BARMER: Zahl der bariatrischen Eingriffe auf 26.250 gestiegen

Die Zahl der operativen Eingriffe zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht hat in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Erfolge der Operationen seien signifikant – ohne nachhaltige Lebensstilveränderung aber gefährdet. Die Kasse fordert daher mehr Qualität bei Operationen, Nachsorge und Patientenauswahl.

Anstieg

Wuppertal. Nach Angaben der BARMER-Krankenkasse hat sich die Zahl der bariatrischen Eingriffe seit 2010 verfünffacht: Von 5.000 Operationen auf 26.250 Eingriffe im Jahr 2023. Allein im Vergleich zu 2022 sei die Zahl der Magenverkleinerungen um knapp 2.500 gestiegen. Diese Zahlen hat die BARMER für ihren Krankenhausreport 2025 aus den Daten ihrer Versicherten auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. 

Laut BARMER werden Schlauchmagen-Operationen am häufigsten vorgenommen. Ihr Anteil habe zuletzt bei etwa 70 % aller Adipositas-Eingriffe gelegen. Andere Verfahren wie der Magenbypass oder der Omega-Loop-Bypass spielen demnach eine kleine Rolle, kommen aber ebenfalls regelmäßig zur Anwendung.

Zahl der Adipositas-Eingriffe bei 20- bis 30-Jährigen nimmt überproportional zu

Mehr als die Hälfte der bariatrischen Eingriffe wird laut Krankenhausreport in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen vollzogen. Dabei steige die Zahl der Patienten unter 40 Jahren. Besonders auffällig aber sei der Zuwachs in jüngeren Altersgruppen. Laut Kassenanalyse nahm die Zahl der Magenverkleinerungen bei 20- bis 30-Jährigen überproportional zu. Die BARMER spricht von einem „Trend zur früheren Operation“. Das bringe Chancen auf langfristige Gesundheitsverbesserungen, stelle aber auch besondere Anforderungen an Nachsorge und Lebensstilumstellung.

Insgesamt bewertet die BARMER die bariatrischen Behandlungen positiv. Nach einer erfolgreichen Operation verlieren viele Betroffene deutlich an Gewicht – häufig mehr als 20 bis 30 Prozent des Ausgangsgewichts. Zudem würden in zahlreichen Fällen Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkbeschwerden deutlich verbessert oder sogar vollständig zurückgedrängt.

Kasse fordert flächendeckendes Netz an qualifizierten Nachsorgeangeboten 

Gleichzeitig sieht die Krankenkasse dringenden Handlungsbedarf in der Begleitung der Patienten. Nach Angaben der BARMER durchlaufen Betroffene nach der ersten Operation nicht selten bis zu sechs stationäre Folgebehandlungen, beispielsweise wegen Komplikationen, Mangelernährung oder psychischer Belastung. Auch Folgeoperationen zur Hautstraffung nach starker Gewichtsabnahme seien nicht selten.

Die Kasse fordert daher ein flächendeckendes Netz an qualifizierten Nachsorgeangeboten – mit regelmäßiger Ernährungsberatung, psychologischer Unterstützung und medizinischer Kontrolle. Ohne eine solche strukturierte Begleitung drohe der Behandlungserfolg langfristig zu verpuffen. Ein dauerhafter gesundheitlicher Nutzen sei nur möglich, wenn körperliche und seelische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden.

Reform soll Qualität und Patientenauswahl verbessern

Die BARMER begrüßt in ihrer Pressemitteilung zum Krankenhausreport außerdem, dass die Adipositaschirurgie im Zuge der Krankenhausreform künftig in einer eigenen Leistungsgruppe erfasst werden sollen. Die neue Regelung soll sicherstellen, dass bariatrische Operationen nur in spezialisierten Kliniken vorgenommen werden, die bestimmte personelle, technische und organisatorische Voraussetzungen erfüllen. Das trage dazu bei, die Versorgung in diesem Bereich verbindlich zu strukturieren und Qualitätsstandards zu etablieren. Das geplante System schreibe eine Mindestmenge an Operationen pro Klinik vor und mache die interdisziplinäre Betreuung durch Ernährungsmediziner, Psychologen und Rehabilitationsdienste verbindlicher. 

Darüber hinaus fordert die Kasse klare Kriterien für die Auswahl geeigneter Patienten. Adipositas-Chirurgie sei nicht in jedem Fall der richtige Weg. Es komme entscheidend darauf an, dass zuvor konservative Behandlungsansätze ausgeschöpft wurden und eine klare Indikation vorliege. Die Reform könne dabei helfen, einheitliche Standards zu etablieren und die Sicherheit sowie den Nutzen der Eingriffe zu erhöhen.

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Stand:
31.07.2025
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