Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt Verbraucher vor möglichen Gesundheitsgefahren sogenannter „Drip-Spa“- oder „Longevity“-Infusionen. Die intravenösen Vitamin- und Mineralstoff-Cocktails werden mit Versprechen wie besserem Immunsystem, mehr Leistungsfähigkeit, schönerer Haut oder gesteigertem Wohlbefinden beworben. Nach Angaben der Behörde fehlt jedoch ein behördlicher Nachweis für Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität der Produkte.
Die Infusionslösungen seien in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Anders als zugelassene Infusionsarzneimittel hätten sie kein behördliches Prüfverfahren durchlaufen, bei dem Nutzen, Risiken und Qualitätsstandards bewertet werden.
Risiken durch hochdosierte Infusionen
Das BfArM weist darauf hin, dass intravenöse Infusionen grundsätzlich mit Risiken verbunden seien. Besonders problematisch seien hochdosierte Vitamin- und Mineralstoffmischungen, die ohne medizinische Indikation verabreicht werden. Mögliche Komplikationen seien unter anderem:
- Hypervitaminosen durch Vitaminüberdosierungen
- Hyperhydration mit Volumenüberladung
- Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen
- allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock
- Luftembolien und Kreislaufprobleme durch zu schnelle Flüssigkeitszufuhr
- Paravasate, also Austritt ins Gewebe, durch fehlerhafte Infusionstechnik
Vor allem vulnerable Patienten, etwa Menschen mit Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, könnten gefährdet sein.
Fachgesellschaften sehen keinen Nutzen
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) vor dem Trend gewarnt. Die Fachgesellschaft bewertete die Infusionen als teure Wellness-Anwendungen ohne medizinischen Wirkungsnachweis. Wissenschaftliche Belege dafür, dass gesunde Menschen ohne nachgewiesenen Mangel von intravenös verabreichten Vitaminen profitierten, gebe es bislang nicht.
Zu beachten ist, dass hochdosierte Infusionen gesundheitliche Folgen haben können. So kann eine übermäßige Zufuhr von Kalium lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Zu viel Magnesium kann Muskelschwäche verursachen, hochdosiertes Vitamin C wiederum erhöht die Oxalatbildung und damit das Risiko für Nierensteine.
Medizinische Therapie statt Wellness-Angebot
Intravenöse Therapien sind grundsätzlich etablierte medizinische Verfahren, etwa zur Behandlung schwerer Erkrankungen, Dehydratation oder nachgewiesener Mangelzustände. Der Einsatz erfolge dabei unter ärztlicher Kontrolle und auf Basis klarer Indikationen. Drip Bars dagegen richten sich häufig an gesunde Menschen, die sich von den Infusionen mehr Wohlbefinden oder einen Anti-Aging-Effekt versprechen.
Hinzu kommt, dass Drip Bars nicht zwingend von Ärzten betrieben werden müssen. In Deutschland dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auch Heilpraktiker Infusionen verabreichen, sofern keine verschreibungspflichtigen Arzneimittel eingesetzt werden.
Medizinische Abklärung statt Lifestyle-Infusion
Das BfArM und die DGIM raten dazu, mögliche Vitamin- oder Mineralstoffmängel ärztlich abklären zu lassen, statt eigenständig Infusionsangebote aus dem Wellness-Bereich zu nutzen. Für gesunde Menschen sei eine ausgewogene Ernährung in der Regel ausreichend, um den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zu decken.












