MIS-C: Schlechterer Verlauf bei Adipositas

Adipositas ist eng verbunden mit der Pathophysiologie inflammatorischer Erkrankungen. Der Einfluss von Adipositas auf den Verlauf des Kawasaki-Syndroms und des multisystemischen inflammatorischen Syndroms bei Kindern ist jedoch unklar.

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Obwohl Kinder meist einen milden Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion erwarten können, kann sich auch ein schwerwiegendes postinfektiöses Syndrom entwickeln, das multisystemische inflammatorische Syndrom bei Kindern (multisystem inflammatory syndrome in children [MIS-C]). Das MIS-C ähnelt aufgrund seiner kardialen und extrakardialen Manifestationen sehr dem Kawasaki-Syndrom.

Risikofaktor Adipositas bei MIS-C?

Aufgrund der Schwere der Erkrankung wurden Patienten mit MIS-C hinsichtlich vieler prognostischer Faktoren untersucht. Bei Kindern mit einer akuten SARS-CoV-2-Infektion scheint insbesondere Adipositas als Risikofaktor für Hospitalisierung, Aufnahme auf die Intensivstation und Tod eine wichtige Rolle zu spielen. Die Assoziation zwischen Adipositas und dem MIS-C ist jedoch weitgehend unklar und auch die prognostische Aussagekraft des Risikofaktors Adipositas beim Kawasaki-Syndrom ist schlecht untersucht.

Daher wurde nun in einer Kohortenstudie untersucht, welchen Einfluss Übergewicht, Adipositas und schwere Adipositas auf den Verlauf von Erkrankungen mit dem MIS-C und dem Kawasaki-Syndrom haben. Dazu wurden Daten ausgewertet, die zwischen den Jahren 2020 und 2022 im International Kawasaki Disease Registry (IKDR) gesammelt wurden. Eingeschlossen wurden – neben Patienten mit MIS-C – nur Patienten mit Kawasaki-Syndrom ohne vorherige SARS-CoV-2-Infektion, da sonst die Unterscheidung zum MIS-C bei diesen Patienten zweifelhaft gewesen sein könnte.

MIS-C schwerwiegender als Kawasaki-Syndrom

Die insgesamt 1429 Patienten mit MIS-C litten unter einem deutlich schlechteren Krankheitsverlauf als die 338 Patienten mit Kawasaki-Syndrom. So mussten 57,1% der MIS-C-Patienten auf einer Intensivstation behandelt werden; bei Patienten mit Kawasaki-Syndrom nur 6,6%. Weiterhin wurden sie deutlich häufiger initial mit einem Schock vorstellig, erhielten häufiger inotrope Substanzen und verblieben länger im Krankenhaus.

Ebenso wiesen Patienten mit MIS-C höhere kardiale Biomarker, Entzündungsparameter, Kreatinin und Alanin-Aminotransferase (ALT) sowie eine schlechtere linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) auf. Von den MIS-C-Patienten verstarben acht (0,6%), während von den Patienten mit Kawasaki-Syndrom keiner verstarb.

MIS-C-Patienten häufiger adipös

MIS-C-Patienten waren im Durchschnitt adipöser als die Patienten mit Kawasaki-Syndrom, auch nach Adjustierung für das höhere Alter der MIS-C-Patienten (8,7 Jahre im Median vs. 2,5 Jahre) und andere Patientencharakteristika. Besonders hoch war der Unterschied zwischen MIS-C-Patienten und Patienten mit Kawasaki-Syndrom bei der Häufigkeit von Adipositas und schwerer Adipositas.

Schlechterer Verlauf bei adipöseren MIS-C-Patienten

Ein höherer Adipositas-Grad war bei Patienten mit MIS-C oder mit Kawasaki-Syndrom assoziiert mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, auf einer Intensivstation behandelt zu werden. Ausschließlich bei MIS-C-Patienten erhielten adipösere Patienten außerdem häufiger inotrope Substanzen und wiesen eine geringere LVEF sowie höhere Entzündungsparameter auf als weniger adipöse Patienten. Adipösere MIS-C-Patienten hatten auch ein höheres Troponin I, Kreatinin und ALT als weniger adipöse MIS-C-Patienten.

Adipositas möglicherweise Risikofaktor bei MIS-C

Diese retrospektive Kohortenstudie zeigt auf, dass das MIS-C eine schwerwiegendere Erkrankung als das Kawasaki-Syndrom ist und deutlich häufiger mit Adipositas sowie schwerer Adipositas assoziiert ist. Außerdem verdeutlicht sie die große Rolle von Adipositas bei inflammatorischen Krankheiten. Für die kausale Schlussfolgerung, dass eine Adipositas für schwerere Verläufe von dem MIS-C und dem Kawasaki-Syndrom verantwortlich sei, sind aber prospektive Studien nötig.

Auffällig ist, dass die meisten Assoziationen zwischen schlechteren Outcomes oder Laborwerten mit einem höheren Adipositas-Grad nur bei MIS-C-Patienten gefunden wurden. Möglicherweise liegt das an der vergleichsweise kleinen Anzahl an Patienten mit Kawasaki-Syndrom, sodass in dieser Gruppe schlicht die statistische Power gefehlt haben könnte. Auch denkbar ist, dass sich das MIS-C und das Kawasaki-Syndrom deutlicher als bisher angenommen hinsichtlich ihrer Risikofaktoren unterscheiden.

Autor:
Stand:
17.01.2024
Quelle:

Khoury et al. (2023): Obesity and Outcomes of Kawasaki Disease and COVID-19–Related Multisystem Inflammatory Syndrome in Children. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.46829

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