Hintergrund
SARS-CoV-2-Infektionen sind nach wie vor für schwere Covid-19-Erkrankungen verantwortlich, und die Suche nach wirksamen Behandlungsoptionen geht weiter. Paxlovid (Nirmatrelvir plus Ritonavir) von Pfizer ist bislang das einzige Arzneimittel, das speziell zur Bekämpfung des SARS-CoV-2-Virus zugelassen ist. Die Zulassung basierte auf vorläufigen Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten aus der EPIC-HR-Studie [1]. In dieser Studie wurde gezeigt, dass Paxlovid bei ungeimpften Covid-19-Patienten das Risiko von Todesfällen oder einer covidbedingten Krankenhauseinweisung im Vergleich zu Placebo signifikant reduzierte.
Jetzt ergab eine Nachuntersuchung, dass eine Paxlovid-Therapie nur bei Personen gerechtfertigt scheint, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben. In der neuen Studie analysierten Forschende um Dr. Colin R. Dormuth von der University of British Columbia in Vancouver, Kanada, wie sich eine Behandlung mit Paxlovid auf Todesfälle oder Krankenhausaufnahmen bei Patienten mit unterschiedlichem Risiko für Covid-19-Komplikationen auswirkt. Die Ergebnisse wurden im 'JAMA Network Open' veröffentlicht [2].
Einteilung in vier definierte Risikogruppen
Die Studie schloss 6.866 Personen aus British Columbia ein, die sich zwischen dem 1. Februar 2022 und 3. Februar 2023 mit dem SARS-CoV-2-Virus infizierten. Von diesen waren 3.888 Personen (56,6%) weiblich, und das Medianalter (IQR) betrug 70 Jahre (57–80).
Die Einteilung der Probanden erfolgte in vier Risikokategorien: Es gab drei CEV-Populationen (CEV 1, 2 und 3) und eine weniger vulnerable vierte Kohorte (expanded eligibility, EXEL). Die Gruppe mit den klinisch extrem gefährdeten Personen umfasste stark oder moderat immungeschwächte Patienten (CEV1 oder CEV2) sowie nicht immunsupprimierte Menschen mit anderen relevanten Vorerkrankungen, die das Risiko schwerwiegender Covid-19-Komplikationen erhöhen (CEV3). Als vierte Gruppe wurden Personen mit höherem Risiko untersucht, die nicht in eine CEV-Gruppe fielen, zum Beispiel Ungeimpfte über 70 Jahre.
Signifikante Risikoreduktion in CEV1 und CEV2, Risikoanstieg in EXEL-Gruppe
Die Patienten, die mit Paxlovid behandelt wurden, zeigten in zwei CEV-Gruppen eine signifikante relative Risikoreduktion des primären Endpunkts (Covid-19-bedingte Hospitalisierung oder Tod):
- -2,5% in der CEV1-Gruppe (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] -4,8% bis -0,2%) und
- -1,7% in der CEV2-Gruppe (95%-KI -2,9% bis -0,5%).
Die relative Risikodifferenz in der CEV3-Gruppe betrug -1,3% (95%-KI -2,8% bis 0,1%) ohne dabei statistisch signifikant zu sein.
In der EXEL-Gruppe hingegen war die Paxlovid-Behandlung mit einem höheren Risiko des primären Endpunkts assoziiert (1,0%), wenngleich die Ergebnisse statistisch nicht signifikant ausfielen (95%-KI, -0,9% bis 2,9%).
Paxlovid: Höchster Nutzen bei Hochrisikopatienten
Die Ergebnisse legen nahe, dass Paxlovid den größten Nutzen bei klinisch extrem gefährdeten Personen zeigt. Bei weniger gefährdeten Personen, einschließlich älteren Menschen ohne schwerwiegende Vorerkrankungen, war keine signifikante Reduktion des Risikos von Tod oder Krankenhausaufnahme zu verzeichnen.
Einschränkungen der Studie
Die Studie wies mehrere Einschränkungen auf. So basierten die Ergebnisse auf Krankenakten, in denen möglicherweise nicht alle relevanten Faktoren erfasst wurden. Zudem wurde das Auftreten unerwünschter Ereignisse nicht berücksichtig, ebenso wenig gibt es Aussagen zur Langzeitwirkung von Paxlovid. Während des Studienzeitraums war Omikron die vorherrschende SARS-CoV-2-Variante. Dementsprechend sind die Ergebnisse möglicherweise nicht auf andere Varianten, vergangene oder zukünftige, übertragbar.









