In Deutschland ist die Herzinsuffizienz (heart failure, HF) eine der häufigsten Todesursachen. Ausgelöst wird eine Herzinsuffizienz häufig durch Grunderkrankungen wie etwa Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit oder Vorhofflimmern. Patienten mit Herzinsuffizienz sind aufgrund der schweren kardialen Erkrankung wesentlich an Kosten des Gesundheitssystems beteiligt. Welchen Anteil hier die psychischen Folgen der Erkrankung haben, ist bislang noch nicht hinreichend untersucht.
Die Verknüpfung von Herz und Psyche
Das Herz nimmt in allen Kulturen eine besondere Bedeutung als Zentrum des Lebens oder Sitz der Seele ein. In umgangssprachlichen Formulierungen wie etwa „sich das Herz ausschütten“ zeigt sich die enge Verknüpfung von emotionalem Erleben mit dem Herz. Psychische Symptome und Herz-Kreislauf-Erkrankung beeinflussen sich gegenseitig, was bereits durch zahlreiche Studien belegt werden konnte. Viele Patienten mit Herzinsuffizienz leiden unter einer großen psychischen Belastung.
Welche Kosten verursacht die psychische Belastung bei Herzinsuffizienz?
Eine aktuelle Studie aus den USA untersuchte die gesundheitsökonomische Bedeutung der psychischen Komponente bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Ziel der Studie war es, die Prävalenz von psychischen Belastungen bei HF-Patienten und ihre Auswirkungen auf die Kosten und die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens zu untersuchen. Die Ergebnisse publizierte ein Team um Erstautor Dr. Harshith Thyagaturu vom West Virginia University Heart and Vascular Institute im Fachblatt „European Journal of Heart Failure“.
Großer Datensatz von Patienten mit Herzinsuffizienz analysiert
Die Forscher analysierten Daten von Erwachsenen mit HF aus dem „Medical Expenditure Panel Survey“ von Januar 2016 bis Dezember 2021. Die Prävalenz der psychischen Belastung unter den Teilnehmern wurde mithilfe des Kessler 6 (K6)-Fragebogens untersucht und der Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und den entsprechenden Ausgaben analysiert. In die Auswertungen gingen die Daten von 10.681.886 HF-Patienten ein. Psychische Probleme lagen bei 6,8 % der Teilnehmer vor. Das Durchschnittsalter betrug 69,9 Jahre, und 50 % waren weiblich.
Risiko- und Schutzfaktoren für die Psyche bei Herzinsuffizienz
Neben der gesundheitsökonomischen Bewertung untersuchten die Forscher auch verschiedene Schutz- und Risikofaktoren für das Auftreten psychischer Probleme bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Zu den Risikofaktoren mit einem signifikanten Zusammenhang in der Studie zählen:
- Rauchen (adjustierte Odds Ratio [aOR] 2,87)
- Komorbiditäten, gemessen mittels Charlson Comorbidity Index ≥3 (aOR 3,05)
- Schlafstörungen (aOR 2,82).
Protektiv wirkten sich folgende Faktoren aus:
- Körperliche Betätigung (aOR 0,40)
- Höheres Bildungsniveau (aOR 0,89)
- Höheres Einkommen (mittleres Einkommen: aOR 0,19; hohes Einkommen: aOR 0,20).
Psychische Belastung bei Herzinsuffizienz erhöht Gesundheitsausgaben
In den Ergebnissen der Studie zeigt sich: HF-Patienten mit psychischen Problemen hatten signifikant höhere jährliche Gesamtkosten (14.709 US-Dollar, p < 0,01), wobei die stationären Kosten (6.014 US-Dollar, p = 0,02) und die Kosten für Besuche in der Arztpraxis (3.993 US-Dollar, p = 0,04) besonders hoch waren. Darüber hinaus wurden diese Patienten häufiger in der Notaufnahme vorstellig (0,07 Besuche, p < 0,01), hatten mehr Krankenhausentlassungen (0,2 Entlassungen, p = 0,01) und häufigere Übernachtungen im Krankenhaus (1,4 Nächte, p < 0,01).
Autoren fordern integrierte Versorgungsansätze zum Schutz von Herz und Psyche
In dieser Studie war die psychische Belastung bei HF-Patienten mit deutlich höheren medizinischen Ausgaben und einer höheren Inanspruchnahme des Gesundheitswesens verbunden. Laut den Autoren unterstreichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit integrierter Versorgungsansätze und zeigen mögliche Interventionsbereiche auf, um diese erhebliche Gesundheitsbelastung zu adressieren.











