ASCO GI 2025: ASS reduziert das Rezidivrisiko bei kolorektalem Karzinom mit PI3K-Alteration

In randomisiert-kontrollierten Studien wurde gezeigt, dass ASS die Inzidenz kolorektaler Adenome verringern kann. In Beobachtungsstudien gab es auch Hinweise auf eine geringere CRC-Inzidenz bei ASS-Einnahme. Jetzt wurde ein weiterer Einsatz von ASS beim CRC untersucht.

Älterer Mann Tabletteneinnahme

Die skandinavische Studie ALASCCA prüft, ob die adjuvante Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) eine kostengünstige, breit verfügbare Möglichkeit der Rezidivprophylaxe bei bestimmte Patienten mit kolorektalem Karzinomen (CRC) sein könnte, berichtete Professor Dr. Anna Martling vom Karolinska-Institut in Stockholm anlässlich des ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium in San Francisco vorstellte. Es wurde bereits gezeigt, dass Mutationen im PIK3CA-Gen mögliche Prädiktoren für den ASS-Effekt bei CRC sind. Die ALASCCA-Studie schloss Betroffene mit einer Alteration im PI3K-Signalweg ein, die über die PIK3CA-Mutationen noch hinausgingen. 

Design der ALASCCA-Studie

In 33 Kliniken in Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen wurden Patienten mit einem Rektumkarzinom im Stadium I bis III oder mit einem Kolonkarzinom im Stadium II bis III auf das Vorliegen einer somatischen Alteration im PI3K-Signalweg untersucht. 515 Betroffene mit einer PIK3CA-Mutation in den „Hotspots“ Exon 9 oder Exon 20 (Gruppe A) erhielten randomisiert entweder 160 mg ASS oder Placebo pro Tag beginnend drei Monate nach der OP für insgesamt drei Jahre. Primärer Endpunkt der Studie war die Zeit bis zum Rückfall (engl: time to recurrence; TTR) am Ende der drei Jahre. 588 weitere Patienten mit Alterationen in den Genen PIK3R1/PTEN oder im PIK3CA-Gen an anderen Genloci (Gruppe B) wurden analog randomisiert und in die weitere Auswertung mit einbezogen. 

Häufigkeit der PI3K-Alterationen: 37 %  

Insgesamt wurden 3.508 Patienten gescreent. Aussagekräftige Ergebnisse lagen für 2.980 Personen vor. 1.103 Patienten (37 %) wiesen eine Alteration im PI3K-Signalweg auf, 515 (17,3 %) gehörten zur Gruppe A, 588 (19,7 %) zur Gruppe B. Randomisiert werden konnten 626 Patienten. Das mediane Alter der Teilnehmer lag bei 66 Jahren, zwei Drittel litt an einem Kolonkarzinom, ein Drittel an einem Rektumkarzinom. Bei den Betroffenen mit Rektumkarzinom war in der Hälfte der Fälle eine neoadjuvante Therapie erfolgt, bei Kolonkarzinom erhielt die Hälfte der Patienten eine adjuvante Therapie.

Rückfallhäufigkeit signifikant vermindert 

Nach drei Jahren resultierte die ASS-Einnahme in Gruppe A (PIK3CA-Alteration in Exon in einer halb so hohen kumulierten Inzidenz für ein erneuten Auftretens des CRC gegenüber Placebo (7,7 % vs. 14,1 %). Das entsprach einer Risikoreduktion um 51 % (Hazard Ratio [HR] 0,49; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,24–0,98; p=0,044). In Gruppe B mit anderen Alterationen des PI3K-Signalwegs zeigte sich ein ähnliches Ergebnis der kumulativen Rekurrenz-Inzidenz (ASS: 7,7 %; Placebo: 16,8 %; HR 0,42; 95 %-KI 0,21–0,83; p=0,013). Es gab keine Subgruppe, in der kein Vorteil von ASS hinsichtlich des Rekurrenzrisikos zu beobachten war, betonte Martling. 

Mehr Patienten überleben krankheitsfrei  

Das krankheitsfreie Überleben (engl. disease-free survival, DFS) war in beiden Gruppen mit ASS besser als mit Placebo. In Gruppe A lag die 3-Jahres-DFS-Rate mit ASS bei 88,5 %, mit Placebo bei 81,4 % (HR 0,61; 95 %-KI 0,34–1,08; p=0,091). In Gruppe B überlebten mit ASS 89,1 % und mit Placebo 78,7 % drei Jahre ohne Wiederaufflammen des CRC (HR 0,51; 95 %-KI 0,29–0,88; p=0,017). In den ASS-Gruppen kam es etwas häufiger zu unerwünschten Ereignissen (UE) als in der Placebo-Gruppe. Drei Patienten erlitten schwerwiegende UE (je eine gastrointestinale Blutung, ein Hämatom und eine allergische Reaktion). 

Therapieoption für jeden Dritten mit CRC 

Die Berücksichtigung verschiedener Alterationen im PI3K-Signalweg über PIK3CA-Exon9/20-Mutationen hinaus hat den potenziellen Einsatz der adjuvanten ASS-Therapie verbreitert auf gut ein Drittel aller Patienten mit resektablem CRC. Mit dem Erreichen des primären Endpunkts kann die breit verfügbare, kostengünstige adjuvante Therapie mit ASS in eiern Dosis von 160 mg über drei Jahre rasch in die Praxis implementiert werden, meinte Martling. So kostengünstig die Therapie ist, sie setzt allerdings eine Testung auf PI3K-Signalweg-Alterationen voraus. 

Die Studie ist auf ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT02647099 registriert. 

Autor:
Stand:
31.01.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. Anna Martling: „Low-dose aspirin to reduce recurrence rate in colorectal cancer patients with PI3K pathway alterations: 3-year results from a randomized placebo-controlled trial“, ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium 2025, San Francisco und online, 23.-25. Januar 2025, Abstract LBA125
  2. Liao X et al. Aspirin use, tumor PIK3CA mutation, and colorectal-cancer survival. The New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa1207756 
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