Multiples Myelom und Diabetes – Assoziationen bereits bekannt
Das Multiple Myelom, auch als Plasmazellmyelom bezeichnet, rangiert als die zweithäufigste Neoplasie des Knochenmarks. In den USA und Deutschland beträgt die Inzidenz etwa 8/100.000 Personen, wohingegen sie bei schwarzen Individuen bei 15,5/100.000 liegt [1]. Die genauen Gründe für diese Unterschiede sind bisher unklar [2].
Diabetes mellitus, eine Stoffwechselerkrankung mit steigender Inzidenz, zeigt ebenfalls variierte Prävalenzen in unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Hierbei sind schwarze Patienten überproportional häufig betroffen [3].
Besteht eine Verbindung zwischen den beiden Erkrankungen?
Dieser Fragestellung ging die Arbeitsgruppe um Dr. Urvi Shah nach, wobei sie besonders den Einfluss der ethnischen Herkunft auf den Verlauf des Multiplen Myeloms in Anwesenheit von Diabetes mellitus (Typ 1 und 2) betrachteten. Die teilweise überraschenden Befunde ihrer retrospektiven Untersuchung, die Daten von über 5.300 Patienten mit Multiplem Myelom umfasste, wurden im September 2023 publiziert [4].
„It doesn‘t matter if your Black or White“ – aber stimmt das?
Die Mehrheit der Studienteilnehmer war weiß (81%), männlich (56%) und über 65 Jahre alt (65%). Zudem hatten 68% einen erhöhten BMI. Von allen Teilnehmern litten 15% an Diabetes, wobei der Anteil bei den weißen Patienten mit 12% niedriger lag als bei den schwarzen Patienten (25%).
Detaillierte Untersuchungen zeigten, dass nicht nur die Prävalenz von DM in schwarzen MM-Patienten viel höher war, diese Gruppe umfasste auch überdurchschnittlich viele junge (45-60 Jahre), normalgewichtige schwarze Patienten.
Schlechtere Überlebensrate mit Diabetes
Zahlreiche Studien aus mehreren Ländern beschrieben bereits schlechtere Überlebensraten bei MM im Zusammenhang mit DM. Die Ergebnisse wurden auch in dieser Studie bestätigt: Patienten mit beiden Erkrankungen hatten eine kürzere Überlebensrate als Patienten ohne DM (Hazard Ratio (HR)=1,34; 95%-KI; 1,17 bis 1,54, p<0,0001).
Interessanterweise wurde dieser Zusammenhang nur bei weißen Patienten beobachtet (HR=1,44; 95%-KI: 1,23 bis 1,69, p<0,0001), während er bei schwarzen Patienten nicht festgestellt wurde (HR=1,10; 95%-KI: 0,83 bis 1,45, p<0,48).
Generell steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Nachdem v.a. jüngere schwarze Patienten von DM betroffenen waren, könnte dies eine mögliche Erklärung für die beobachteten Ergebnisse sein. Möglicherweise tolerieren sie die MM-Therapie besser, was sich auch auf die Überlebensrate auswirkt.
BMI-Paradoxon
Das sogenannte BMI-Paradoxon bei Tumorerkrankungen ist bereits aus früheren Untersuchungen bekannt [5]. Dies machte sich auch in den vorliegenden Ergebnissen bemerkbar. Ein erhöhter BMI (übergewichtig oder adipös) verbesserte die Überlebensrate im Vergleich zu normalgewichtigen Patienten (p=0,003 bzw. p=0,04). Dies war jedoch nur bei schwarzen Patienten (p=0,002 bzw. p=0,0007) und nicht bei weißen Patienten zu beobachten.
Möglicherweise führt ein fortgeschrittenes Stadium der Grunderkrankung zu einem erhöhten Gewichtsverlust und ist daher mit einer schlechteren Prognose verbunden. Zudem ist der BMI als Marker in unterschiedlichen Ethnien unterschiedlich zu bewerten. Dies könnte erklären, warum sich die Ergebnisse zwischen beiden Gruppen unterscheiden.
Mausmodelle geben Hinweise zu möglichen Mechanismen
Durch den Einsatz eines genetisch modifizierten Mausmodells konnten Wissenschaftler potenzielle Mechanismen identifizieren. Das Tumorwachstum war in nicht-übergewichtigen diabetischen Mäusen deutlich stärker im Vergleich zu Kontrolltieren (p<0,05). Mechanistisch wird ein Insulin-vermittelter Signalweg postuliert, der möglicherweise überaktiviert wird. Erhöhte Insulinspiegel, die auch mit DM assoziiert sind, könnten also möglicherweise das Tumorwachstum beschleunigen.
Bedeutung der Ergebnisse
Diabetes scheint, unabhängig vom Alter, unterschiedliche Auswirkungen auf die Überlebensraten von schwarzen und weißen Patienten mit Multiplem Myelom zu haben. In der gezielten Tumorbehandlung sollte daher der Diabetesstatus kontinuierlich überwacht werden. Zeigen sich Anzeichen einer Diabeteserkrankung, könnte dies möglicherweise den Krankheitsverlauf und somit auch die damit einhergehende Therapie beeinflussen.









