Hg als Schwelle

Die Studienergebnisse zeigen eine nicht-lineare Assoziation zwischen SBP zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme und dem funktionellen Outcome. Die Ergebnisse unterscheiden sich, je nachdem, ob die Patienten einen SBP über oder unter 140 mm Hg hatten. Ein SBP < 140 mm Hg lag bei 42% der Teilnehmer vor, 58% zeigten einen systolischen Blutdruckwert ≥ 140 mm Hg. Patienten mit einem Blutdruck über dem Schwellenwert von 140 mm Hg zeigten ein schlechteres funktionelles Ergebnis (adjustierte Odds Ratio [acOR] 0,86 pro 10 mm Hg Anstieg des SBP; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,81 bis 0,91). Bei Patienten, deren SBP unter 140 mm Hg lag, zeigte sich keine Assoziation mit dem funktionellen Ergebnis (acOR 0,97 pro 10 mm Hg Abfall des SBP; 95%-KI 0,88 bis 1,05).

Insgesamt konnte in den Auswertungen aber keine signifikante Interaktion zwischen SBP und dem Effekt der endovaskulären Thrombektomie auf den funktionellen Outcome festgestellt werden (p = 0,96).

Behandlungsentscheidung sollte nicht vom Blutdruck abhängig gemacht werden

In dieser Metaanalyse war ein erhöhter SBP bei stationärer Aufnahme aufgrund eines Schlaganfalls in der vorderen Zirkulation mit einem schlechteren funktionellen Ergebnis assoziiert. Dennoch zeigte die endovaskuläre Thrombektomie Wirkung, unabhängig vom Ausgangs-Blutdruck. Die Autoren weisen daher darauf hin, dass der SBP zum Zeitpunkt der Klinikaufnahme angesichts der vorliegenden Ergebnisse nicht zum Ausschluss oder zu einem verzögerten Beginn der endovaskulären Thrombektomie führen sollte. Die Zusammenhänge sollten in randomisierten Studien weiter untersucht werden, so das Fazit der Autoren.

Die Studie wurde von Medtronic finanziert.

Quelle:

Samuels et al. (2023): Admission systolic blood pressure and effect of endovascular treatment in patients with ischaemic stroke: an individual patient data meta-analysis. The Lancet Neurology, DOI: https://doi.org/10.1016/S1474-4422(23)00076-5

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