Schlafstörungen als häufiges Symptom bei Krebspatienten
Schlafstörungen sind eines der häufigsten Symptome bei onkologischen Patienten und weisen eine große inter-individuelle Variabilität auf . Bei manchen Patienten ist dieses Symptom mit einer Verschlechterung des funktionellen Status, der Lebensqualität, einer Krankheitsprogression sowie einer erhöhten Mortalität assoziiert.
Positive Assoziationen zwischen Schlafstörungen und Fatigue sind in Studien gut belegt
Mögliche Assoziationen zwischen Schlafstörungen und Verschlechterungen der Energie sind hingegen unklar. Obwohl die Begriffe Energie und Fatigue häufig austauschbar genutzt werden, gibt es mehr und mehr Hinweise darauf, dass sie verschiedene aber miteinander verbundene Symptome sind. Eine Studie mit älteren Erwachsenen gibt nun Hinweise darauf, dass ein Absinken der Energielevel über die Zeit mit einem erhöhten Risiko für Behinderung und Mortalität assoziiert ist.
Studie zu Schlafstörungen und morgendlicher Energie
In die longitudinale Studie wurden 1.336 onkologische Patienten, die Chemotherapie erhielten, eingeschlossen.
Die Patienten wurden während zweier Chemotherapie-Zyklen sechs Mal hinsichtlich potenzieller Schlafstörungen und ihres morgendlichen Energielevels untersucht. Zur Identifizierung gemeinsamer Profile bezüglich Schlafstörungen und morgendlicher Energie, wurde eine latente Profilanalyse angewandt.
Forscher identifizieren drei Patienten-Profile
Die Forscher konnten drei Patientenprofile identifizieren, die sich durch das Ausmaß ihrer Schlafstörungen und den Grad ihrer morgendlichen Energie unterschieden:
- Minimaler Schlafstörung und hohe morgendliche Energie („Normal“, 20,6%)
- moderate Schlafstörung und niedrige morgendliche Energie („Moderat“, 52,1%) und
- ausgeprägte Schlafstörung gepaart mit extrem niedriger morgendlicher Energie („Schwer“, 27,3%).
Insgesamt berichteten 80% der Patienten von einem moderaten bis sehr schweren Ausmaß ihrer Schlafstörungen und Verschlechterung der morgendlichen Energie.
Veränderungen der Schlafstörungen und des Energielevels
In der Patientengruppe mit dem Profil „normal“ sanken über sechs Messungen die Schlafstörungsscores und die morgendliche Energie-Scores stiegen. In der „moderat schweren“ Gruppe verschlechterten sich die Schlafstörungs- und morgendliche Energiescores während den Messungen zwei und fünf (den Messungen nach der Chemotherapiegabe). Die Studienautoren vermuten einen Zusammenhang mit ungelinderten Symptomen wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen, welche zu einer Störung des Schlafes geführt haben könnten. Hierdurch könnte auch die verminderte morgendliche Energie erklärt werden.
Bei Patienten des Profils „sehr schwer“ blieben die Schlafstörungen sowie die morgendliche Energiescores relativ konstant während den sechs Messungen. Die Gruppen „normal“ und „moderat-schwer“ wiesen eher Probleme mit der Aufrechterhaltung des Schlafes auf, während die Gruppe „sehr schwer“ zusätzlich noch Probleme mit dem Einsetzen des Schlafes aufwies.
Demographische und klinische Unterschiede zwischen den Profilen
Verglichen mit dem als „normal“ klassifizierten Profil sind die Patienten der anderen beiden Profile eher Frauen, eher weniger berufstätig, hatten mehr Komorbiditäten und einen geringeren funktionellen Status. Die Patienten des Profils „sehr schwer“ hatten häufiger bereits eine Tumortherapie durchgemacht und wiesen eher Metastasen auf. Zudem waren sie jünger, lebten eher alleine und hatten ein geringeres Haushaltseinkommen. Außerdem wiesen sie häufiger einen höheren BMI und eine Anämie oder sonstige Bluterkrankung auf. Den höheren BMI brachten die Studienautoren mit einer möglicherweise unentdeckten obstruktiven Schlafapnoe in Verbindung.
Symptomscores und Lebensqualitäts-Outcomes zeigten einen Dosis-Antwort-Effekt (das heißt mit zunehmend schlechterem Profil, wurden die Symptomscores höher und die Lebensqualitätscores schlechter).
Fazit
Die Wissenschaftler empfehlen die Untersuchung möglicher Schlafstörungen und der morgendlichen Energie bei Tumorpatienten. Zudem sollten die Patienten über Lifestyle-Interventionen aufgeklärt werden, die zur Verbesserung der Schlafqualität führen können.








