Die Epilepsie ist eine weit verbreitete und schwere neurologische Erkrankung, die durch Krampfanfälle gekennzeichnet ist und von der weltweit über 70 Millionen Menschen betroffen sind. Epilepsie ist außerdem eine komplexe Erkrankung, die durch zahlreiche Risikofaktoren und eine erhebliche genetische Veranlagung beeinflusst wird, wobei das Risiko bei Säuglingen und älteren Menschen am höchsten ist. Diagnostiziert wird sie meistens mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms und Magnetresonanz- bzw. Computertomographie.
Epilepsie als Komorbidität neurodegenerativer Erkrankungen
Klinische Daten deuten darauf hin, dass neurodegenerative Erkrankungen eine erhöhte Inzidenz von Epilepsie aufweisen. Insbesondere weisen Alzheimer (AD)-Patienten eine höhere Prävalenz von Krampfanfällen auf als ihre demenzfreien Altersgenossen. Auch bei Morbus Parkinson (MP) wurde ein erhöhtes Anfallsrisiko beschrieben, wobei man davon ausgeht, dass Entzündungen die Verbindung zwischen beiden Krankheiten darstellen. Und bei Multipler Sklerose (MS) deuten Daten auf eine drei- bis sechsfach höhere Prävalenz als in der Allgemeinbevölkerung hin.
Studie untersucht möglichen kausalen Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Epilepsie
In einer Studie wurde nun untersucht, ob genetisch bedingten Variablen für AD, MP, MS und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) mit Epilepsie in Verbindung gebracht werden können. In dieser Studie lag der Fokus dabei auf der genetisch generalisierten Epilepsie (GGE). Der kausale Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Epilepsie wurde auf der Grundlage von Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) aus genomweiten Assoziationsstudien und Mendelschen Randomisierungsmethoden analysiert. Eingeschlossen wurden Daten von 63.926 AD-Patienten, 482.730 MP-Patienten, 84.694 ALS-Patienten und 115.803 MS-Patienten.
Die Rolle von Einzelnukleotid-Polymorphismen
Bei SNP kommt es im Genom zu Variationen einzelner Basenpaare, die sich im Genpool einer Population etabliert haben. Sie können in kodierenden und nicht-kodierenden Bereich des Genoms auftreten. Des Weiteren können sie geerbt und vererbt werden und eignen sich für Assoziationsanalysen aufgrund ihrer niedrigen Mutationsrate und ihrem häufigen Vorkommen im kompletten Genom. Für einige Krankheiten ist bereits bekannt, dass SNPs das Krankheits-Risiko in komplexer, zum großen Teil noch unbekannter Weise beeinflussen.
Ergebnisse der Studie
Mit Hilfe verschiedener Screening-Verfahren wurden sieben, zwölf, drei und 43 unabhängige SNPs identifiziert, die jeweils mit AD, MD, ALS bzw. MS in Verbindung stehen. Im Fall der MS fand sich ein signifikanter kausaler Zusammenhang zwischen genetisch vorhergesagter MS und GGE, der auf ein erhöhtes Risiko für GGE in Verbindung mit MS hinweist (Odds Ratio [OR]: 1,046; 95% Konfidenzintervall [KI]: 1,001 bis 1,093). Bei AD, MP und ALS fand sich jedoch kein signifikanter kausaler Zusammenhang. Weitere Analysen zeigten, dass diese Ergebnisse robust waren.




