„Clean eating“ kann das Krebsrisiko senken

Eine neue Studie bestätigte, dass hochverarbeitete Lebensmittel zu mehr Krebserkrankungen führen. Eine Ernährung, die auf minimal verarbeiteten und frischen Lebensmitteln basiert, senkt hingegen das Erkrankungsrisiko.

Ernährung

Schon frühere Studien lieferten Hinweise, dass die Auswahl der Lebensmittel das Risiko beeinflusst, an Krebs zu erkranken. Bisher konnten jedoch nur wenige umfangreiche epidemiologische Untersuchungen einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln und einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten aufzeigen. Nun liefern neue Forschungsergebnisse weitere Belege für diesen Zusammenhang.

Studienaufbau

Das internationale Forscherteam verwendete Daten aus der prospektiven EPIC-Kohortenstudie, die zwischen dem 18. März 1991 und dem 2. Juli 2001 Teilnehmer aus 23 Zentren in zehn europäischen Ländern rekrutierte, um den Zusammenhang zwischen dem Verarbeitungsgrad der Nahrung und dem Krebsrisiko für 25 anatomische Stellen zu prüfen. Von den 521.324 für EPIC rekrutierten Teilnehmern schlossen die Forscher 450.111 in ihre Analyse ein.

Mit validierten Ernährungsfragebögen wurden Informationen zum Lebensmittel- und Getränkekonsum gewonnen. Um festzustellen, welche Teilnehmer an Krebs erkrankten, nutzten die Wissenschaftler Daten aus Krebsregistern, Krebs- und Pathologiezentren, Krankenversicherungsunterlagen sowie durch aktive Nachverfolgung der Teilnehmer.

Klassifizierung der Lebensmittel

Lebensmittel wurden nach dem Grad der Verarbeitung mithilfe des NOVA-Klassifizierungssystems in Gruppen eingeteilt: minimal oder nicht verarbeitete Lebensmittel (NOVA 1), Lebensmittel, die mit verarbeiteten Zutaten zubereitet wurden (NOVA 2), verarbeitete Lebensmittel (NOVA 3) und hochverarbeitete Lebensmittel (NOVA 4). In der Studie konzentrierten sich die Forscher auf den Vergleich von NOVA 1 mit NOVA 3 und NOVA 4.

Krebsrisiko steigt

Mit einem multivariaten Modell, das an Geschlecht, Rauchen, Bildung, körperliche Aktivität, Größe und Diabetes angepasst wurde, berechneten die Wissenschaftler die Abhängigkeit des Krebsrisikos von der Ernährungsweise.

Demnach sank das Krebsrisiko insgesamt um 4%, wenn 10% der verarbeiteten Lebensmittel durch minimal verarbeitete Lebensmittel ersetzt wurden. Bei einigen spezifischen Krebsarten reduzierte sich das Risiko sogar sehr deutlich, etwa um 43% für das Adenokarzinom der Speiseröhre und um 23% für das hepatozelluläre Karzinom.

Personen, die 10% ihrer hochverarbeiteten Lebensmittel durch minimal verarbeitete Lebensmittel ersetzten, konnten ihr Krebsrisiko ebenfalls verringern, wenn auch in geringerem Maße als bei verarbeiteten Lebensmitteln. Diese Änderung in der Ernährung führte zu einer Senkung des Gesamtkrebsrisikos um 1%, des Risikos für hepatozelluläre Karzinome um 27% und des Risikos für Darmkrebs um 7%.

Suche nach der Ursache

Hochverarbeitete und verarbeitete Lebensmittel könnten das Krebsrisiko steigern, da sie oft kalorienreich, aber nährstoffarm sind. Diese Eigenschaften tragen zur Fettleibigkeit bei, die als anerkannter Risikofaktor für mindestens 13 verschiedene Krebsarten gilt.

Dr. Inge Huybrechts, Ernährungsepidemiologin und Leiterin des Teams für Lebensstilexposition und Interventionen bei der Weltgesundheitsorganisation in Lyon, Frankreich, weist jedoch darauf hin, dass ein höherer Body-Mass-Index (BMI) allein diesen Zusammenhang nicht vollständig erklären kann. Sie betont, dass auch andere Faktoren, wie Kontaminanten und Zusatzstoffe aus der Lebensmittelverarbeitung, eine Rolle spielen könnten.

Limitationen

Viele Studien, die den Verzehr stark verarbeiteter Lebensmittel untersuchen, stoßen auf das Problem einer möglichen Fehlklassifizierung von Lebensmitteln aufgrund unzureichender Informationen. Ein weiteres Hindernis stellen die Ernährungsfragebögen und 24-Stunden-Ernährungserinnerungen dar, deren Genauigkeit von der Sorgfalt der Teilnehmer beim Ausfüllen abhängt.

Zusätzlich besteht die Herausforderung, Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad adäquat zu klassifizieren. Beim häufig verwendeten NOVA-Klassifizierungssystem sind einige Kategorisierungen umstritten. Gemeinsam ist den stark verarbeiteten NOVA-4-Lebensmitteln, dass sie Zusätze wie Konservierungsmittel, Emulgatoren, Aromen, künstliche Süßstoffe und andere chemische Substanzen enthalten.

Autor:
Stand:
01.02.2024
Quelle:
  1. Kliemann et al. (2023): Food processing and cancer risk in Europe: results from the prospective EPIC cohort study. Lancet Planet Health, DOI: 10.1016/S2542-5196(23)00021-9
  2. Fillon (2023): To lower cancer risks, study shows that food choices matter. CA: a cancer journal for clinicians, DOI: 10.3322/caac.21816
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