Risiken kosmetischer Eingriffe am Auge

Kosmetische Prozeduren wie Wimpernverlängerungen, Lidstrich-Tattoos oder Keratopigmentierungen liegen im Trend, bergen jedoch relevante Risiken für die Augengesundheit. Eine Expertin warnt vor allergischen Reaktionen, Infektionen, trockenem Auge und seltenen schweren Komplikationen – bis hin zum Augenverlust bei riskanten Verfahren.

Permanent Augenmakeup

Anbieter bewerben Permanent Make-up und Wimpern-Extensions mit einem dauerhaft „perfekten“ Look. Fachärzte sollten Patienten jedoch über potenzielle Nebenwirkungen und Warnzeichen aufklären, die nach kosmetischen Eingriffen am Auge auftreten können. Besonders riskant sind Verfahren wie die komplette Weißfärbung der Bindehaut, Augapfel-Tattoos und das Einbringen von Farbpigmenten in die Hornhaut.

Hintergrund und Markttrend

Die Nachfrage nach längerfristigen kosmetischen Lösungen im Augenbereich nimmt zu. Aus augenärztlicher Sicht erfordern diese Anwendungen eine klare Nutzen-Risiko-Abwägung sowie Aufklärung über Alternativen und Nachsorge.

Wimpernverlängerungen: Akute und chronische Nebenwirkungen

  • Häufig: behandlungsbedürftiges allergisches Kontaktekzem am Lidrand (typischer Auslöser ist der Klebstoff), infektiöse Entzündungen von Lidrand und Bindehaut.
  • Langfristig: Verkalkung der Wimpernbasis und Verlust eigener Wimpern durch Schädigungen am Haarschaft.
  • Selten, aber relevant: Hornhauterosionen und Hornhautinfektionen.
  • Operative Vorsicht: Extensions können bei Eingriffen mit thermischer Blutstillung entflammen und müssen vor Augenoperationen entfernt werden.

Lidstrich-Tattoo: Talgdrüsenschädigung, trockenes Auge und Infektionen

Nach Behandlungen sind Lidschwellung und -rötung üblich und klingen meist rasch ab. Beschrieben sind jedoch auch allergische Ekzeme, langwierige Entzündungen und Infektionen mit Staphylokokken, Streptokokken sowie Übertragungen von Hepatitis und humanem Immundefizienz-Virus (HIV) bei mangelhafter Hygiene. Studien zeigen eine Schädigung der Meibomdrüsen mit nachfolgender Tränenfilm-Instabilität und trockenem Auge; dermatologische Grunderkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis können sich verschlechtern. Zusätzlich drohen chemische Verätzungen und mechanische Verletzungen.

Toxischer Pigment-Mix und Qualifikation der Anbieter

Moderne Tattoofarben enthalten unter anderem Antimon, Cadmium, Eisen, Chrom, Cobalt, Nickel und Arsen. Zudem ist für Permanent-Make-up keine formale Berufsausbildung vorgeschrieben; kurze Schulungen mit Zertifikat sind verbreitet. Beides erhöht die Notwendigkeit für ärztliche Aufklärung und eine strukturiertes Komplikationsmanagements.

Besonders riskante Verfahren: I-Brite, Augapfel-Tattoo und Keratopigmentierung

  • I-Brite (Bindehaut-„Weißfärbung“): Berichtet werden Ulzera der Horn-/Bindehaut, Ausdünnung der Sklera und Schädigung der Augenmuskeln mit Doppelbildern.
  • Augapfel-Tattoo (Skleratattoo): Es sind Verletzungen dokumentiert, die bis zum Augenverlust führten.
  • Keratopigmentierung (Farbänderung der Irisoptik durch Pigmente in der Hornhaut): Meldungen umfassen Lichtempfindlichkeit, reduzierte Kontrastwahrnehmung, Endothelzellverlust, trockenes Auge, Neovaskularisation und ektatische Veränderungen; internationale Fachgesellschaften warnen vor kosmetischer Anwendung.

Warnzeichen nach kosmetischen Prozeduren

Patienten sollten sich umgehend augenärztlich vorstellen bei:

  • anhaltender Rötung von Lid oder Auge über mehrere Tage,
  • Schmerzen,
  • Sehverschlechterung.

Wichtige Informationen für die augenärztliche Praxis

Im Rahmen der Anamnese sollten Ärzte gezielt nach kürzlich erfolgten kosmetischen Behandlungen am Auge fragen. Dazu gehören auch Eingriffe, die in Studios durchgeführt wurden, sowie der genaue Zeitpunkt, die Art des Verfahrens und die verwendeten Materialien, insbesondere Klebstoffe. 

Vor operativen Maßnahmen mit Hitzeentwicklung – zum Beispiel Laseranwendungen, Hochfrequenz- oder Kauterisationsverfahren – ist sicherzustellen, dass vorhandene Wimpern-Extensions vollständig entfernt wurden, um thermische Schäden, Entzündungen oder Materialreaktionen zu vermeiden.

Die Aufklärung sollte die individuellen Risiken, die einzuhaltenden Hygienestandards und mögliche, wenn auch seltene, systemische Infektionsgefahren umfassen. Zudem sind typische Warnzeichen einer Komplikation zu besprechen, etwa zunehmende Schmerzen, Rötung, Schwellung, Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit oder Fieber, zusammen mit klaren Empfehlungen zur Nachsorge und dazu, wann umgehend augenärztliche Hilfe aufgesucht werden muss. 

Bei Patienten mit Grunderkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermitis ist wegen der oft gestörten Haut- und Schleimhautbarriere besondere Vorsicht geboten; die Indikation sollte individuell abgewogen und bei Bedarf interdisziplinär (Dermatologie/Ophthalmologie) abgestimmt werden.

Aus augenärztlicher Sicht ist von Verfahren wie I-Brite, Augapfel-Tattoos und kosmetischer Keratopigmentierung abzuraten, da sie mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Komplikationen verbunden sein können.

Autor:
Stand:
13.08.2025
Quelle:

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (Pressemitteilung), Juni 2025.

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