Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist weltweit die häufigste Ursache für Erkrankungen der unteren Atemwege bei Säuglingen und Kleinkindern und tritt saisonal im Herbst und Winter auf, mit einem Höhepunkt im Januar und Februar. RSV ist die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen nach der Geburt. Es gibt keine spezifische Therapie, nur eine symptomatische Behandlung.
Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-Erkrankungen aufgrund des geringeren Transfers mütterlicher Antikörper. Andere Risikofaktoren sind angeborene Herzfehler und chronische Lungenerkrankungen. Allerdings treten 80% der schweren RSV-Infektionen bei zuvor gesunden Säuglingen auf. Die RSV-Krankheitslast ist besonders hoch in den ersten sechs Lebensmonaten.
Nirsevimab zur RSV-Prophylaxe
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat kürzlich eine Empfehlung für den monoklonalen Antikörper Nirsevimab zur Prophylaxe von Erkrankungen durch das Respiratorische Synzytial-Virus bei allen Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison ausgesprochen. Die Empfehlung gilt unabhängig von Risikofaktoren. Ziel ist es, die Häufigkeit schwerer RSV-Erkrankungen und damit verbundene Hospitalisierungen, intensivmedizinische Behandlungen und Todesfälle zu reduzieren und Versorgungsengpässe in medizinischen Einrichtungen zu verhindern.
Umsetzung der Empfehlung
Bei Kindern, die zwischen April und September geboren werden, soll Nirsevimab im Herbst vor Beginn der ersten RSV-Saison verabreicht werden. Bei Geburten zwischen Oktober und März findet die Gabe von Nirsevimab möglichst schnell nach der Geburt statt, idealerweise bei der Entlassung aus der Geburtsklinik oder bei der U2-Untersuchung (3. bis 10. Lebenstag).
Neugeborene mit längerem Klinikaufenthalt sollen Nirsevimab vor der Entlassung verabreicht bekommen, wenn der Aufenthalt in die RSV-Saison fällt. Eine passive Immunisierung kann auch während des Klinikaufenthalts erfolgen, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden.
Eine versäumte Gabe soll innerhalb der ersten RSV-Saison schnellstmöglich nachgeholt werden. Keine Gabe soll bei labordiagnostisch gesicherter RSV-Infektion erfolgen und möglicherweise auch nicht bei gesunden Neugeborenen, deren Mütter während der Schwangerschaft gegen RSV geimpft wurden.
Über Nirsevimab
Nirsevimab (Beyfortus) von AstraZeneca und Sanofi ist ein monoklonaler Antikörper zur Vorbeugung von RSV-Infektionen der unteren Atemwege bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern während ihrer ersten RSV-Saison. Es handelt sich um einen rekombinanten, neutralisierenden, humanen IgG1κ-Antikörper, der gegen das Präfusions-Fusionsprotein von RSV gerichtet ist.
Nirsevimab wird mittels rekombinanter DNA-Technologie in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters hergestellt. Es wird als Einzeldosis von 50 mg intramuskulär bei Säuglingen mit einem Körpergewicht unter 5 kg und 100 mg bei einem Gewicht von 5 kg oder mehr verabreicht. Nach der intramuskulären Gabe erreicht Nirsevimab die maximale Serumkonzentration im Median nach 6 Tagen.
Wirksamkeit und Sicherheit
Die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Nirsevimab stammt aus vier Studien, darunter drei randomisierte, verblindete, kontrollierte Studien und eine randomisierte, unverblindete, kontrollierte Studie.
Nirsevimab reduziert das Risiko für eine behandlungsbedürftige RSV-Infektion zu etwa 80%. Die Daten deuten darauf hin, dass der Schutz über die gesamte RSV-Saison anhält und die Entwicklung einer natürlichen Immunität nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Insgesamt wird Nirsevimab gut vertragen. Es können geringfügige lokale Reaktionen auftreten.










