Schonende Therapieoptionen für das lokalisierte Prostatakarzinom
Die Ablation der gesamten Prostata als Salvage-Therapie nach einer Radiotherapie wird in mehreren internationalen Leitlinien empfohlen. Unter Experten ist auch die primäre Ganzdrüsenablation als praktikable und effektive minimalinvasive Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms akzeptiert und wird seit mehr als zwei Jahrzehnten praktiziert. In mehreren Leitlinien setzt die Anwendung bei einem Prostatakarzinom mit niedrigem bis mittlerem Progressionsrisiko die fundierte Entscheidung des Patienten nach einer Beratung über Risiken und Nutzen bezüglich onkologischer und funktioneller Ergebnisse voraus.
Zur Ablation mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) und zur Kryoablation (CRYO) liegen in der klinischen Praxis bisher die meisten Erfahrungen vor. Vergleichende Studien, deren Ergebnisse die Entscheidung für eine der Methoden stützen könnten, wurden bisher kaum durchgeführt. Frühere systematische Übersichtsarbeiten bestätigten die Evidenz für günstige funktionelle Ergebnisse, aber die onkologischen Befunde waren aufgrund der begrenzten Nachbeobachtungsphasen nicht schlüssig.
Sind die onkologischen Ergebnisse akzeptabel?
Wissenschaftler um Sriram Deivasigamani vom Duke Cancer Institute und vom Duke University Medical Centre in Durham in den USA sammelten systematisch Daten aus der klinischen Praxis, um diese bezüglich der mittel- bis langfristigen onkologischen und funktionellen Ergebnisse der Ganzdrüsenablation mittels CRYO oder HIFU bei Patienten mit klinisch lokalisiertem Prostatakarzinom auszuwerten. Die Ergebnisse sollten Ärzten und Patienten bei der Entscheidungsfindung unterstützen, wenn sie eine primäre Ganzdrüsenablation in Betracht ziehen. Die Publikation über die Arbeit erschien im Fachblatt European Urology [1].
Metaanalyse von Praxisdaten
Bei der systematischen Überprüfung der Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane identifizierten die Wissenschaftler Publikationen über 29 Studien (randomisierte kontrollierte Studien [RCT], sowohl retrospektive als auch prospektive Kohortenstudien und einarmige Studien), darunter 14 Studien zur CRYO und 15 Studien zur HIFU, mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 72 Monaten. Die meisten Studiendesigns waren retrospektiv (n = 23), sechs prospektiv, darunter eine RCT.
Das mediane Alter der in die Studien eingeschlossenen Patienten betrug 69 Jahre. 13 Studien (45%) umfassten auch Patienten mit einem medianen Alter von ≥70 Jahren. Der mediane PSA-Wert der gesamten Kohorte betrug 7,9 ng/ml. Bei 52% der Patienten lagen Tumoren mit einem Gleason-Score von ≤6 vor, bei 32% von 7 und bei 12% von ≥8. Die Studien umfassten also überwiegend Patienten mit niedrigem oder mittlerem Progressionsrisiko.
Onkologische und funktionelle Ergebnisse sowie Morbidität nach zehn Jahren
Nach zehn Jahren Nachbeobachtung hatten insgesamt 63% der Patienten überlebt. Das krebsspezifische Überleben betrug 96%. 58% der Patienten hatten kein biochemisches Rezidiv, 71–79% kein Rezidiv und 84% keine Metastasen.
Die erektile Funktion blieb in 37% der Fälle erhalten, und 96% der Patienten waren ohne Einlagen kontinent. Die 1-Jahres-Rate lag zwischen 97,4% und 98,8%.
Strikturen traten in 11%, Harnverhalt in 9,5%, Harnwegsinfektionen in 8%, Rektumfisteln in 0,7% und Sepsis in 0,8% der Fälle auf.
Empfehlung der Focal Therapy Society
Die mittel- bis langfristigen Daten aus der Praxis und die Sicherheitsprofile von CRYO und HIFU lieferten eine solide Evidenz, so dass die Experten meinen, geeigneten Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom könne die Ganzdrüsenablation als Primärbehandlung angeboten werden. Im Vergleich zu anderen bestehenden radikalen Behandlungsmodalitäten für das lokalisierte Prostatakarzinom im Primärumfeld erzielen diese ablativen Therapien nahezu gleichwertige intermediäre bis langfristige onkologische und sicherheitsrelevante Ergebnisse bei hervorragend erhaltener Kontinenz.








