Folgen nahrungsmittelinduzierter Anaphylaxie bei Kindern

Eine aktuelle Studie zeigte, dass Kinder, die während der ersten drei Lebensjahre an nahrungsmittelinduzierten Anaphylaxien litten, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von psychischen Störungen, wie Schlaf- und Essstörungen aufwiesen.

Kinderhand Erdnüsse

Anaphylaxie beeinflusst mentale Gesundheit

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass eine Anaphylaxie die mentale Gesundheit der Patienten beeinflussen und verschiedene psychologische Störungen induzieren kann. So berichtete beispielsweise eine Studie über erhöhte Raten an posttraumatischen Belastungsstörungen bei Patienten mit Hymenoptera-Anaphylaxie.

Zudem zeigte eine aktuelle Metaanalyse, dass Patienten mit anaphylaktischen Reaktionen auf Medikamente erhöhte Raten an Depressionen und Angst aufwiesen. Interessanterweise konnten weitere Studien zeigen, dass ein negativer Medikamentenprovokationstest Ängste und Depressionen bei Patienten mit medikamenteninduzierten Anaphylaxien reduzieren konnte. Das angstlösende Potential eines Medikamentenprovokationstests wurde auch bei Kindern und ihren Eltern gezeigt.

Lösen lebensmittelinduzierte Anaphylaxien psychische Störungen aus?

Zunehmende Hinweise deuten darauf hin, dass auch eine nahrungsmittelinduzierte Anaphylaxie verschiedene psychologische Störungen induzieren könnte. Eine aktuelle bevölkerungsbasierte retrospektive Studie untersuchte diesen Zusammenhang.

In die Studie wurden 545 Kinder und 4.514 Kontrollen eingeschlossen. Die meisten Patienten (87,6% Kontrollen versus 87,3% Allergiker) waren unter drei Jahre alt. Die Hauptallergene waren Kuhmilch (54,2%), Ei (12,6%) und Erdnüsse (4,2%). Die mittlere Follow-Up-Zeit lag bei 10,9±5,4 Jahre.

Nahrungsmittelinduzierte Anaphylaxien erhöhen Risiko für psychische Erkrankungen

Die Wissenschaftler identifizierten Assoziationen zwischen dem Vorhandensein einer nahrungsmittelinduzierten Anaphylaxie und Schlafstörungen (p<0,001) sowie Essstörungen (p=0,050). Die mittlere Zeit bis zur Diagnose einer psychischen Störung lag bei 6,5±5,3 Jahre. Dieser Zusammenhang betraf Kinder, die eine nahrungsmittelinduzierte Anaphylaxie vor dem dritten Lebensjahr entwickelten. Bei älteren Kindern konnten keine Assoziationen gefunden werden.

Betroffene Essstörungen waren vor allem Schwierigkeiten beim Füttern und Appetitlosigkeit. Die Studienautoren vermuten, dass sich diese Probleme aus den diätetischen Einschränkungen ergaben. Interessanterweise war das Risiko einer Anorexia nervosa beispielsweise nicht erhöht. Andere psychische Störungen wie Angst, Depression oder posttraumatische Belastungsstörungen waren nicht signifikant mit der nahrungsmittelinduzierten Anaphylaxie assoziiert.

Psychologische Interventionen bei nahrungsmittelinduzierter Anaphylaxie?

Die Studienautoren postulierten, dass psychologische Unterstützung für betroffene Kinder hilfreich sein könnte, um die Entwicklung möglicher psychischer Störungen zu verhindern.

Autor:
Stand:
14.02.2024
Quelle:

Nemet et al. (2023): Food-induced anaphylaxis during infancy is associated with later sleeping and eating disorders. Pediatric Allergy and Immunology, DOI: https://doi.org/10.1111/pai.14061

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