Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine häufige chronische Atemwegserkrankung mit hoher Krankheitslast und relevanter Morbidität. Die Erkrankung ist durch eine persistierende Atemwegsobstruktion, chronische Entzündung der Atemwege und wiederkehrende Exazerbationen gekennzeichnet. Zentrale Ziele der Versorgung sind eine frühzeitige Diagnose, eine strukturierte Therapie und die Reduktion von Exazerbationen.
Vor diesem Hintergrund wurde die S2k-Leitlinie „Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)“ unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) aktualisiert. Die Leitlinie enthält aktualisierte Empfehlungen zur Diagnostik, zur medikamentösen Therapie sowie zu nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen.
Erweiterte Lungenfunktionsdiagnostik und CT bei unklarer Befundlage
Eine zentrale Änderung betrifft die Diagnostik der COPD. Nach Angaben der Leitliniengruppe kann eine alleinige Spirometrie frühe Veränderungen der Erkrankung häufig nicht erfassen. Bei klinischem Verdacht auf eine COPD und gleichzeitig unauffälliger Spirometrie empfiehlt die Leitlinie daher eine weiterführende pneumologische Funktionsdiagnostik. Dazu gehören Untersuchungen zur Bestimmung der Lungenvolumina, der Atemwegswiderstände sowie des pulmonalen Gasaustauschs.
Zusätzlich empfiehlt die Leitlinie eine CT-Thorax-Untersuchung insbesondere bei Diskrepanzen zwischen klinischer Symptomatik und Lungenfunktionsbefunden sowie bei häufigen Exazerbationen.
Neue Empfehlungen zum Screening auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel und Biomarker
Die aktualisierte Leitlinie enthält außerdem neue Abschnitte zum Alpha-1-Antitrypsin-Mangel sowie zur Nutzung von Biomarkern. Demnach wird eine einmalige Untersuchung auf einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel empfohlen. Dieser gilt als eine häufig nicht diagnostizierte Ursache einer COPD. Um weitere klinisch relevante Parameter zu erfassen, soll zusätzlich ein Differenzialblutbild bestimmt werden.
Darüber hinaus hebt die Leitlinie die Bedeutung einer differenzierten Phänotypisierung hervor, die anhand klinischer Merkmale, Lungenfunktionsparametern, Biomarkern und bildgebender Verfahren erfolgen kann.
Anpassungen bei der initialen und eskalierenden Therapie
Neben diagnostischen Empfehlungen wurden auch therapeutische Strategien angepasst. Grundlage bleibt eine individuelle Therapie entsprechend Symptomlast und Exazerbationsrisiko.
Für Patienten mit symptomatischer COPD wird in der initialen Behandlung eine duale Bronchodilatation empfohlen. Eine Kombination aus inhalativem Kortikosteroid und langwirksamem Beta-2-Agonisten ohne zusätzliche Bronchodilatatoren gilt nicht mehr als alleinige Initialtherapie.
Bei fortbestehenden Exazerbationen unter einer Dreifachtherapie soll eine erneute klinische Bewertung erfolgen. In diesem Zusammenhang nennt die Leitlinie erneut diagnostische Instrumente wie Biomarkerbestimmungen und CT-Untersuchung des Thorax, um Befunde und Verlauf einzuordnen. Auch weitere Therapieoptionen kommen in ausgewählten Einzelfällen in Betracht. Dazu zählen beispielsweise pharmakologische Strategien zur Prophylaxe von Exazerbationen sowie interventionelle Verfahren bei fortgeschrittener Erkrankung.
Bedeutung nicht-medikamentöser Maßnahmen und Komorbiditäten
Neben der medikamentösen Therapie hebt die Leitlinie die Rolle nicht-medikamentöser Maßnahmen hervor. Dazu gehören insbesondere strukturierte Programme zur Tabakentwöhnung, pneumologische Rehabilitation sowie leitlinienempfohlene Impfungen. Zu den relevanten Impfungen zählen beispielsweise Schutzimpfungen gegen Influenza und Pneumokokken. Darüber hinaus sollte das kardiovaskuläre Risiko regelmäßig überprüft werden, da COPD mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein kann.
Bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung werden zudem interventionelle oder chirurgische Verfahren zur Lungenvolumenreduktion sowie eine Lungentransplantation als mögliche Therapieoptionen beschrieben.
Fazit: Aktualisierte Leitlinie stärkt differenzierte Diagnostik und strukturierte Therapie
Die aktualisierte S2k-Leitlinie liefert ein umfassendes Update für die fachärztliche Versorgung von Patienten mit COPD. Sie legt einen stärkeren Fokus auf differenzierte Diagnostik, einschließlich erweiterter Lungenfunktionsuntersuchungen und Bildgebung, sowie auf die frühzeitige Identifikation von Risikofaktoren, Phänotypisierung und strukturierte Therapieeskalation. Zudem wird der Stellenwert nicht-pharmakologischer Maßnahmen und der Behandlung von Komorbiditäten hervorgehoben.









