GlycA als prädiktiver Biomarker für Gichtschübe

Neue Studienergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zur Behandlung von Patienten mit Gicht sowie zur Risikobewertung der Erkrankung. Sowohl für erstmalig auftretende als auch für wiederkehrende Gichtschübe konnte GlycA als prädiktiver Biomarker bestimmt werden.

Gicht

Die Analyse wurde von Dr. Natalie McCormick und ihrem Team von der Abteilung für Rheumatologie, Allergie und Immunologie am Massachusetts General Hospital durchgeführt.

Angesichts der Tatsache, dass nur etwa 20% der Personen mit anhaltender Hyperurikämie klinische Gicht entwickeln, bestehe laut Dr. McCormick ein Bedarf, die Vorhersagefaktoren und mechanistischen Wege für die Entwicklung von Gicht jenseits der Serumharnsäurewerte besser zu verstehen.

Untersuchung mittels Metabolom-Analyse

Gegenstand der Untersuchung waren dabei Blutproben von 105.615 Teilnehmern aus der UK Biobank, bei denen eine Metabolom-Analyse mittels NMR-Spektroskopie durchgeführt wurde. 

Bei der vorliegenden Studie handelte es sich um eine hypothesenfreie und ungerichtete Analyse. Ziel war es, neuartige Biomarker zu identifizieren, die mit dem Auftreten von erstmaligen und wiederkehrenden Gichtschüben in Verbindung stehen. Eingeschlossen wurden Patienten, die zuvor nicht an Gicht erkrankt waren und keine dokumentierte Behandlung mit Medikamenten zur Senkung des Harnsäurespiegels erhalten hatten.

Assoziation von GlycA mit Gichtschüben

Die Ergebnisse zeigen, dass insgesamt 88 Metabolite mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Gicht in Verbindung standen. Nach Anpassung des Serumharnsäurespiegels blieb GlycA der einzige Metabolit, der mit einem Gichtschub assoziiert war. Patienten mit erhöhten GlycA-Werten wiesen dabei ein um 52% gesteigertes Risiko auf (Hazard Ratio (HR) = 1,52). 

GlycA steht hierbei für die Glykoproteinacetylierung. Das NMR-Signal stammt von den Glykangruppen bestimmter Akute-Phase-Proteine (vor allem das saure Alpha-1-Glykoprotein, Haptoglobin und Alpha-1-Antitrypsin), die im Rahmen entzündlicher Prozesse freigesetzt werden.

Interessanterweise verstärkte sich diese Assoziation bei Patienten, die vor der Untersuchung eine Fastenzeit von mindestens acht Stunden einhielten. Bei diesen Patienten betrug das Risiko sogar das Vierfache im Vergleich zu Patienten, die nicht gefastet hatten (HR = 4.01). Darüber hinaus wurde eine Verbindung zwischen GlycA und wiederkehrenden Gichtschüben festgestellt.

Bedeutung der Studie und Ausblick

Die Entdeckung von GlycA als prädiktiver Biomarker für das Auftreten von Gicht eröffnet neue Möglichkeiten für die personalisierte Medizin und bietet potenziell eine effektivere Früherkennung und Behandlung von Gichtpatienten. Zudem kann diese Erkenntnis dazu beitragen, ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen bei der Entwicklung der Erkrankung zu erlangen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Erkenntnisse in der klinischen Praxis durchsetzen werden und ob GlycA tatsächlich als nützliches Instrument zur Risikobewertung von Gichtschüben eingesetzt werden kann. 

Autor:
Stand:
23.06.2023
Quelle:
  1. Joshi et al. (2023): Pre-Diagnostic Glycoprotein Acetyl Levels and Incident and Recurrent Flare Risk, Accounting for Serum Urate Levels: A Population-Based, Prospective Study and Mendelian Randomization Analysis. Arthritis & Rheumatology, DOI: https://doi.org/10.1002/art.42523
  2. Würtz et al. (2017): Quantitative Serum Nuclear Magnetic Resonance Metabolomics in Large-Scale Epidemiology: A Primer on -Omic Technologies. American Journal of Epidemiology, DOI: 10.1093/aje/kwx016
  3. Soininen et al. (2015): Quantitative serum nuclear magnetic resonance metabolomics in cardiovascular epidemiology and genetics. Circulation. Cardiovascular genetics, DOI: 10.1161/CIRCGENETICS.114.000216
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