Das klarzellige Nierenzellkarzinom (ccRCC) ist die häufigste Form von Nierenkrebs und macht etwa 75% aller Fälle aus. Im metastasierten Stadium bleibt die Prognose trotz Fortschritten bei Tyrosinkinaseinhibitoren (TKIs) und Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICIs) limitiert. Die Resistenzentwicklung gegenüber etablierten Therapien und die Heterogenität des Tumors stellen dabei wesentliche Barrieren dar. Daher besteht ein dringender Bedarf an innovativen Therapieansätzen, insbesondere für Patienten mit therapierefraktären Verläufen.
Ein vielversprechender Ansatz zur Überwindung dieser Hürden ist die gezielte Immuntherapie. CD70, ein tumorspezifisches Antigen, wird in ccRCC-Zellen hochreguliert und bietet daher ein attraktives Ziel für innovative Behandlungsmethoden. In diesem Kontext untersucht die TRAVERSE-Studie ALLO-316, eine allogene CAR-T-Zell-Therapie, die darauf abzielt, CD70-positive Tumorzellen präzise zu eliminieren.
ALLO-316: Konzept und Wirkmechanismus
ALLO-316 ist eine innovative CAR-T-Zell-Therapie, die auf allogenen Spenderzellen basiert und speziell tumorspezifische CD70-positive Zellen angreift. Neben der gezielten Zerstörung der Tumorzellen eliminiert ALLO-316 auch CD70-positive Zellen im Tumormikromilieu, die immunsuppressive Funktionen ausüben. Dieser als „Dagger-Effekt“ bezeichnete Mechanismus ermöglicht eine robuste Expansion und Effektivität der CAR-T-Zellen und fördert eine gezielte Immunmodulation.
Die allogene Herstellung bietet Vorteile wie eine vorgefertigte Verfügbarkeit und Standardisierung der Zellen. Dies verkürzt die Zeit bis zur Behandlung und kann besonders bei aggressiven Tumorverläufen von Vorteil sein. Bislang wurden keine Fälle von Graft-versus-Host-Erkrankungen berichtet, was die Sicherheit des Ansatzes unterstreicht.
TRAVERSE-Studie
Die Phase-Ia/Ib-Studie TRAVERSE (NCT04696731) untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit von ALLO-316 bei fortgeschrittenem oder metastasiertem ccRCC. Primäre Endpunkte umfassen die Identifikation dosislimitierender Toxizitäten (DLTs) und die Bestimmung der optimalen Dosis für Phase-II. Zu den sekundären Endpunkten zählen die objektive Ansprechrate (ORR), die Dauer des Ansprechens sowie die Expansion und Persistenz der CAR-T-Zellen im Patienten.
Wirksamkeit bei CD70-positiven Patienten
Von 39 eingeschlossenen Patienten wiesen 26 eine CD70-Expression auf, davon 21 mit einem Tumorproportionsscore (TPS) von ≥ 50%. Die Ergebnisse zeigen ein vielversprechendes Ansprechen in dieser Kohorte:
- 76% der Patienten mit hohem TPS zeigten eine Tumorreduktion.
- 33% erreichten eine Tumorreduktion von mehr als 30%.
- Die objektive Ansprechrate (ORR) lag bei 27%
Sicherheitsprofil
Die Therapie zeigte ein handhabbares Sicherheitsprofil, trotz häufiger Nebenwirkungen:
- Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS): bei 62% der Patienten (Grad ≥ 3: 3%).
- Neutropenie: bei 56% (Grad ≥ 3: 51%).
- Fatigue: bei 59% (Grad ≥ 3: 3%).
Dosislimitierende Toxizitäten wurden in zwei Fällen berichtet (Autoimmunhepatitis und kardiogener Schock). Graft-versus-Host-Erkrankung auftraten, was die Sicherheit der allogenen Zellquelle unterstützt.
Kinetik der CAR-T-Zellen
Bei Patienten, die auf die Therapie ansprachen, zeigte sich eine signifikante Expansion der CAR-T-Zellen, mit einem Höhepunkt zwischen Tag 7 und Tag 21 nach der Infusion. Diese Expansion korrelierte mit einer Tumorreduktion und einer vorübergehenden Elimination von CD70-positiven Immunzellen.
Bedeutung und zukünftige Perspektiven
Die Ergebnisse der TRAVERSE-Studie zeigen, dass ALLO-316 eine vielversprechende Behandlungsoption für CD70-positive Tumore darstellen könnte, insbesondere bei Patienten mit hoher Tumorlast und therapierefraktären Verläufen. Die Kombination aus gezielter Tumorelimination und Aufhebung der immunsuppressiven Tumorumgebung durch den Dagger-Effekt hebt diese Therapie von bestehenden Ansätzen ab.
Langfristige Studien sind jedoch erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit von ALLO-316 weiter zu bewerten.








