Wechselwirkung zwischen biologischem Altern und psychischer Gesundheit
Frühere Arbeiten unterstützen die Hypothese, dass Stress und damit verbundene psychiatrische Störungen durch Abnutzungseffekte zu persistierend erhöhten neuroendokrinen Effektoren, etwa Glukokortikoiden, und damit zum biologischen Altern beitragen können. Es wurde daher angenommen, dass psychosoziale Stressoren und psychische Erkrankungen zu einem beschleunigten Altern führen können.
Unidirektionale Kausalität wird infrage gestellt
Bis vor kurzem wurde diese Forschungsrichtung jedoch durch ein weitgehend querschnittliches Design und die angenommene unidirektionale Kausalität, wonach Stress und seelisches Leiden ein beschleunigtes Altern vorantreiben, eingeschränkt.
Um diesen validen Blickwinkel zu erweitern, nutzte die kürzlich durchgeführte AURORA-Studie (Fortschreitendes Verstehen von Genesung nach Trauma [Advancing Understanding of Recovery After Trauma]), ein longitudinales Design. Es nahmen Personen teil, die sich in der Notaufnahme vorstellten und kurz nach einer psychischen Traumatisierung DNA für die Bewertung des biologischen Alters bereitstellten.
Fortgeschrittenes biologisches Altern gefährdete psychische Gesundheit
Die Ergebnisse zeigten, dass ein beschleunigtes biologisches Altern zum Zeitpunkt des Traumas, das Risiko einer PTBS-Diagnose (posttraumatischen Belastungsstörung) 6 Monate später vorhersagte und somit die Annahme unterstützt, dass die Entwicklung der PTBS auf eine Beschleunigung des Alterns folgt und diesem nicht vorrausgeht. Im Einklang mit diesen Befunden zeigte eine Studie der UK Biobank, dass das biologische Alter das Risiko für die Entwicklung von Depressionen und Angstsymptomen vorhersagt.
Teufelskreis aus Traumata und biologischem Altern
Beschleunigtes biologisches Altern könnte eigenständig das Risiko für die Entstehung neuropsychiatrischer Störungen erhöhen. Gleichzeitig sei es möglich, dass psychosozialer Stress und psychische Traumata einen Teufelskreis in Gang setzen, der durch eine gegenseitige Verbindung zwischen beschleunigtem biologischem Altern und verschlechterter psychischer Gesundheit verstärkt wird.
Beschleunigtes biologisches Altern kann zu Hirnveränderungen beitragen
Verbleibende Fragen betreffen die zeitliche und mechanistische Abfolge von Ereignissen, die biologisches Altern mit psychischen Erkrankungen verbinden. Beschleunigtes epigenetisches Altern wurde mit strukturellen Hirnveränderungen in Verbindung gebracht, die für psychische Erkrankungen relevant sind, da sie unter anderem eine grundlegende Rolle in der Emotionsregulation spielen. Schnelleres biologisches Altern könnte somit zu wesentlichen Hirnveränderungen beitragen, die wiederum die Entwicklung neuropsychiatrischer Störungen begünstigen.
Genetische und molekulare Ursprünge müssen ergründet werden
An größeren Stichproben bleiben die zeitlichen Zusammenhänge zwischen Hirnveränderungen und biologischem Altern, sowie die zugrundeliegenden genetischen und molekularen Mechanismen zu untersuchen. Ob Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit auch das biologische Altern positiv beeinflussen können und umgekehrt, sollte ebenfalls Gegenstand zukünftiger Forschung sein.
Biologie des Alterns eröffnet neue Wege für die Präventionsforschung
Die Erforschung der Schnittstelle von der Biologie des Alterns und psychischer Gesundheit kann künftige Forschung und klinische Anwendungen vorantreiben, indem sie Wege zur Identifizierung und Behandlung gefährdeter Personen aufzeigt, um die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf das biologische Altern zu mildern. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Präventionsforschung und legt nahe, dass Anti-Aging-Interventionen die Resilienz bei Traumata und das seelische Wohlbefinden fördern könnten.











