NMIBC: Werden Biomarkertests die Zystoskopien ersetzen?

In der klinischen Studie SEALS XPERT konnte die Anzahl an Zystoskopien in der Nachsorge von Patienten mit hochgradigem nicht muskelinvasivem Blasenkrebs durch die Verwendung eines Biomarkertests um die Hälfte reduziert werden.

Harnblase-2

Zystoskopien bei NMIBC belasten Patienten

Die meisten der neu diagnostizierten Blasentumoren fallen in die Kategorie nicht muskelinvasives Blasenkarzinom (NMIBC). Aufgrund der hohen Rezidivrate von bis zu 70% innerhalb von fünf Jahren und zur Vermeidung des Fortschreitens zu muskelinvasiven Erkrankungen ist eine engmaschige Überwachung indiziert. Der Goldstandard für die Überwachung hochgradiger Tumoren nach der Resektion ist derzeit die flexible Zystoskopie verbunden mit zytologischen Urinuntersuchungen [1-3].

Die Zystoskopie bietet eine hohe Sensitivität und Spezifität für papilläre Läsionen. Zystoskopien sind jedoch zusätzlich zu den Beschwerden, der Invasivität und den Kosten des Eingriffs mit einem hohen Risiko von Nebenwirkungen wie Harnwegsinfektionen verbunden.

Der Xpert® Bladder Cancer Monitor (XBCM) ist ein nicht invasiver Biomarker-Test mit belegter klinischer Sensitivität und Spezifität für hoch- und niedriggradigen Blasenkrebs. Er misst die Expression von fünf mRNA-Zielsequenzen in einer Spontanurinprobe [3].

XBCM könnte ein sicherer Ersatz für flexible Zystoskopien sein. In einer früheren Studie wurde eine Sensitivität von 83,3%, eine Spezifität von 75,8%, ein negativer prädiktiver Wert von 97,6% und ein positiver prädiktiver Wert von 27,8% speziell für hochgradiges NMIBC ermittelt. Es existiert jedoch noch keine hochwertige Evidenz aus randomisierten klinischen Studien, so dass die Implementierung von Biomarkertests im Urin in den aktuellen Leitlinien in Betracht gezogen werden könnte [2].

Kann der Biomarkertest Xpert® Bladder Cancer Monitor die Zystoskopie ersetzen?

In der randomisierten kontrollierten klinischen Studie SEALS XPERT (NCT04100733, DaBlaCa-15) untersuchten Forscher an vier dänischen urologischen Abteilungen, ob XBCM die Zystoskopie bei der Nachbeobachtung von Patienten mit NMIBC ersetzen kann.

313 Patienten mit hochgradigem NMIBC (Ta, T1 und Carcinoma in situ) erhielten nach der Resektion entweder eine Standard-Nachsorgeüberwachung mit flexibler Zystoskopie oder mit dem XBCM-Test. Die flexible Zystoskopie wurde nur im Falle eines positiven Tests und aus Sicherheitsgründen alle zwölf Monate durchgeführt.

Die Patienten beider Studienarme wurden zwei Jahre lang alle drei bis vier Monate untersucht. Die Teilnehmer durften während der Studie eine Erhaltungsinstillationstherapie (z. B. mit Bacillus Calmette Guerin) erhalten. Dr. Dreyer präsentierte die Ergebnisse auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in Paris [5-7].

Hälfte der Zystoskopien gespart, früheres Auffinden von Rezidiven

Bis April 2022 waren 392 Patienten in die Studie eingeschlossen worden. Im Standardarm wurden 19 Rezidive, im Interventionsarm 22 festgestellt. Der Unterschied im Risiko für das Auftreten eines Rezidivs zwischen dem Kontrollarm und dem Interventionsarm betrug 1,3% nach zwölf Monaten. Dies bedeutet, dass in beiden Studienarmen NMIBC gleichermaßen gut detektiert wurden [2].

Nach zwei Jahren war bei 44% der Nachsorgetermine in der Urin-Biomarker-Testgruppe eine Zystoskopie vorgenommen worden, in der Standardbehandlungsgruppe waren es fast 100%.

Darüber hinaus fanden die Forscher Hinweise darauf, dass die Urin-Biomarker-Tests Krebsrezidive anzeigten, bevor sie mithilfe der Zystoskopie erkannt wurden. Bei mehr als 50% der Patienten mit falsch positiven Testergebnissen gab es Hinweise auf ein erneutes Auftreten der Krebserkrankung bei einem späteren Kontrolltermin [7].

XBCM eine sichere und ressourcenschonende Alternative zur Zystoskopie

Die Forscher betrachten XMBC aufgrund ihrer vorläufigen Ergebnisse als eine sichere Alternative zur Zystoskopie für die Überwachung von NMIBC. Dreyer betonte, dass es die erste Studie weltweit ist, die mit Patienten mit hochgradigen Tumoren durchgeführt wurde und tatsächlich gezeigt hat, dass es möglich ist, die Anzahl der Zystoskopien zu reduzieren.

Einen weiteren wichtigen Aspekt betonte Dr. Joost Boormans, Professor of Urology am Erasmus University Medical Centre in den Niederlanden und Mitglied im EAU Scientific Congress Office: „Blasenkrebs ist eine Krankheit, die vor allem ältere Menschen betrifft, und wir rechnen aufgrund der alternden Bevölkerung mit einer steigenden Zahl von Patienten, was sich auf die Zahl der Menschen auswirken könnte, die Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Wenn die endgültigen Ergebnisse später in diesem Jahr tatsächlich bestätigen, dass der Urintest [Biomarker] das Wiederauftreten von Krebs genauso effektiv erkennen kann wie Zystoskopien, dann müssen wir prüfen, ob dies so schnell wie möglich in die klinische Praxis eingeführt werden kann – da es die Nachfrage nach Ressourcen in der Krebsversorgung verringert und dazu beiträgt, die Gesundheitsversorgung zugänglicher zu machen [7].“

Schon 2023 hatte Dreyer Daten präsentiert, die belegen, dass mit der Anwendung des XBCM und der Vermeidung von Zystoskopien auch der Antibiotikabedarf zur Behandlung von Infektionen des Harntrakts reduziert werden konnte [8].

Autor:
Stand:
03.06.2024
Quelle:
  1. Dreyer et al. (2022): Optimal intervals for follow-up cystoscopy in non-muscle invasive bladder cancer: a systematic review regarding oncological safety. Scandinavian Journal of Urology, DOI: 10.1080/21681805.2021.2014562
  2. Dreyer et al. (2021): DaBlaCa-15: Surveillance of high grade non-muscle invasive bladder cancer using Xpert® Bladder Cancer Monitor: – SEALS XPERT. Aarhus University
  3. Dreyer et al. (2022): Surveillance of high-grade non-muscle invasive bladder tumours using the Xpert® Bladder Cancer Monitor: the DaBlaCa-15 randomised trial. Präsentiert auf dem International Bladder Cancer Network (IBCN) Annual Meeting 2022 in Barcelona, Spanien, 29. September 2022 – 01. Oktober 2022
  4. Cepheid, Xpert® Bladder Cancer Monitor, Produktinformation
  5. Dreyer: Urinary markers in the surveillance setting of non-muscle invasive bladder cancer. Interview, 10. April 2024
  6. European Association of Urology (EAU), Pressemeldung, 05. April 2024
  7. American Society of Clinical Oncology, Inc. (ASCO), Pressemeldung, 12. April 2024
  8. Dreyer (2023): Use of antibiotics in patients undergoing follow-up for non-muscle invasive bladder cancer with either flexible cystoscopy or the urinary biomarker test Xpert® Bladder Cancer Monitor: a secondary outcome from a randomised clinical trial (poster MP08-04), präsentiert auf dem Kongress der American Urological Association (AUA) 2023 in Chicago am 28. April 2023
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