Blutflussrestriktionstraining bei Kniearthrose: Wirksame Ergänzung zur Physiotherapie

Bei der konservativen Behandlung der Kniearthrose steht die Bewegungstherapie zur Schmerzlinderung und Stabilisierung des Gelenks im Vordergrund. Eine zunehmende Rolle könnte dabei das Blutflussrestriktionstraining spielen, das einen Muskelaufbau auch bei geringer Belastung ermöglicht.

Kniegelenk-Arthrose

Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist eine der häufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen und betrifft weltweit Millionen von Menschen. Steigende Lebenserwartung und zunehmende Adipositas tragen zur steigenden Prävalenz bei. Die Erkrankung führt zu fortschreitendem Knorpelabbau, strukturellen Gelenkveränderungen und Bewegungseinschränkungen, die mit erheblichen Schmerzen und Funktionseinschränkungen einhergehen.

Während in fortgeschrittenen Stadien eine Knieendoprothese infrage kommt, stellt die konservative Therapie insbesondere in früheren Krankheitsstadien eine wesentliche Maßnahme dar. Internationale Leitlinien empfehlen eine gezielte Bewegungstherapie zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung. Eine neue randomisierte kontrollierte Studie untersuchte die Integration des Blood-Flow-Restriction-Trainings (BFR, Blutflussrestriktionstraining) in die konventionelle Physiotherapie. Bei dieser Methode wird der Blutfluss zu den Extremitäten gezielt reduziert, um muskuläre Anpassungen und funktionelle Verbesserungen bei geringer Belastung zu fördern.

Vergleich der Therapieansätze: Physiotherapie mit und ohne BFR

An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 120 Patienten mit diagnostizierter Kniearthrose (OA) teil. Eine Gruppe erhielt ausschließlich ein herkömmliches, niedrigintensives Physiotherapieprogramm, während die andere Gruppe zusätzlich BFR erhielt. Die Intervention dauerte zwölf Wochen und umfasste zwei Sitzungen pro Woche. Eine Nachuntersuchung fand drei Monate nach Therapieende statt.

Die Schmerzintensität wurde mit der KOOS-Skala (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score) gemessen. Die Quadrizepskraft wurde dynamometrisch gemessen, während funktionelle Tests wie der 6-Minuten-Gehtest und der 30-Sekunden-Stuhltest die Beweglichkeit und Kraftausdauer beurteilten. Die Auswertung erfolgte nach dem Intention-to-treat-Prinzip.

Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität

Nach sechs Wochen gab es noch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Erst nach zwölf Wochen war die Schmerzreduktion in der BFR-Gruppe signifikant stärker als in der Kontrollgruppe. Dieser Vorteil blieb auch drei Monate nach Therapieende bestehen. Während sich der KOOS-QoL-Subscore nach zwölf Wochen nicht signifikant zwischen den Gruppen unterschied, zeigte sich nach drei Monaten eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität in der BFR-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Verbesserungen der Muskelkraft und funktionellen Leistungsfähigkeit

Die BFR-Gruppe zeigte eine signifikante Steigerung der Quadrizepskraft, die auch nach Therapieende erhalten blieb. Darüber hinaus zeigten funktionelle Tests signifikante Vorteile zugunsten der BFR-Gruppe. Die Patienten konnten mehr Wiederholungen im 30-Sekunden-Stuhltest und eine größere Strecke im 6-Minuten-Gehtest zurücklegen. Zudem war die Gehgeschwindigkeit im 40-Meter-Schnellgehtest in der BFR-Gruppe signifikant höher. Diese Ergebnisse sprechen für eine nachhaltige Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und Mobilität durch die Integration von BFR.

Vergleichbare Abbruchraten in beiden Gruppen

Die Abbruchraten waren in beiden Gruppen vergleichbar. In der BFR-Gruppe trat ein Fall von tiefer Venenthrombose auf. Darüber hinaus berichteten 6,7 % der Patienten über Schmerzen, die zu einem Therapieabbruch führten, während dies in der Kontrollgruppe bei 10 % der Patienten der Fall war. Einige Studienteilnehmer entschieden sich im Verlauf der Studie für eine Knieoperation. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Patientenselektion sowie einer genauen Risikoabschätzung vor Beginn eines BFR-Trainings, insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Thromboserisiko.

BFR als effektive Ergänzung zur Bewegungstherapie

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Integration von BFR in die Bewegungstherapie bei Kniearthrose eine wirksame Methode zur Schmerzreduktion und Verbesserung der funktionellen Leistungsfähigkeit darstellt. Nach zwölf Wochen waren signifikante Unterschiede in der Schmerzbewältigung und der Muskelkraft messbar, die auch drei Monate nach Therapieende noch anhielten. Zudem verbesserten sich die Gehgeschwindigkeit und die Kraftausdauer der Patienten.

Die Studie liefert wichtige Hinweise für die Praxis, dass die BFR insbesondere für Patienten mit eingeschränkter Belastungstoleranz eine sinnvolle Alternative zur klassischen hochintensiven Krafttherapie sein könnte. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um Langzeiteffekte über Zeiträume von mehr als einem Jahr zu untersuchen und evidenzbasierte Sicherheitsempfehlungen für Risikopatienten zu formulieren.

Autor:
Stand:
22.03.2025
Quelle:

Jacobs et al. (2025): Vascular occlusion for optimising the functional improvement in patients with knee osteoarthritis: a randomised controlled trial. Annals of the Rheumatic Diseases, DOI: 10.1136/ard-2024-226579Get rights and content.

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