Berlin. Die Deutsche Telekom tritt als Anbieter in den Markt für elektronische Patientenakten (ePA) ein. Auf der Fachmesse DMEA (Digital Medical Expertise & Applications) präsentierte das Unternehmen erstmals seine „souveräne Patientenakte Made in Germany“. Die Telekom-ePA sei „sicher, leicht bedienbar und wirklich hilfreich“ und werde daher dazu beitragen, die digitale Infrastruktur weiter zu stärken, so Gottfried Ludewig, Leiter Public und Health bei der Deutschen Telekom beim vierten Future Health Day im Rahmen der DMEA.
Die Telekom kündigt außerdem an, die Funktionen ihrer ePA-Plattform auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) auszubauen. Damit sollen perspektivisch Anwendungen ermöglicht werden, die deutlich über die reine Speicherung medizinischer Daten hinausgehen.
Neuer Wettbewerber für die bislang zugelassenen ePA-Plattform-Anbieter
Bislang haben Krankenkassen die Wahl zwischen zwei von der gematik zugelassenen ePA-Plattformen: Eine Lösung kommt von IBM und wird unter anderem von der Techniker Krankenkasse und der Barmer genutzt. Die Plattform von Bitmarck und RISE ist unter anderem bei der DAK sowie bei weiteren Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen im Einsatz.
Das Angebot dieser Unternehmen haben die gesetzlichen Krankenkassen in der Vergangenheit wiederholt kritisiert. Unter anderem sind Krankenkassen unzufrieden damit, dass die bestehenden Plattformlösungen sich weitgehend darauf beschränken, Vorgaben der gematik umzusetzen. Eigenständige Weiterentwicklungen oder zusätzliche Funktionen würden dagegen nur eingeschränkt vorangetrieben.
Vor diesem Hintergrund wird die Öffnung des Marktes für weitere Anbieter auch als Möglichkeit gesehen, mehr Dynamik in die Entwicklung der elektronischen Patientenakte zu bringen. Neue Anbieter könnten zusätzliche Funktionen und technische Innovationen einbringen.
Telekom bringt sich mit Präsentation für ausstehende Ausschreibungen ins Spiel
Mit dem Vorstoß bringt sich die Telekom öffentlich für ausstehende Ausschreibungen der Krankenkassen zur ePA-Infrastruktur ins Spiel. So geht der Markt beispielsweise davon aus, dass die bisherigen IBM-Kunden Techniker Krankenkasse und Barmer ihre elektronischen Patientenakten turnusgemäß in den kommenden Monaten neu ausschreiben könnten.
Nutzung der ePA bleibt noch hinter den Erwartungen zurück
Die elektronische Patientenakte kennen die meisten gesetzlich Versicherten inzwischen. Aber sie wird bislang nur von einem Teil der Anspruchsberechtigten genutzt. Wie die gematik jüngst berichtet, haben bis Mitte April 2026 rund 5,1 Millionen Menschen eine digitale Identität angelegt.
Als Gründe für Vorbehalte bei der ePA-Nutzung werden vor allem der Umfang der aktuellen Funktionen sowie Vorbehalte beim Datenschutz genannt. Letzteren will die Telekom ausräumen, indem sie Daten nur innerhalb Deutschlands speichern und verarbeiten will. Weitere Details zur technischen Umsetzung wurden im Rahmen der Vorstellung nur allgemein dargestellt.












