Aktuelles aus Krebsregistern in Deutschland

Seit 2009 gibt es in Deutschland eine flächendeckende Krebsregistrierung. Zwischen 2014 und 2018 wurde auf klinisch-epidemiologische Krebsregister umgestellt. Experten stellten anlässlich des 34. Deutschen Krebskongresses in Berlin aktuelle Auswertungen vor.

Trends Bevölkerung

Die altersstandardisierte Mortalität von Männern ist laut dem letzten Bericht "Krebs in Deutschland" vom Dezember vergangenen Jahres innerhalb von 10 Jahren sowohl bei Lungen-, Darm- und Magen- als auch Harnblasenkrebs gesunken [1, 3]. Bei Frauen ist die altersstandardisierte Sterblichkeit bei Darm-, Magen, Eierstockkrebs gesunken, dagegen beim Lungenkarzinom parallel zu einer steigenden Inzidenz angestiegen. Die Entwicklung der Krebssterblichkeit scheint in den letzten Jahren wesentlich durch die Entwicklung der Inzidenz bestimmt worden zu sein, erklärte Dr. Klaus Kraywinkel, Leiter des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut in Berlin. Das relative Überleben zeigte allerdings nach verschiedenen häufigen Krebserkrankungen in den letzten Erhebungsjahren bis 2016 keine großen Veränderungen mehr. Kraywinkel vermutet, dass sich die neueren zielgerichteten und Immuntherapien in der Statistik noch nicht niedergeschlagen haben.

Screening-Effekte in den Krebsregistern

Den Einfluss von Versorgungsstrukturen auf die Häufigkeit und Sterblichkeit von Krebserkrankungen zeigt beispielhaft der Vergleich von Darmkrebsmortalität und -inzidenz in Europa. Die größte jährliche Veränderung zwischen der Jahrtausendwende und 2016-2017 zeigen hier die Tschechische Republik, Österreich und Deutschland. Das sind nicht nur die Länder mit der größten Darmkrebsinzidenz, sondern auch die Länder, die ein flächendeckendes Angebot eines Darmkrebsscreenings eingeführt haben.  

Bei Hautkrebs finden sich unterschiedliche Entwicklungen, was auf dem Hintergrund des Hautkrebsscreenings in Deutschland laut Kraywinkel schwierig zu interpretieren ist: Während die Inzidenz des Malignen Melanoms in den letzten Jahren nicht mehr angestiegen ist, zeigt der Trend bei nicht-melanozytärem Hautkrebs weiter nach oben.

Kaum West-Ost-Unterschiede in Deutschland

Die Daten der Krebsregister ermöglichen auch Vergleiche zwischen einzelnen Regionen. Schon 2012 hatte Lina Jansen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zeigen können, dass sich das relative 5-Jahres-Überleben bei 20 von 25 analysierten Krebsarten in West- und Ostdeutschland nicht unterscheidet [2, 4]. Die Analyse nach einzelnen Bundesländern ergab bislang ebenfalls ein überwiegend einheitliches Bild.

Ungünstige sozioökonomische Verhältnisse beeinflussen Mortalität

Auf der Ebene der Kreise sind die Auswertungen aufgrund der kleineren Datenmengen und der größeren Fehleranfälligkeit, beispielsweise durch eine unterschiedliche Datenqualität, schwieriger.  Eine Analyse beschäftigt sich mit einem möglichen Zusammenhang von Krebssterblichkeit und sozioökonomischer Deprivation, welche die Parameter Arbeitslosenquote, den Anteil der Akademiker, den Anteil der Sozialversicherten, Löhne und Haushaltseinkommen, Schulabbrecher, Privatinsolvenzen und das Steueraufkommen in den einzelnen Kreisen umfasst. Während Jansen keine graduelle Assoziation von sozioökonomischer Deprivation mit dem Krebsüberleben fand, zeigte sich doch ein signifikant niedrigeres Überleben nach Krebs in Regionen mit der höchsten gegenüber der geringsten Deprivation. In einer aktuellen, noch unpublizierten,  Analyse zeigte sich ein geringeres Überleben in Regionen mit der höchsten Deprivation für 22 von 25 Krebserkrankungen. In 17 Fällen war der Unterschied zu Regionen mit der geringsten sozioökonomischen Deprivation auch signifikant. Die Größenordnung des Unterschieds lag beispielsweise bei Brust-, Darm-, Prostata- und Lungenkrebs jeweils zwischen 2-3% im 5-Jahres-Überleben. Eine unterschiedliche Stadienverteilung in den Regionen konnte als Grund für solche Unterschiede schon ausgeschlossen werden.

Bestätigung aus populationsbasierten klinischen Krebsregistern

Die Analyse nur von Daten aus den schon länger bestehenden bevölkerungsbezogenen klinischen Krebsregistern in Dresden, Erfurt und Regensburg bestätigte die Assoziation von hoher sozioökonomischer Deprivation mit einem schlechteren Krebsüberleben, lässt aber auch Assoziationen mit klinischen Faktoren zu. Dabei zeigte sich, dass eine unterschiedliche Therapievergabe wohl nicht für die Unterschiede verantwortlich ist.

Autor:
Stand:
25.02.2020
Quelle:
  1. Dr. Klaus Kraywinkel: „Krebs in Deutschland“, 34. Deutscher Krebskongress, Berlin, 22. Februar 2020.
     
  2. Lina Jansen: „Überleben nach Krebs auf kleinräumiger Ebene“, 34. Deutscher Krebskongress, Berlin, 22. Februar 2020.
     
  3. Robert-Koch-Institut: Krebs in Deutschland für 2015/2016. 12. Ausgabe (2019)
     
  4. Jansen L, Gondos A, Eberle A et al. (2012) Cancer survival in Eastern and Western Germany after the fall of the iron curtain. European Journal for Edpidemiology. DOI: 10.1007/s10654-012-9723-5.
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