Berlin. Die gematik hat ihren TI-Score für Praxisverwaltungssysteme (PVS) überarbeitet. Ziel ist es, die Bewertung wichtiger TI-Anwendungen transparenter darzustellen und die verschiedenen Softwarelösungen besser vergleichbar zu machen. Im Mittelpunkt der Weiterentwicklung steht nach Angaben der gematik insbesondere die elektronische Patientenakte (ePA), deren Nutzung inzwischen bundesweit in vielen Gesundheitseinrichtungen etabliert ist.
Knapp ein Drittel der Praxisverwaltungssysteme wird mit A oder B bewertet
Mit dem TI-Score bewertet die gematik grundsätzlich, wie praxistauglich und benutzerfreundlich Praxisverwaltungssysteme zentrale Anwendungen der Telematikinfrastruktur unterstützen. Berücksichtigt werden dabei unter anderem das E-Rezept, die elektronische Patientenakte, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), die elektronische Medikationsliste (eML) sowie der eArztbrief. Die Ergebnisse werden in einer Bewertungsskala von A bis E dargestellt.
Aktuell (Stand: Anfang Juni 2026) umfasst die Übersicht 48 Praxisverwaltungssysteme. Davon erreichen lediglich sieben Systeme die Bestnote A. Acht Systeme werden mit B bewertet, zehn mit C, weitere acht mit D und 15 Systeme mit E. Damit erzielen nur 15 der 48 bewerteten Systeme (31 Prozent) mindestens die Bewertung B.
Der TI-Score basiert auf einem festgelegten Kriterienkatalog. Laut gematik wurden die Bewertungsmaßstäbe gemeinsam mit dem IGES-Institut in einem mehrstufigen Verfahren entwickelt.
Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Erfüllungsgrad der vorgegebenen Kriterien. Grundlage der Bewertungen sind die Angaben der jeweiligen Hersteller. Diese Selbstauskünfte werden nach Angaben der gematik regelmäßig aktualisiert und bei neuen Erkenntnissen angepasst.
Detaillierterer Einblick in Umfang und Bedienbarkeit der TI-Anwendungen
Anlass für die Überarbeitung waren nach Angaben der gematik die zunehmenden Erfahrungen aus dem Praxisalltag mit der elektronischen Patientenakte. Die Digitalagentur hat deshalb den bisherigen ePA-Score angepasst und stärker differenziert. Gleichzeitig wurde die gesamte Darstellung des TI-Scores neu strukturiert. Auf der Übersichtsseite werden nun der jeweilige Gesamtscore sowie die enthaltenen Funktionen direkt ausgewiesen. Zudem soll auf einen Blick erkennbar sein, für welche Nutzergruppen eine Software geeignet ist.
Die Weiterentwicklung des ePA-Scores umfasst zusätzliche Kriterien zur Benutzerfreundlichkeit. Diese gliedern sich nun in drei zentrale Bereiche: das Herunterladen und Lesen von Informationen, das Hochladen von Dokumenten sowie den Zugriff auf Inhalte und deren Darstellung. Ergänzend wurden Komfortfunktionen in die Bewertung aufgenommen. Dadurch sollen Interessierte einen genaueren Einblick in den tatsächlichen Funktionsumfang der jeweiligen Systeme erhalten.
Nach Angaben der gematik erfüllt etwas weniger als die Hälfte der bewerteten Softwaresysteme mindestens 14 beziehungsweise 18 von insgesamt 22 Usability-Kriterien sowie vier beziehungsweise fünf Alltagstauglichkeitskriterien. Die Detailansichten des TI-Scores zeigen dabei deutliche Unterschiede in der konkreten Umsetzung der ePA-Funktionen zwischen den einzelnen Produkten.
Zunehmende Verbreitung der elektronischen Patientenakte
Nach Angaben der gematik greifen inzwischen bis zu 93.000 Arzt- und Zahnarztpraxen wöchentlich auf die elektronischen Patientenakten ihrer Patienten zu. Bis Mitte April 2026 hatten demnach rund 5,1 Millionen Menschen eine digitale Identität angelegt. Es wurden mehr als 100 Millionen Dokumente in elektronischen Patientenakten hinterlegt, die immer häufiger abgerufen werden. Allein die Medikationslisten werden demnach durchschnittlich mehr als 21 Millionen Mal pro Woche abgerufen.












