UNICEF-Bericht: Mehr Kinder fettleibig als untergewichtig

Ein UNICEF-Report zeigt eine dramatische Verschiebung: Erstmals sind global mehr Kinder und Jugendliche fettleibig als untergewichtig. Während Untergewicht abnimmt, steigt Adipositas in fast allen Regionen an. Besonders betroffen sind Länder mit hohem Einkommen und Inselstaaten im Pazifik.

Waage Kind

New York. Weltweit gibt es erstmals mehr fettleibige Kinder als untergewichtige. Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF bringt weltweit fast jedes fünfte Kind zwischen fünf und 19 Jahren mehr Gewicht auf die Waage, als für eine gesunde Entwicklung empfohlen wird. Demnach hat sich der Anteil der fettleibigen Kinder seit der Jahrtausendwende auf mehr als 9,4 % verdreifacht. Der Anteil der von Untergewicht betroffenen 5- bis 19-Jährigen sei im gleichen Zeitraum von 13 auf 9,2 % zurückgegangen.

Südasien und südlich der Sahara: Mehr untergewichtige als fettleibige Kinder

Während vor zwei Jahrzehnten Untergewicht in vielen Regionen als größtes Risiko für Kinder galt, werde heute Übergewicht zur dominierenden Form der Fehlernährung. Laut UNICEF übertrifft die Zahl der untergewichtigen Kinder die der fettleibigen nur noch in Südasien und in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara.

Die Situation variiert erheblich je nach Region und Einkommensniveau der Länder. Besonders in wohlhabenden Staaten ist der Anteil adipöser Kinder hoch. In Chile etwa sind rund 27 % der Jugendlichen zwischen fünf und 19 Jahren adipös. In den Vereinigten Staaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten liegt der Anteil jeweils bei rund 21 %.

Noch gravierender ist die Lage in einigen Inselstaaten des Pazifiks. In Niue beträgt der Anteil adipöser Kinder rund 38 %. Auf den Cookinseln liegt er bei 37 %, in Nauru bei 33 %. Dort hat sich der Anteil innerhalb von zwei Jahrzehnten teils verdoppelt.

Situation in Deutschland: In Deutschland hat die Zahl der adipösen Kinder während der vergangenen 25 Jahre kaum verändert. Rund 8 % der Kinder gelten als adipös. Auch der Anteil der übergewichtigen Kinder liegt seit zwei Jahrzehnten bei gut einem Viertel

Stark verarbeitete Lebensmittel und Social Media begünstigen Fettleibigkeit

UNICEF nennt mehrere Ursachen für den Anstieg von Übergewicht und Fettleibigkeit. Eine entscheidende Rolle spielt demnach die zunehmende Verbreitung von stark verarbeiteten Lebensmitteln. Diese Produkte enthalten häufig viel Zucker, Salz und ungesunde Fette. Sie seien zudem leicht verfügbar, preiswert und würden gezielt beworben. Das Marketing richte sich besonders an Kinder und Jugendliche, nicht zuletzt über digitale Kanäle.

Hinzu kommt laut UNICEF, dass der Konsum dieser Lebensmittel gesündere Optionen zunehmend verdrängt. Obst, Gemüse und proteinreiche Nahrungsmittel treten demnach in den Hintergrund, obwohl sie für körperliches Wachstum, kognitive Entwicklung und seelisches Wohlbefinden entscheidend sind.

UNICEF warnt vor langfristigen gesundheitlichen Risiken

UNICEF verweist darauf, dass Adipositas im Kindesalter selten wieder verschwindet. Vielmehr begleiten die Gewichtsprobleme die Betroffenen häufig bis ins Erwachsenenalter. Das bringe erhebliche Risiken mit sich.

Medizinisch gesehen steige das Risiko für chronische Erkrankungen deutlich. Dazu gehören Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Diese Erkrankungen treten laut UNICEF bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen schon deutlich früher auf als bei Gleichaltrigen mit Normalgewicht.

Auch die psychosozialen Auswirkungen seien erheblich. Übergewichtige Kinder leiden demnach häufig unter einem geringen Selbstwertgefühl, sind stärker von Ausgrenzung betroffen und geraten häufiger in Situationen von Mobbing. Darüber hinaus zeige sich, dass übergewichtige Kinder häufiger Fehlzeiten in der Schule aufweisen.

Gegenmaßnahmen einzelner Staaten

Einige Länder haben begonnen, auf die Entwicklung zu reagieren. UNICEF nennt Mexiko als Beispiel. Dort wurde in öffentlichen Schulen der Verkauf von stark verarbeiteten Lebensmitteln sowie von Produkten mit hohem Zucker-, Salz- und Fettgehalt verboten.

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