Die Polymyalgia rheumatica (PMR) ist eine entzündliche Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Sie ist gekennzeichnet durch Schmerzen und Steifheit in den Schultern, Nacken und Beckengürtel, die typischerweise morgens auftreten. PMR kann zu erheblichen Einschränkungen der Beweglichkeit führen, Patienten sprechen aber bei einer frühzeitigen Behandlung in der Regel gut auf antiinflammatorische Medikamente an.
Übersichtsarbeit zur bildgebenden Diagnostik bei PMR
Das Fehlen spezifischer klinischer Befunde, Laborzeichen, Biomarker und etablierter bildgebender Verfahren erschwert die Diagnosestellung bei Patienten mit PMR. Das Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit war es, Literaturdaten über den Einsatz von bildgebenden Verfahren zur Frühdiagnose, Beurteilung der Krankheitsaktivität und therapeutischen Reaktion bei PMR vorzustellen. Gleichzeitig wurden die Vor- und Nachteile sowie Kontraindikationen jeder Methode berücksichtigt [1].
Studiendesign
Diese systematische Übersichtsarbeit basiert auf dem PRISMA-Modell (2020) und erfolgt gemäß den Empfehlungen zur Erstellung von Übersichtsartikeln von Gasparyan et al. [2, 3].
Es wurden die Meta-Datenbanken PubMed und Scopus bis Juni 2022 durchsucht. Insgesamt wurden 1.431 Artikel gefunden, wovon 61 Artikel anhand bestimmter Ein- und Ausschlusskriterien ausgewählt wurden.
Radiographie: Begrenzte Anwendung zur Diagnosestellung
In der Literatur gibt es nur wenige Daten zur Anwendung der Radiographie zur Diagnose von PMR. Da es sich bei PMR um eine nicht-erosive Arthropathie mit hoher Krankheitsaktivität ohne dauerhafte Gelenkschäden handelt, werden radiographische Untersuchungen keine Veränderungen an Schulter-, Hüft- und peripheren Gelenken feststellen.
Die Radiographie spielt jedoch eine wichtige Rolle dabei, eine Reihe von Krankheiten auszuschließen, die eine PMR vortäuschen können. Sie wird eingesetzt, um bei Patienten mit klinischem Verdacht auf PMR eine periphere Gelenkbeteiligung von fortgeschrittener Arthrose oder erosiven entzündlichen Gelenkerkrankungen zu unterscheiden. Darüber hinaus werden Röntgenaufnahmen des Brustkorbs verwendet, um Lungeninfektionen oder Tumore bei Patienten mit den entsprechenden Symptomen auszuschließen [4, 5].
Szintigrafie: veraltetes Bildgebungsverfahren bei PMR
Die Szintigrafie ist eine Methode, die mittlerweile durch moderne Bildgebungsverfahren wie Ultraschall, MRT und PET-CT ersetzt wurde. In Studien zur Rolle der Szintigrafie bei PMR gibt es Daten zu Schultergelenken, sternoklavikulären Gelenken und in geringerem Maße zu Hüftgelenken.
Frühere Untersuchungen zeigten bei Patienten mit PMR szintigrafische Veränderungen in den Gelenken, die bei gesunden Kontrollpersonen nicht vorhanden waren. Die Sensitivität dieser Methode war hoch, aber die Spezifität war aufgrund der Unfähigkeit, die Art der Gelenkbeteiligung zu bestimmen, gering. Die Hauptnachteile von szintigrafischen Studien bei PMR sind unklar definierte, heterogene Kontrollgruppen, unklare Methodik und variable Ergebnisse.
MRT mit Schlüsselrolle bei Diagnose von PMR
Die Magnetresonanztomografie (MRT) hat eine breite Anwendung in der Beurteilung von Gelenken und periartikulären Strukturen bei PMR gefunden. Sie zeigt Entzündungen wie Synovitis, Bursitis und Tenosynovitis in Schulter- und Hüftgelenken auf. Sie kann eine Schlüsselrolle bei der Frühdiagnose von PMR spielen und diese von anderen PMR-ähnlichen Erkrankungen unterscheiden.
Außerdem liefert die MRT auch Informationen über extrakapsuläre Beteiligung von Sehnen, Enthesen und Bursen. Im Vergleich zur rheumatoiden Arthritis (RA) sind bei PMR extrakapsuläre Entzündungen häufiger.
Die MRT ermöglicht auch die Überwachung der Krankheitsaktivität und die Beurteilung des Ansprechens auf die Behandlung. Die Anwendung der MRT ist jedoch aufgrund der Kosten und des Zeitaufwands begrenzt.
PET-CT: nicht bevorzugt bei PMR
Die Positronenemissionstomographie mit Computertomographie (PET-CT) ist eine bildgebende Technik, die in der Onkologie weit verbreitet ist. Ein Vorteil der PET-CT gegenüber anderen Bildgebungsverfahren besteht darin, dass sie zwischen PMR und paraneoplastischem Syndrom unterscheiden kann. Die Methode verwendet 18F-FDG, das nicht nur im Tumorgewebe, sondern auch in verschiedenen Regionen bei PMR-Patienten akkumuliert.
Jedoch hat die PET-CT auch Nachteile wie eine begrenzte Verfügbarkeit, hohe Kosten, Strahlenbelastung und die Notwendigkeit erfahrener Spezialisten. Daher wird sie in besonderen Fällen eingesetzt, um eine zugrunde liegende Erkrankung wie die Riesenzellarteriitis und Krebserkrankungen auszuschließen.
Ultraschall: am häufigsten verwendete Bildgebungsmethode
Der Ultraschall erwies sich als die am häufigsten verwendete Bildgebungsmethode bei PMR aufgrund ihrer Zugänglichkeit, Erschwinglichkeit und Fähigkeit zur Echtzeit-Bildgebung. Die Methode ist weit verbreitet, ungefährlich und gut verträglich für Patienten. Ein Ultraschall liefert Antworten auf Fragen zur Art der zugrunde liegenden Pathologie, zur Lokalisation, Verteilung und Ausdehnung der Beteiligung von Gelenken und periartikulären Strukturen bei PMR.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Ultraschall die diagnostische Spezifität für PMR erhöht. Typische sonographische Befunde bei PMR umfassen bilaterale Schleimbeutelentzündungen im Schulterbereich, Tenosynovitis der langen Bizepssehne und Gelenkentzündungen im Schultergelenk und Hüftgelenk.
Ultraschall ist auch bei der Unterscheidung von PMR und rheumatoider Arthritis im späten Lebensalter sowie zur Detektion von subklinischer Riesenzellarteriitis von Bedeutung.
Jedoch gibt es bislang nur eine begrenzte Menge an veröffentlichten Daten zur Rolle des Ultraschalls bei der Überwachung der Krankheitsaktivität und des Therapieansprechens bei PMR. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die therapeutische und prognostische Rolle der Sonographie bei PMR zu bewerten.








