Krebserkrankungen im Kindesalter
Krebserkrankungen sind weltweit eine führende Todesursache, deren Inzidenz in den letzten Jahren stetig zugenommen hat.
Die häufigsten Krebsarten bei Kindern sind Leukämien, Hirntumore und Lymphome.
Eine Krebsdiagnose und die damit einhergehende Behandlung kann für alle Betroffenen eine stark traumatisierende Erfahrung bedeuten.
Insbesondere in den ersten Lebensjahren können diese Erfahrungen einen starken Einfluss auf die weitere körperliche und psychische Entwicklung haben.
Bei den körperlichen Komplikationen handelt es sich unter anderem um Wachstumsverzögerungen, Endokrinopathien und neuropsychologische Beeinträchtigungen.
Darüber hinaus liefern verschiedene Studien Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang von Krebserkrankungen im Kindesalter und einem damit verbundenen erhöhten Risiko für psychische Störungen.
Zusammenhang von Krebserkrankungen im jungen Alter und langfristigen psychischen Folgen?
Mit dieser Fragestellung setzt sich eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse auseinander, die auf der Internetseite von JAMA Network im Juni 2023 veröffentlicht wurde.
Für diese Analyse wurden 52 Studien ausgewählt, in denen die Ergebnisse von krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit nicht an Krebs erkrankten Geschwistern oder Kontrollpersonen verglichen wurden.
Bei der Analyse wurden zwei verschiedene Gruppen von Patienten berücksichtigt:
- Diejenigen, die zum Zeitpunkt der Studie an Krebs erkrankt sind und derzeit eine antineoplastische Therapie planen oder diese bereits erhalten und zudem jünger als 25 Jahre alt sind
- Personen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, deren Diagnose sie vor ihrem 25. Lebensjahr erhielten und die sich zum Zeitpunkt der Studie in Remission befanden
Auswertung der Metaanalyse: Einfluss auf die psychische Gesundheit
- Depressive Störungen und schwere depressive Symptome:
Das Risiko für die Entwicklung einer schweren Depression oder einer schweren depressiven Störung bei krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen war im Vergleich zu der Kontrollgruppe in allen Studien, ausgenommen von einer, signifikant erhöht (RR, 1.57; 95%-KI, 1.29-1.92; I2 = 91%).
Dieses erhöhte Risiko war unabhängig vom Alter bei der Krebsdiagnose, und es wurde kein Einfluss der Krebstherapie auf den Schweregrad der Depression festgestellt.
Erweiterte Analysen zeigten jedoch einen signifikanten Zusammenhang zwischen einem höheren Alter bei der Datenerhebung und stärkeren depressiven Symptomen. Außerdem wurde eine durchgängige Zunahme der depressiven Symptome innerhalb der ersten 12 Monate nach der Diagnosestellung beobachtet.
- Angstzustände und schwerwiegende Angstsymptome:
Das Risiko für das Auftreten von Angstzuständen und schwerwiegenden Angstsymptomen war für die betroffenen Patienten ebenfalls signifikant erhöht (RR, 1.29; 95%-KI, 1.14-1.47; I2 = 47%).
Im Allgemeinen konnte man erkennen, dass der mittlere Schweregrad der Angstsymptome zu Beginn der Behandlung zunahm und im Laufe der Erkrankung tendenziell zurückging.
- Psychotische Störungen:
Bei den Studien, die das Risiko für psychotische Störungen (Schizophrenie eingeschlossenen) untersuchten, konnte bei minimaler Heterogenität eine signifikante Erhöhung bei den Patientengruppen ausgemacht werden.
In einzelnen Studien kommt es zu unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich des Einflusses des Geschlechts auf das Risiko für psychotische Störungen.
Es gibt einzelne Hinweise darauf, dass Schizophrenie und psychotische Störungen bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen und Krebserkrankungen des zentralen Nervensystems am häufigsten auftreten.
- Suizidsterblichkeit:
Im Rahmen der Studie konnte festgestellt werden, dass die Suizidsterblichkeit bei krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Vergleich erhöht, aber nicht statistisch signifikant war.
Weitere Einflussfaktoren
Darüber hinaus zeigten die verschiedenen Studien, dass sich ein niedrigeres Bildungsniveau sowie ein geringeres Einkommensniveau das Risiko für psychische Erkrankungen oder Suizid erhöhen können.
Faktoren wie ein stabiles soziales Umfeld, ein hohes Ausmaß an sozialer Unterstützung sowie ein höheres Bildungs- und Ausbildungsniveau können positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Im Rahmen der Studie konnte ein erhöhtes Lebenszeitrisiko für das Auftreten von Depressionen, Angstzuständen und psychotischen Symptomen bei krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachgewiesen werden.
Es wird die Hypothese aufgestellt, dass traumatische Erfahrungen bezogen auf die Krebserkrankung im frühen Lebensalter zu einer erhöhten Vulnerabilität für Psychopathologie führen könnten.
Einschränkungen der Studie
Das Fehlen von Längsschnittdaten stellt eine erhebliche Einschränkung der vorliegenden Meta-Analyse dar.
Des Weiteren wurden bei der Beurteilung der psychischen Symptome und Störungen keine einheitlichen Instrumente genutzt.
Maßnahmen für den Schutz der gefährdeten Patientengruppe
Durch die Ergebnisse wird deutlich, dass eine rechtzeitige Identifizierung, präventive Maßnahmen und psychoonkologische Interventionen bei krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen empfohlen werden sollten.
Es ist außerdem wichtig, dass weitere Verlaufsstudien einen genaueren Überblick auf den langfristigen Einfluss einer frühen Krebserkrankung auf die psychische Gesundheit ermöglichen.









