Der Magenkrebs (gastric cancer, GC) rangiert weltweit an fünfter Stelle unter den häufigsten Krebsarten und ist die viert häufigste Todesursache im Zusammenhang mit Krebs. Trotz einiger Verbesserungen in der Behandlung ist die Prognose nach wie vor schlecht, da Magenkrebs häufig in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Das unterstreicht die Notwendigkeit von primären Präventionsmaßnahmen und Früherkennungsprogrammen.
In Südkorea und Japan gibt es seit Jahrzehnten landesweit organisierte Magenkrebs-Screeningprogramme, die eine Endoskopie oder ein Röntgenbild der oberen Magen-Darm-Reihe (UGI) beinhalten. Eine Studie untersuchte nun die Auswirkungen dieser Programme auf die mit Magenkarzinom assoziierte Mortalität. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift "Gastroenterology“ veröffentlicht [1].
Bewertung von Screeningprogrammen
Die Forschungsgruppe nutzte die flexible Synthetic Control-Methode (SCM), um den Effekt der Screeningprogramme auf die altersstandardisierte Mortalität durch Magenkrebs sowie andere obere gastrointestinale Erkrankungen (Speiseröhrenkrebs und Magengeschwüre) bei Personen im Alter von ≥40 Jahren abzuschätzen. Für die Analysen wurden Daten zur Mortalität der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und länderspezifische Kovariaten der Weltbank und der Global Burden of Diseases (GBD)-Studie verwendet.
Positive Auswirkungen des nationalen Vorsorgeprogramms in Südkorea
Der nationale Vorsorgeplan in Südkorea wurde mit einer 41%igen Reduktion der Magenkrebs-Mortalität und einer 53%igen Reduktion der Mortalität anderer UGI-Erkrankungen bis zum 15. Jahr nach Einführung des Screenings in Verbindung gebracht. Zusätzlich zu den Auswirkungen auf die GC-Mortalität könnte das landesweite Screening in Südkorea mit einer verringerten Mortalität anderer UGI-Erkrankungen, einschließlich Speiseröhrenkrebs und Magengeschwüren, assoziiert sein, mutmaßen die Studienautoren.
Für Japan konnte in der SCM-Analyse keine signifikante Wirkung festgestellt werden. Allerdings deutete die ergänzende SDID-Analyse (Synthetic Difference-in-Differences) auf einen Rückgang der Magenkrebs-Mortalität nach Einführung des Screenings hin. Die Forscher schließen eine potenzielle Verzerrung der Ergebnisse nicht aus.
Bedeutung der Endoskopie im Screeningprozess
Eine mögliche Erklärung für die geschätzten disparaten Auswirkungen in Südkorea und Japan könnte in den unterschiedlichen Screeningmethoden dieser Länder liegen. Obwohl Japan etwa 20 Jahre früher als Südkorea mit dem landesweiten Vorsorgeprogramm begann, wurde die endoskopische Untersuchung gemäß den japanischen GC-Screening-Richtlinien erst im Jahr 2014 empfohlen.
Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Endoskopie eine höhere Sensitivität aufweise als die UGI-Serie beim organisierten Screening, erklären die Studienautoren. Im Jahr 2015 führten nur 19% der Kommunen in Japan ein endoskopisches Screening durch, während im Jahr 2011 in Südkorea 72,55 % der Teilnehmer die endoskopische Untersuchung anstelle der UGI-Serie durchliefen.
Darüber hinaus ist die Beteiligungsquote an den national organisierten Magenkrebs-Vorsorgeprogammen in Japan viel niedriger als in Südkorea.
Schlussfolgerungen aus den nationalen Magenkrebs-Screeningprogrammen in Südkorea und Japan
Das nationale Magenkrebs-Screening in Südkorea hat klare Vorteile gezeigt, während die Wirksamkeit des japanischen Programms unsicher bleibt. Die Unterschiede in den Screening-Programmen zwischen den beiden Ländern lassen vermuten, dass die Wirksamkeit des GC-Screenings von Faktoren wie der Screening-Methode, den Teilnahmeraten und den Organisationsstrategien beeinflusst werden könnte. Die Erkenntnisse aus den Erfahrungen in Südkorea und Japan könnten als Leitfaden für andere Länder dienen, jedoch seien weitere Studien erforderlich, um die Auswirkungen des Screenings in diesen Ländern zu vergleichen, betonen die Forschenden.









