Amöbiasis ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch Entamoeba histolytica verursacht wird. Sie tritt hauptsächlich in tropischen und subtropischen Regionen auf, in denen die hygienischen Bedingungen unzureichend sind. Die Krankheit wird über kontaminierte Nahrung und Wasser übertragen. Menschen können sowohl asymptomatische Träger sein als auch schwere, lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln. Neben den pathogenen Formen existieren auch nicht-pathogene Amöbenarten, wie Entamoeba dispar und Entamoeba moshkovskii, die keine Krankheitssymptome verursachen.
Ätiologie
- Erreger: Entamoeba histolytica, ein Protozoenparasit.
- Fakultativ pathogene Amöbenarten: Entamoeba dispar und Entamoeba moshkovskii, die i.d.R. keine Krankheitssymptome verursachen.
- Übertragungsweg: Fäkal-oral über kontaminierte Nahrungsmittel oder Wasser.
- Pathophysiologie: Die Amöben werden im Zystenstadium übertragen, entwickeln sich im Darm zu aktiven Trophozoiten und können Gewebezerstörung und Ulzerationen verursachen. Durch hämatogene Streuung können auch exraintestinale Symptome und Komplikationen entstehen.
Vorkommen
- Verbreitung: Weltweites Vorkommen, hauptsächlich jedoch in tropischen und subtropischen Regionen, besonders in Gebieten mit schlechten sanitären Bedingungen. Hohe Prävalenz in Teilen von Afrika, Südostasien und Lateinamerika.
- Fallzahlen weltweit: Schätzungsweise 50 Millionen symptomatische Fälle und bis zu 100.000 Todesfälle jährlich.
- Relevanz in Deutschland: Seltene Erkrankung, meist importierte Fälle durch Reisende aus Endemiegebieten.
Symptome
Circa 80-90% aller Infektionen mit E. hyistolytica verlaufen asymptomatisch. Infizierte scheiden dann über den Stuhl wiederum infektiöse Zysten aus und tragen so zur Aufrechterhaltung des Infektionszyklus bei. In 10-20% kommt es zur Ausbildung von Symptomen, die wiederum in eine intestinale und eine extraintestinale Form unterschieden werden.
- Inkubationszeit: Zwei bis vier Wochen.
- Intestinale Amöbiasis (Amöbenruhr): Diarrhoe, Bauchschmerzen, blutiger Stuhlgang, Fieber. Es kann zu Kolitiden und Darmperforationen kommen.
- Extraintestinale Amöbiasis: Am häufigsten Leberabszesse mit Fieber, Schmerzen im rechten Oberbauch, Hepatomegalie, seltene Manifestationen in Lunge, Gehirn und Haut.
Diagnostik
Eine Diagnostik auf Amöbiasis sollte bei Patienten mit blutig-schleimigen oder persistierenden Diarrhöen nach Aufenthalt in tropischen oder subtropischen Regionen erfolgen, insbesondere wenn andere Infektionen ausgeschlossen sind.
- Anamnese und klinische Untersuchung: Erhebung der Symptome und der Reiseanamnese.
- Mikroskopie: Nachweis von Zysten oder Trophozoiten in Stuhlproben.
- PCR: Molekularbiologischer Nachweis zur Differenzierung von E. histolytica und nicht-pathogenen Entamoeba-Arten.
- Antigentests: Spezifischer Nachweis von E. histolytica-Antigenen in Stuhlproben.
- Serologie: Nachweis von Antikörpern bei extraintestinaler Amöbiasis.
Therapie
- Medikamentöse Therapie: Metronidazol zur Behandlung der aktiven Amöbiasis, gefolgt von einem luminalen Amöbizid wie Paromomycin zur Eliminierung der Darmzysten.
- Chirurgische Intervention: Bei Komplikationen wie Darmperforation oder großen Leberabszessen.
- Supportive Maßnahmen: Rehydratation und symptomatische Behandlung bei schwerer Diarrhoe und Dehydratation.
- Gesunde Zystenausscheider: Es sollte eine Therapie Paromomycin erfolgen.
Prophylaxe/Impfung
- Hygienemaßnahmen: Sicherstellung von sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln, gründliches Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen.
- Impfung: Derzeit keine verfügbare Impfung gegen Amöbiasis.









