Kniearthrose: Ist eine Schmerzreduktion mit Methotrexat möglich?

Die PROMOTE-Studie untersuchte, wie sich die Anwendung von oralem Methotrexat zusätzlich zur üblichen Therapie bei Patienten mit Kniearthrose auf Schmerzen, Gelenksteifheit und funktionelle Beeinträchtigungen auswirkt.

Knieschmerzen_Osteoarthritis

Weltweit sind etwa 364 Millionen Erwachsene von einer symptomatischen Kniearthrose (KOA) betroffen. Die Prävalenz hat in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen. Eine Kniearthrose geht oftmals mit chronischen Schmerzen und funktionellen Beeinträchtigungen einher und reduziert so die Lebensqualität der Betroffenen.

Bisher gibt es aufgrund mangelnder Wirksamkeit nur eingeschränkte pharmakologische Therapiemöglichkeiten für die Arthrose. Auch die international am häufigsten für Kniearthrose empfohlene pharmakologische Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSARs) ist für viele Patienten, beispielsweise aufgrund vorliegender Kontraindikationen, ungeeignet. 

Einige frühere kleinere Studien legen nahe, dass Methotrexat eine potenzielle Behandlungsoption zur Linderung von Schmerzen und Symptomen im Zusammenhang mit Arthrose darstellen könnte. Das krankheitsmodifizierende Antirheumatikum gilt als Standardbehandlung bei entzündlicher Arthritis. 

PROMOTE-Studie untersucht symptomatischen Nutzen von Methotrexat

Die PROMOTE-Studie (Pain Reduction with Oral Methotrexate in knee Osteoarthritis: a pragmatic phase III trial of Treatment Effectiveness) hatte das Ziel, den symptomatischen Nutzen von Methotrexat bei Kniearthrose zusätzlich zur üblichen Versorgung im Vergleich zu Placebo zu untersuchen. Dabei handelte es sich um eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie, die in 15 orthopädischen Fachkliniken im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde.

Untersucht wurden Probanden mit einer symptomatischen, radiologisch bestätigten Kniearthrose, die seit mindestens drei Monaten regelmäßig unter Knieschmerzen mit einem Schweregrad von über vier auf einer Skala bis zehn litten. Zudem mussten die Teilnehmer auf ihre bisherige Medikation unzureichend ansprechen, um in die Studie aufgenommen zu werden.

Orales Methotrexat versus Placebo

Insgesamt wurden 155 Teilnehmer im Verhältnis 1:1 randomisiert. Eine Gruppe von 77 Personen erhielt einmal wöchentlich orales Methotrexat, wobei die Dosis über sechs Wochen von 10 mg auf 25 mg erhöht wurde. Die zweite Gruppe mit 78 Teilnehmern erhielt über zwölf Monate ein entsprechendes Placebo. Die bisherige Schmerzbehandlung der Teilnehmer wurde während der Studie fortgesetzt. Nach sechs Monaten lag die Nachverfolgungsrate bei 86 %, was 134 Teilnehmern entsprach.

Als primären Endpunkt definierten die Forscher die durchschnittliche Knieschmerzintensität der vergangenen Woche, gemessen auf einer numerischen Ratingskala (NRS) von null bis zehn, nach sechs Monaten beziehungsweise 24 Wochen. Die Nachbeobachtungszeit betrug zwölf Monate, um auch langfristige Wirkungen zu bewerten. Bei den sekundären Endpunkten handelte es sich um Steifheit des Knies und Funktionseinschränkungen sowie unerwünschte Ereignisse (AEs). Die sekundären Endpunkte wurden nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten beurteilt. 

Knieschmerzintensität sinkt mit Methotrexat

In der Methotrexat-Gruppe verringerte sich der durchschnittliche Knieschmerz von 6,4 zu Studienbeginn auf 5,1 nach sechs Monaten. Im Vergleich dazu sank der Schmerz in der Placebo-Gruppe von 6,8 auf 6,2.

Nach sechs Monaten zeigten sich zudem statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Methotrexat im Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC) für Steifheit und Funktion. Die Analyse der Behandlungsadhärenz deutete auf einen Dosis-Wirkungs-Effekt hin.

Unerwünschte Ereignisse traten insgesamt vier auf, jeweils zwei in der Methotrexat- und in der Placebo-Gruppe. Diese wurden jedoch nicht als behandlungsbedingt eingestuft. Die Autoren weisen als Einschränkung der Studie darauf hin, dass es nicht gestattet war, bei Unverträglichkeiten die orale Gabe von Methotrexat auf eine subkutane Verabreichung umzustellen.

Weitere Studien notwendig 

Die Studie zeigte, dass die zusätzliche Verabreichung von oralem Methotrexat zur herkömmlichen Medikation nach sechs Monaten zu einer signifikanten Verringerung der mit Kniearthrose verbundenen Schmerzen, Steifheit und Funktionseinschränkungen führen kann.

Es bedarf jedoch weiterer Forschung, um die optimale Methotrexat-Dosierung zu bestimmen, die Kosteneffizienz möglicher Therapien zu bewerten und zu klären, ob der Nutzen bei Personen mit erhöhten systemischen Entzündungswerten größer ist, bevor diese Therapie für eine breite Patientengruppe empfohlen werden kann.

Autor:
Stand:
09.09.2024
Quelle:

Kingsbury, SR., et al (2024): Pain Reduction With Oral Methotrexate in Knee Osteoarthritis: A Randomized, Placebocontrolled Clinical Trial. Annals of Internal Medicine, 30. July 2024. DOI: 10.7326/M24-0303

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