IL-37 und IL-38 als neue Hoffnungsträger bei rheumatoider Arthritis

IL-37 und IL-38 sind antiinflammatorische Zytokine, die bei Patienten mit rheumatoider Arthritis erhöht sind. Sie modulieren Makrophagen, hemmen proinflammatorische Zytokine und könnten als Biomarker oder therapeutischer Ansatz die Krankheitsaktivität beeinflussen.

Interleukin und Rezeptor

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die vorwiegend die Gelenke befällt, aber auch andere Organe involvieren kann. Genetische Prädispositionen, vor allem HLA-DRB1-Allele, und Umweltfaktoren wirken dabei zusammen. Die Erkrankung führt unbehandelt zu Knorpel- und Knochendestruktion durch hyperaktive Synovialfibroblasten und infiltrierende Immunzellen. Diese Zellen setzen Zytokine wie IL-6, IL-1β und TNF frei, die die chronische Entzündung aufrechterhalten.

Klassische und moderne Therapieoptionen

Klinisch äußert sich RA durch schmerzhafte, geschwollene Gelenke sowie systemische Symptome wie Fatigue oder Fieber. Der Disease Activity Score 28 (DAS28) dient zur standardisierten Erfassung der Krankheitsaktivität. Das therapeutische Ziel ist die Remission, die meist erreicht durch Methotrexat und andere (DMARDs) erreicht wird, ergänzt durch niedrigdosierte Glukokortikoide. Bei Therapieversagen kommen Biologika zum Einsatz, die gezielt Zytokine blockieren, jedoch das Risiko für Infektionen und Tumoren erhöhen.

IL-37 und IL-38 – neue Akteure im Entzündungsgeschehen

Jüngere Studien fokussieren auf IL-37 und IL-38, die, obwohl strukturell verwandt mit der IL-1-Familie, überwiegend antiinflammatorisch wirken. Beide Zytokine werden in Immunzellen, Barrieregeweben und parenchymatösen Organen breit exprimiert. IL-37 hemmt sowohl angeborene als auch adaptive Immunantworten, während IL-38 pro- und antiinflammatorische Prozesse ausbalanciert. Ihre Fähigkeit, Makrophagen vom proinflammatorischen M1- in den antiinflammatorischen M2-Phänotyp zu polarisieren, macht sie zu vielversprechenden immunmodulatorischen Zielstrukturen.

IL-37 – endogene Bremse mit begrenzter Wirkung

Bei RA-Patienten ist IL-37 als kompensatorische Reaktion auf die chronische Entzündung deutlich erhöht und korreliert mit hoher Krankheitsaktivität. Die Expression nimmt unter erfolgreicher Therapie ab, was ihre Eignung als Biomarker bestätigt. IL-37 hemmt die Th17-Polarisierung und reduziert die Produktion von IL-17, IL-1β und IL-6, sowohl in vitro als auch in Tiermodellen. Dennoch bleibt diese körpereigene Gegenregulation oft unzureichend, sodass IL-37 eher als therapeutische Ergänzung und weniger als alleiniger Lösungsansatz zu sehen ist.

IL-38 – Schutzfaktor mit diagnostischem Potenzial

Auch IL-38 ist bei RA-Patienten signifikant erhöht und zeigt eine enge Korrelation zu DAS28-Scores sowie Gelenkbefunden. Besonders interessant ist seine stärkere Expression im Synovialgewebe während aktiver Schübe, die in Remission abnimmt. Tiermodelle zeigen eine schützende Wirkung: Knockout-Mäuse entwickeln schwerere Arthritis, während rekombinantes IL-38 die Krankheitsaktivität reduziert. Mechanistisch wirkt IL-38 über den IL-36-Rezeptor, indem es zentrale Signalwege wie NF-κB und MAPK hemmt.

Perspektiven für Forschung und Klinik

Für die translationale Anwendung von IL-37 und IL-38 wird ein zweistufiges Forschungs- und Evaluierungskonzept vorgeschlagen. In vitro sollen Wirkungen auf Makrophagen, Zytokinprofile und Toxizität untersucht werden, bevor in vivo pharmakokinetische und therapeutische Effekte in RA-Modellen geprüft werden. Ex vivo-Analysen an menschlichem Gewebe erhöhen die klinische Relevanz. Gleichzeitig werden verschiedene Applikationsstrategien wie rekombinante Proteine, Vektoren oder Hydrogele getestet. Parallel wird das Potenzial beider Zytokine als Biomarker evaluiert, um künftig personalisierte Therapien zu ermöglichen.

Fazit – von der Theorie zur klinischen Praxis

IL-37 und IL-38 eröffnen neue Horizonte in der Therapie und Diagnostik der RA. Beide Zytokine wirken als endogene Bremsmechanismen der Entzündung, deren Potenzial sich jedoch erst durch gezielte therapeutische Nutzung entfalten könnte. Präklinische Modelle liefern vielversprechende Ergebnisse, doch bleibt die Übertragbarkeit auf den Menschen eine Herausforderung. Gelingt die Validierung in klinischen Studien, könnten IL-37 und IL-38 zu wichtigen Werkzeugen der Präzisionsmedizin bei RA werden.

Autor:
Stand:
20.10.2025
Quelle:

Zang et al. (2025): The role of IL-37 and IL-38 in rheumatoid arthritis, the potential clinical applications in precision medicine. Frontiers in Immunology, DOI: 10.3389/fimmu.2025.1629759.

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