Insomnie: Eine häufige und belastende Komorbidität bei Tumorpatienten
Viele onkologische Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung klinisch relevante Schlafstörungen. Besonders häufig treten Ein- und Durchschlafstörungen sowie nicht-erholsamer Schlaf auf. Dies geht mit erheblichen Auswirkungen auf die Lebensqualität einher. Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie gilt bei Tumorpatienten mit Insomnie als Goldstandard. Um diese durchführen zu können, ist die Wahrnehmung von Terminen bei Spezialisten erforderlich. Hieraus können sich mögliche Probleme wie eigeschränkte Verfügbarkeit, Motivation und Teilnahmefähigkeit ergeben. Häufig kommen auch Medikamente bei der Insomnie- Behandlung zum Einsatz. Pharmakologische Interventionen bergen jedoch das Risiko von Nebenwirkungen, Abhängigkeit und verminderter Selbstwirksamkeit.
Biofeedbacktherapie als Therapiealternative bei Insomnie?
Eine mögliche Alternative wäre eine vollständig zu Hause durchführbare Therapie. Hier bietet sich eine Biofeedback-Therapie an. Diese ermöglicht es Patienten, physiologische Prozesse wie die Herzratenvariabilität bewusst wahrzunehmen und aktiv zu regulieren. Frühere Studien belegten die Wirksamkeit einer Herzratenvariabilitäts-Biofeedback-Therapie bei Schlafstörungen. Traditionell wurde diese Therapie in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt. Fortschritte in der Technik ermöglichen es jedoch seit kurzem, diese Therapie komplett im häuslichen Setting durchzuführen.
Aktuelle Studie: Ist häusliche Biofeedback-Therapie bei Krebspatienten mit Insomnie wirksam?
Eine aktuelle randomisierte open-label Studie evaluierte nun die Wirksamkeit einer komplett daheim durchgeführten Herzratenvariabilitäts-Biofeedback-Therapie zur Behandlung von Insomnie bei Krebspatienten.
Insgesamt wurden 28 Patienten in die Studie eingeschlossen. Sie wurden in eine Interventions- und Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Interventionsgruppe führte an vier Tagen eine Biofeedback-Therapie im häuslichen Umfeld mit tragbarem Gerät durch. Die Dauer der Biofeedback-Therapie sollte mindestens fünf, jedoch weniger als 30 Minuten betragen. Bei der Kontrollgruppe erfolgte die Standardversorgung ohne zusätzliche Intervention. Als primären Endpunkt legten die Studienautoren die Veränderung der Schlafeffizienz (Verhältnis der gesamten Schlafdauer zur nächtlichen Schlafdauer) fest. Sekundäre Parameter umfassten unter anderem Veränderungen der Schlaflatenz, totalen Schlafdauer, Schlafqualität und Einnahme von Schlafmedikamenten.
Die Schlafeffizienz verbesserte sich signifikant durch häusliche Biofeedbacktherapie
Die Wissenschaftler beobachteten eine signifikante Verbesserung der Schlafeffizienz bei den Patienten mit Biofeedbacktherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe (p<0,001). Die Patienten berichteten zudem über eine subjektive Verbesserung ihres Schlafs (p=0,009). Bemerkenswert ist, dass die Patienten der Interventionsgruppe im Verlauf der Therapie weniger Schlafmedikamente benötigten (initial 88,2 % versus 51,5 % nach der Intervention; p<0,001).
Die Therapie-Adhärenz war hoch (87,1 %), was auf die gute Akzeptanz und Praktikabilität der Methode hinweist. Unerwünschte Ereignisse wurden in keiner der beiden Patientengruppen berichtet.
Ausblick in die Zukunft: Biofeedbacktherapie vielversprechend zur Verbesserung der Schlafqualität bei Krebspatienten
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass eine häusliche Biofeedback-Therapie eine wirksame, nebenwirkungsarme Behandlungsoption für Insomnie bei Krebspatienten darstellen kann. Für die klinische Versorgung ergeben sich hierdurch neue Perspektiven: Durch die Integration der Biofeedbacktherapie in onkologische Versorgungskonzepte könnte die Schlafqualität der Betroffenen effektiv verbessert und die Abhängigkeit von Schlafmedikamenten reduziert werden, ohne dass zeitintensive Termine deswegen notwendig wären. Wesentliche Vorteile ergeben sich somit auch für onkologische Patienten, die eine eingeschränkte Mobilität haben oder unter einer hohen Belastung leiden. Gleichwohl sind weitere Studien mit größeren Patientenkollektiven sowie Langzeitbeobachtungen erforderlich, um die Nachhaltigkeit der Effekte bewerten zu können.








