Funktionsdefizite bei axialer Spondyloarthritis trotz umfassender Therapiemaßnahmen: Ergebnisse der ATTENTUS-axSpA-Studie

Trotz breitem Angebot an medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapieoptionen sowie Unterstützung durch Rehabilitationsmaßnahmen und Selbsthilfegruppen, leiden viele Patienten mit axialer Spondyloarthritis unter Funktionsdefiziten und Alltagseinschränkungen. Die ATTENTUS-axSpA-Studie hat die Gründe beleuchtet.

Spondyloarthritis

Hintergrund

Die axiale Spondyloarthritis (axSpA) ist eine entzündlich rheumatische Systemerkrankung, die mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität einhergeht. Zur Behandlung wird ein breites Spektrum an medikamentösen Behandlungen (MTM) und nichtmedikamentösen Therapieoptionen (NMTM) sowie Unterstützung durch rehabilitationsmedizinische Therapieleistungen (RTL) und Mitgliedschaften in Selbsthilfeorganisationen (SHO) angeboten.

Dennoch haben axSpA-Patienten in Deutschland mit erheblichen Funktionsdefiziten und Einschränkungen der beruflichen oder sozialen Teilhabe zu kämpfen.

Die ATTENTUS-axSpA-Studie untersuchte, in welchem Umfang die bestehenden Therapieangebote tatsächlich genutzt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der 'Zeitschrift für Rheumatologie' veröffentlicht [1].

axSpA-Beobachtungsstudie: Studiendesign und Teilnehmer

Die ATTENTUS-axSpA-Studie wurde als deutschlandweite Beobachtungsstudie von November 2019 bis Juli 2020 durchgeführt. Sie sammelte Daten von Menschen mit ärztlich bestätigter axialer Spondyloarthritis (axSpA) gemäß ICD-10 Code M45. Insgesamt umfasste die Studie 797 Patienten, von denen 60,4% von Rheumatologen und 31,5% von Klinik-/Universitätsambulanzen rekrutiert wurden.

Die Forschenden analysierten eine Vielzahl von Informationen, darunter die Nutzung von medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapien, Rehabilitationsmaßnahmen und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen. Zur Bewertung der Krankheitsaktivität verwendeten sie den Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI), zur Einschätzung der körperlichen Funktionsfähigkeit wurde der Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index (BASFI) herangezogen. Darüber hinaus beurteilten sie folgende Aspekte:

  • Teilhabeeinschränkungen in den Bereichen Selbstversorgung, häusliches Leben und Hilfsmittelversorgung
  • globale Funktionsfähigkeit und Gesundheit
  • Arbeitsproduktivität und Aktivität im Alltag

Anhaltende Funktionsdefizite und Teilnahmeeinschränkungen

Die Studie hat wichtige Erkenntnisse über die Nutzung von Behandlungsoptionen und Ressourcen bei Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) geliefert. Von allen Teilnehmenden:

  • wurden 39% nicht mit biologischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (bDMARDs) behandelt.
  • erhielten 54% weniger als einmal pro Woche Physiotherapie, 29% lediglich einmal wöchentlich.
  • führten 86% körperliche Aktivitäten aus, hauptsächlich in Form von Heimübungen.
  • trainierten 14% im Fitnessstudio und 7% im Sportverein.
  • nutzten 54% Rehabilitationsmaßnahmen, bei etwa einem Drittel lag diese mehr als fünf Jahre zurück.
  • waren 13% der Patienten Mitglieder in einer Selbsthilfeorganisation. Interessanterweise wurden NMTM und RTL in dieser Gruppe eher in Anspruch genommen.

Im Ergebnis offenbarten axSpA-Patienten erhebliche Funktionsdefizite und Einschränkungen der Alltagsteilhabe. Letztere waren hauptsächlich auf Probleme der Rumpfbeweglichkeit zurückzuführen. Dies ist eine wesentliche Komponente, da axSpA typischerweise die Wirbelsäule betrifft und die Bewegungsfreiheit im Rumpfbereich maßgeblich beeinflusst.

Fazit: axSpA-Patienten nutzen Behandlungsoptionen nur unzureichend

Obwohl es erhebliche Fortschritte in den Behandlungsstrategien bei axialer Spondyloarthritis gegeben hat, bleiben axSpA-Patienten oft mit anhaltenden Einschränkungen in ihrer Lebensqualität und ihren Aktivitäten konfrontiert.

Die verfügbaren Behandlungsoptionen und Ressourcen werden häufig nur begrenzt und/oder mit geringer Intensität genutzt. Das könnte die anhaltenden Teilhabeeinschränkungen erklären. Die Ursachen für den geringen Gebrauch der zur Verfügung stehenden therapeutischen Maßnahmen und Ressourcen gilt es näher zu untersuchen, so das Autorenteam.

Autor:
Stand:
28.09.2023
Quelle:

Meyer-Olson, D. et al. (2023): Nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen, Rehabilitationsleistungen und Mitgliedschaft in Selbsthilfeorganisationen bei axialer Spondyloarthritis (Die ATTENTUS axSpA-Studie)Nonpharmacological treatment measures, rehabilitation services and membership in patient support groups in axial spondylarthritis (The ATTENTUS axSpA study). Zeitschrift für Rheumatologie, DOI: 10.1007/s00393-023-01410-w.

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