In epidemiologischen Querschnittsstudien wurde schon vor einigen Jahren ein direkter Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum und der Konzentration der Harnsäure in Serum beobachtet. Insbesondere der Bierkonsum hatte die höchste Assoziation mit der Serum-Harnsäure. Deshalb wird Patienten mit Gicht oder asymptomatischer Hyperurikämie eine Alkoholkarenz empfohlen.
Alkoholkonsum und Harnsäure in Längsschnittstudie
Bisher war jedoch unklar, ob eine Verringerung des Alkoholkonsums kausal zu einer niedrigeren Serum-Harnsäure führt. In einer neuen Längsschnittstudie sollte nun beantwortet werden, ob Alkoholkonsum zu einer klinisch relevanten Veränderung der Serum-Harnsäure führt.
Dazu analysierten die Autoren systematisch erhobene Daten aus einer japanischen Datenbank, in der Daten zum Lebensstil und die Befunde einer verpflichtenden jährlichen Untersuchung aller versicherten oder vollzeitangestellten Personen enthalten sind. Ausgeschlossen wurden Patienten mit pharmakologischer Behandlung einer Hyperurikämie oder Gicht sowie Patienten unter 20 Jahren, die in Japan gesetzlich keinen Alkohol konsumieren dürfen.
Als primäres Outcome wählten die Autoren die Veränderung der Serum-Harnsäure zwischen zwei aufeinanderfolgenden Arztbesuchen. Als relevante Exposition wurden Veränderungen im gesamten Alkoholkonsum und im Konsum bestimmter alkoholischer Getränke untersucht.
Hoher Alkoholkonsum bei Patienten
Insgesamt 63.486 Patienten mit über 370.000 Arztbesuchen wurden in die Studie eingeschlossen. Beim ersten Besuch lag das mediane Alter bei 47 Jahren (Interquartilsabstand [IQR]: 39 bis 56 Jahre) und 58,6% der Patienten konsumierten regelmäßig Alkohol mit einem medianen Alkoholkonsum von 1,4 (IQR: 0,6 bis 2,9) Getränken täglich. Die mediane Serum-Harnsäure betrug 5,3 (4,4 bis 6,3) mg/dl und 13,2% der Patienten hatten eine Hyperurikämie, also eine Serum-Harnsäure von mindestens 7,0 mg/dl.
Bei etwa der Hälfte der aufeinanderfolgenden Besuche hatte sich der Alkoholkonsum verändert, jedoch meist nur in geringem Ausmaß bis zu einer Veränderung von einem Getränk pro Tag.
Leicht geringere Harnsäure-Werte bei reduziertem Alkoholkonsum
Tatsächlich führte eine Reduktion des Alkoholkonsums um ein Getränk pro Tag zu einer Reduktion der Serum-Harnsäure von durchschnittlich 0,019 mg/dl (95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,017 bis 0,021 mg/dl). Dabei wies Bier mit einer knapp doppelt so großen Effektstärke die größte Auswirkung der einzelnen Getränke auf. Eine Reduktion des Weinkonsums hatte einen durchschnittlichen Effekt, während Spirituosen eher geringere Auswirkungen aufwiesen.
Subgruppen-Analysen zeigten, dass insbesondere jüngere Patienten, Patienten mit einem geringeren Alkoholkonsum und Patienten mit einer initial höheren Serum-Harnsäure am meisten von einer Reduktion des Alkoholkonsums profitierten.
Größerer Effekt bei Hyperurikämie
Der Effekt des Alkoholkonsums auf die Harnsäure im Serum war klar dosisabhängig. Dies galt sowohl in der Gesamtbetrachtung als auch für Bier, Wein und dem Wodka-ähnlichen Shochu.
Wenn Patienten den Alkoholkonsum von durchschnittlich 0,8 Getränken täglich komplett aufgaben, führte dies zu einer Reduktion der Serum-Harnsäure um durchschnittlich 0,056 mg/dl (95%-KI: 0,043 bis 0,068 mg/dl). Patienten mit Hyperurikämie profitierten stärker von der Aufgabe des Alkoholkonsums. Bei ihnen sank die Serum-Harnsäure um durchschnittlich 0,11 mg/dl (95%-KI: 0,066 bis 0,154).
Interessanterweise zeigten Patienten, die bereits eine Medikation für Hyperurikämie oder Gicht erhielten, bei der Reduktion des Alkoholkonsums um ein Getränk täglich keine statistisch signifikante Reduktion der Serum-Harnsäure.
Alkoholkonsum eher nicht klinisch relevant
Insgesamt bestätigt die Studie zwar die zuvor beobachtete Assoziation des Alkoholkonsums mit der Serum-Harnsäure. Jedoch scheint die Effektstärke viel geringer zu sein als manche vorherigen Studien suggerierten. Interessant ist auch, dass der mediane Patient mit einem Konsum von 1,4 Getränken jeden Tag ein laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) riskantes Trinkverhalten aufweist.
Selbst diese vergleichsweise vieltrinkenden Patienten können also nur auf eine geringe Reduktion ihrer Serum-Harnsäure hoffen. Auf der anderen Seite ist jeder positive Effekt einer sowieso gesundheitsfördernden Maßnahme wie dem Verzicht auf Alkohol ein Gewinn. Zumal der Effekt in der deutschen Population möglicherweise größer sein könnte, da hierzulande etwa doppelt so viel Alkohol pro Person konsumiert wird wie in Japan.
Grundsätzlich ist es aus gesundheitlicher Sicht eine gute Idee, auf Alkohol zu verzichten. So teilte kürzlich die DGE mit, dass es – anders als früher vermutet – keinen potenziell gesundheitsfördernden oder unbedenklichen Alkoholkonsum gebe.









