Lithium in der Schwangerschaft: Internationale Verordnungspraxis

Lithium als Dauertherapie wird auch in der Schwangerschaft bei psychischen Störungen weltweit verordnet. Allerdings unterscheiden sich die Lithium-Verordnungen von Land zu Land und im zeitlichen Verlauf. So ist der Lithiumkonsum in skandinavischen Ländern in den letzten Jahren gestiegen, in Deutschland auf niedrigem Niveau gleichgeblieben.

Schwangere Depression

Lithium gehört zu den klassischen Psychopharmaka, die zur Langzeittherapie z.B. bei bipolaren Störungen, Depressionen oder schizoaffektiven Störungen eingesetzt werden. In der Schwangerschaft müssen die Vorteile der Lithiumbehandlung zur Rückfallprävention bei psychiatrischen Erkrankungen gegen mögliche teratogene Wirkungen abgewogen werden. Und das ist gar nicht so selten erforderlich, denn z. B. wird geschätzt, dass weltweit etwa jede 40. Frau perinatal unter einer bipolaren Störung leidet. 

Lithiumkonsum schwankt national und zeitlich

Derzeit gibt es jedoch nur wenige Informationen darüber, wie und wann Lithium von schwangeren Frauen verwendet wird. Internationale Richtlinien fehlen. Um diese Wissenslücke zu füllen, hat eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Karolinska-Instituts in Stockholm das Verordnungsverhalten von Lithium bei Schwangeren in 14 Ländern verglichen. Es wurde die Häufigkeit des Lithiumkonsums in der Schwangerschaft mit dem der letzten zwei Jahrzehnten in der jeweiligen Kohorte verglichen. 

Daten von 21 Mio. Schwangeren analysiert

In dieser Kohortenstudie wurden Daten von 21.659.454 Schwangerschaften aus Australien, Dänemark, Finnland, Deutschland, Hongkong, Island, Israel, Neuseeland, Norwegen, Südkorea, Schweden, Taiwan, dem Vereinigten Königreich und 2 Kohorten aus den USA verwendet.

Lithium-Gebrauch meist gestiegen

Dabei ergab sich, dass

  • die Prävalenz des Lithiumkonsums von 0,07 pro 1000 Schwangerschaften in Hongkong bis zu 1,56 pro 1000 in der öffentlich versicherten US-Bevölkerung reichte.
  • Der Lithiumkonsum nahm pro 1000 Schwangerschaften in 10 Populationen zu (Australien [0,60 auf 0,74], Dänemark [0,09 auf 0,51], Finnland [0,10 auf 0,29], Island [0,24 auf 0,99], Israel [0,25 auf 0,37], Norwegen [0,24 auf 0,47], Südkorea [0,30 auf 0,44], Schweden [0,42 auf 1,07], Großbritannien [0,07 auf 0,10] und Taiwan [0,15 auf 0,19]),
  • In 4 Populationen blieb die Rate der Lithiumeinnahmestabil (Deutschland [0,17 bis 0,16], Hongkong [0,06 auf 0,06] und die öffentlich [1,50 auf 1,34] und gewerblich [0,38 auf 0,36] versicherte US-Bevölkerung)
  • Nur in Neuseeland sank die Lithium-Verwendung in der Schwangerschaft [0,54 auf 0,39]).

Die Konsummuster vor, während und nach der Schwangerschaft deuten darauf hin, dass viele Frauen den Lithiumkonsum während der Schwangerschaft abbrachen und die Behandlung nach der Geburt wieder aufnahmen, wobei es große Unterschiede zwischen den Ländern gab. 

  • In allen Populationen nahm der Konsum von Lithium mit jedem Trimester der Schwangerschaft ab,  
  • Die Prävalenz des postpartalen Konsums war ähnlich hoch war wie vor der Schwangerschaft.
  • Der Anteil des Lithiumkonsums im zweiten Trimester im Vergleich zur Zeit vor der Schwangerschaft reichte von 2 % in Südkorea bis 80 % in Dänemark.

Über die Ursachen der unterschiedlichen Verordnungspraxis gibt die Studie keine Auskunft. Es wird vermutet, dass in den verschiedenen nationalen Leitlinien die Studien zur Teratogenität von Lithium unterschiedlich gewichtet wurden. Auch dürften die Kosten der Psychopharmaka bei den sozial schwächeren Populationen eine Rolle spielen. 

Internationale Leitlinien erforderlich

Nach Ansicht der Autoren unterstreichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit international harmonisierter Leitlinien für psychiatrisch erkrankte schwangere Frauen, die von einer Lithiumbehandlung profitieren können.

Autor:
Stand:
31.03.2025
Quelle:

Wittström F et al. (2024): Lithium Use During Pregnancy in 14 Countries. JAMA Netw Open. 2024;7(12):e2451117. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.51117.

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