Langzeitrisiko für okuläre Komplikationen bei topischer Atropintherapie bei Kindern

Topisches Atropin ist eine etablierte Therapie zur Reduktion der Myopieprogression. Eine Studie untersuchte nun systematisch das Langzeitsicherheitsprofil dieser Behandlung bezüglich schwerer okulärer Komplikationen.

Augenuntersuchung Kind

Wachsende Bedeutung der Myopieprävention im Kindesalter

Die weltweite Zunahme der Myopie stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Insbesondere die hochgradige Myopie birgt das Risiko für okuläre Komplikationen, wie beispielsweise Makuladegeneration, Netzhautablösung und dem Katarakt. Hierdurch kann es zur Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zum Visusverlust kommen. Aber auch eine leichtgradige und moderate Myopie erhöhen das Risiko für Komplikationen. So erhöht jede zusätzliche Dioptrie das Risiko für ein offenes Glaukom um 20 % und für die Netzhautablösung um 30 %. Vor diesem Hintergrund wird intensiv nach wirksamen und sicheren Interventionen zur Myopieprogressionskontrolle gesucht. Die Verlangsamung der Myopie nur um eine Dioptrie kann bereits die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer myopischen Makulopathie um 40 % senken.

Atropin zur Reduktion der Myopieprogression

In randomisierten Studien hat sich hier niedrig dosiertes Atropin als wirksam erwiesen, um die Myopieprogression zu reduzieren. Die optimale Konzentration wird noch diskutiert. Auch die Sicherheit der Langzeitanwendung von Atropin ist bisher nicht ausreichend in Studien untersucht. Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, diese Wissenslücke zu schließen und die Nutzen-Risiko-Bewertung zu verbessern.

Studie untersucht Langzeit-Risiko für okuläre Komplikationen bei topischer Atropinanwendung 

Hierfür untersuchten die Studienautoren retrospektiv die Daten von 8-15-jährigen Kindern mit neu diagnostizierter Myopie (n=606.923 – davon n=406.383 (63 %) mit Atropinbehandlung) und matchten diese mit einer nicht-myopen Kontrollgruppe (n=606.923). Das mittlere Alter bei Myopiediagnose betrug 10,4 ± 1,9 Jahre. 52,2 % der untersuchten Kinder waren weiblich. Die Mindestnachbeobachtungsdauer in der Studie betrug fünf Jahre. Als primäre Studienendpunkte wählten die Wissenschaftler Neudiagnosen von Katarakt, primärem Offenwinkelglaukom und Makulopathie. 

Mehr okuläre Komplikationen bei Myopie

Insgesamt entwickelten 1.258 Personen der Myopiegruppe okuläre Komplikationen. Davon waren 833 in der Atropingruppe und 425 ohne Atropinbehandlung (Myopiegruppe: 1,54 Ereignisse pro 10.000 Personenjahre im Vergleich zur Nicht-Myopiegruppe: 0,96 Ereignisse pro 10.000 Personenjahre). Die Ergebnisse bestätigen damit, dass Kinder mit Myopie ein erhöhtes Grundrisiko für okuläre Komplikationen aufweisen.

Anzahl okulärer Komplikationen zwischen myopen Atropienutzern und Nichtnutzern vergleichbar

Bei den Kindern mit Myopie unterschied sich die Inzidenz okulärer Komplikationen nicht signifikant zwischen den Atropinnutzern und Nicht-Nutzern (Inzidenzrate jeweils 1,54 / 10.000 Personenjahre).

Erhöhtes kumulatives Risiko bei längerer Dauer der Atropinanwendung

Die Studienautoren fanden ein erhöhtes Risiko okulärer Komplikationen bei Kindern mit einer kumulativen Atropindauer von über drei Jahren. Dies traf insbesondere für Katarakt und Glaukom zu. In Subgruppenanalysen (Hochmyopie) wurde jedoch keine robuste Signifikanz erreicht.  Die Studienautoren geben diesbezüglich zu bedenken, dass möglicherweise der Myopie-Schweregrad ein Confounder bei der Auswertung war. Sie empfehlen daher zur Abklärung weitere Studien. Ferner raten sie, bis die Frage beantwortet ist, Kinder, die Atropin erhalten, ophthalmologisch zu überwachen. 

Kein erhöhtes Risiko bei höheren kumulativen Atropindosen

Höhere kumulative Dosen zeigten hingegen kein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Autor:
Stand:
06.11.2025
Quelle:

Liu et al. Ocular Risks of Topical Atropine Prescriptions Among Taiwanese Children. JAMA Ophthalmol. DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2025.3090.

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