Mikrobiom als potenzieller Risikofaktor für kardiotoxische Effekte bei Brustkrebspatientinnen

Ein gesundes Darmmikrobiom vor Beginn einer Chemotherapie könnte Brustkrebspatientinnen vor kardiotoxischen Schäden schützen – bestimmte Bacteroides-Arten korrelieren mit Biomarkern eines erhöhten Risikos und deuten auf das Potenzial einer gezielten Probiotikagabe hin.

Darmmikrobiom

Brustkrebs ist die weltweit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Verbesserte Therapien haben die Überlebensraten erhöht, doch mit der steigenden Zahl von Langzeitüberlebenden wächst auch die Bedeutung therapiebedingter Spätfolgen. Zu diesen zählt die Kardiotoxizität, eine bekannte unerwünschte Wirkung vieler Chemotherapeutika. Diese kann sich in einer Beeinträchtigung der linksventrikulären Funktion oder einer Erhöhung spezifischer kardialer Biomarker manifestieren.

Kardiotoxizität stellt eine relevante Herausforderung dar, da sie die Lebensqualität und Prognose von Brustkrebspatientinnen langfristig beeinflussen kann. Bislang konzentrierten sich Präventionsstrategien vor allem auf kardiale Bildgebung, Biomarkermonitoring und Anpassung der Chemotherapie. Ein neues Forschungsfeld untersucht nun, ob das intestinale Mikrobiom eine Rolle bei der individuellen Anfälligkeit für Herzschäden spielen könnte.

Zusammenhang zwischen Mikrobiom und kardiotoxischen Biomarkern

Im Rahmen des europäischen CARDIOCARE-Projekts wurden kürzlich auf dem Kongress European Cardio-Oncology 2025 der European Society of Cardiology (ESC) Zwischenergebnisse einer multizentrischen Studie vorgestellt. Ziel war es, mögliche Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung des Darmmikrobioms und Biomarkern für kardiotoxisches Risiko bei älteren Brustkrebspatientinnen vor Beginn einer Chemotherapie zu untersuchen.

Die Studie geht einer zentralen Fragestellung in der Onkologie nach: Welche Patientengruppen sind besonders gefährdet für kardiotoxische Nebenwirkungen, und lassen sich diese Risiken bereits vor Therapiebeginn durch neue Biomarker oder prädiktive Faktoren erkennen?

Multizentrische Kohorte bei Patientinnen über 60 Jahren

Die Studie umfasste 98 Frauen über 60 Jahre mit neu diagnostiziertem Brustkrebs. Die Rekrutierung erfolgte an drei europäischen Zentren: dem Bank of Cyprus Oncology Centre, der National and Kapodistrian University of Athens sowie dem European Institute of Oncology in Italien.

Vor Beginn der Chemotherapie wurden echokardiographische Untersuchungen zur Beurteilung der Herzfunktion durchgeführt und Blutproben auf kardiotoxische Biomarker wie LVGLS, NT-proBNP und Troponin I analysiert. Parallel erfolgte eine genomische Sequenzierung zur umfassenden Charakterisierung des Darmmikrobioms.

Korrelation spezifischer Bacteroides-Arten mit kardiotoxischem Risikoprofil

Die Analysen zeigten eine deutliche Assoziation zwischen bestimmten Bacteroides-Gattungen im Darmmikrobiom und einer ungünstigen Biomarker-Konstellation, die auf ein erhöhtes Risiko für Herzschäden unter Chemotherapie hindeutet.

Patientinnen mit einem höheren Anteil dieser Bakterien wiesen Biomarkerprofile auf, die mit einem gesteigerten Risiko für kardiotoxische Effekte während der Therapie korrelierten. Bemerkenswert war dabei die Ähnlichkeit des Mikrobiomprofils dieser Patientengruppe mit dem von Patienten mit Herzinsuffizienz.

Die Familie der Bacteroidaceae ist weit verbreitet im menschlichen Darm und kann sowohl protektive als auch pathogene Wirkungen entfalten, insbesondere im Kontext inflammatorischer Prozesse und mikrobieller Dysbiose.

Fazit: Mikrobiom als möglicher Ansatzpunkt für Prävention

Die Ergebnisse liefern erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen bestimmten Mikrobiomkonstellationen vor Beginn der Chemotherapie und einem erhöhten Risiko für kardiotoxische Schäden bei Brustkrebspatientinnen. Diese Erkenntnisse erweitern das Verständnis für individuelle Risikofaktoren und könnten als Grundlage für eine personalisierte Risikostratifizierung dienen.

Um jedoch konkrete präventive Strategien zu entwickeln, sind umfassendere Studien mit klar definierten Endpunkten erforderlich. Das CARDIOCARE-Projekt stellt hierfür eine wichtige Basis dar, um die Rolle des Mikrobioms in der Kardiotoxizitätsprävention systematisch zu untersuchen.

Autor:
Stand:
04.08.2025
Quelle:

European Society of Cardiology (ESC), Pressemitteilung, 20. Juni 2025.

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