ADHS im Erwachsenenalter mit hoher Krankheitslast
ADHS betrifft weltweit 2,5 % bis 6,7 % der Erwachsenen. Neben Kernsymptomen wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität führen häufige Begleiter wie emotionale Dysregulation, Schlafstörungen und exekutive Defizite zu erheblichen Einschränkungen in Beruf, Ausbildung und Sozialleben. Die Pharmakotherapie gilt als Erstlinientherapie, wird jedoch häufig wegen Nebenwirkungen oder unzureichender Wirksamkeit abgesetzt. Leitlinien empfehlen ergänzend nicht-medikamentöse Therapien.
Systematische Netzwerk-Meta-Analyse
In einer umfassenden Netzwerk-Meta-Analyse wurden 37 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und 2.289 erwachsenen ADHS-Patienten ausgewertet. Die Literaturrecherche in PubMed, Web of Science, Cochrane Library und EMBASE umfasste alle bis September 2024 verfügbaren Studien. Eingeschlossen wurden RCTs mit einer Mindestdauer von drei Wochen, in denen Erwachsene mit ADHS gemäß DSM-IV, DSM-5 oder ADHS-SB diagnostiziert wurden.
Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, vorrangig anhand klinischer Bewertungen. Sekundäre Endpunkte waren depressive und Angstsymptome. Die Datenanalyse erfolgte mit einem frequentistischen Netzwerk-Meta-Analyse-Modell (R 4.3.2, Paket netmeta). Die Effektstärken wurden als standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD) mit 95 %-Konfidenzintervallen angegeben, das Ranking erfolgte über den P-Score.
CBT zeigt die besten Ergebnisse bei Kernsymptomen und emotionalen Störungen
Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) zeigte sowohl kurzfristig als auch langfristig eine deutlich überlegene Wirksamkeit gegenüber Kontrollgruppen bei der Reduktion von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
Darüber hinaus bewirkte CBT signifikante Verbesserungen bei komorbiden Depressionen und Angststörungen. Die Autoren erklären dies durch die gezielte Modifikation dysfunktionaler Denk- und Verhaltensmuster sowie die Förderung nachhaltiger Bewältigungsstrategien.
Mindfulness-Ansatz punktet bei Patienten ohne Komorbiditäten
Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MC) zeigte eine wirksame Verbesserung der ADHS-Kernsymptome, insbesondere durch Verringerung von Aufmerksamkeitsstörungen und gedanklichem Abschweifen. Bei Patienten ohne komorbide depressive oder Angststörungen kann MC laut den Autoren eine sinnvolle Alternative darstellen. Langfristig blieben die Effekte stabil, ein signifikanter Einfluss auf komorbide emotionale Störungen konnte jedoch nicht festgestellt werden.
Psychoedukation mit starkem Kurzzeiteffekt
Psychoedukation (PE) bewirkte kurzfristig deutliche Verbesserungen der Kernsymptome und depressive Symptome, zeigte jedoch langfristig nachlassende Wirksamkeit. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Studien und uneinheitlicher Definitionen empfehlen die Autoren weitere Untersuchungen, bevor PE als primäre Behandlungsoption empfohlen werden kann.
Weitere Verfahren und Forschungsbedarf
Neuromodulatorische Verfahren wie transkranielle Magnetstimulation (TMS) oder transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), zusammengefasst als NIBS, zeigten in einigen Studien positive, jedoch heterogene Befunde. Neurofeedback (NF) wies in dieser Analyse keine signifikanten Vorteile auf und zeigte teils negative Effekte, darunter eine mögliche Verstärkung von Angst. Interventionen wie Tai Chi, Arbeitsgedächtnistraining und visuelles Motorentraining wurden zu selten untersucht, um belastbare Aussagen zu ermöglichen.
Die Autoren heben die generell geringe Evidenzqualität vieler Studien hervor und fordern dringend weitere hochwertige, vergleichende RCTs.
Fazit für die Praxis
Für Erwachsene mit ADHS und komorbiden depressiven oder Angstsymptomen stellt CBT derzeit die nicht-medikamentöse Therapie der Wahl dar. Für Patienten ohne Komorbiditäten kann MC eine sinnvolle Alternative sein. PE zeigt Potenzial, bedarf jedoch weiterer sorgfältiger Evaluation.











