Schweizer Forschende haben ein Transplantat aus gezüchtetem Nasenknorpelgewebe entwickelt, um Knorpelschäden im Kniegelenk zu reparieren. Erste klinische Studien haben bereits die Sicherheit und Wirksamkeit bei fokalen Knorpeldefekten im Knie bestätigt. Die Anwendung führte nicht nur zur Linderung der Symptome, sondern auch zu einer spürbar verbesserten Lebensqualität der Patienten, wie es in einer Mitteilung der Universität Basel zu lesen ist [1]. Nun gab das Department für Biomedizin an der Universität Basel und das Universitätsspital Basel bekannt, dass die erste chirurgische Behandlung zur Therapie von Osteoarthritis (OA) beim Menschen durchgeführt wurde [2].
Autologe Knorpelreparatur: Die N-TEC-Methode im Detail
Die neuartige Methode, die als Nasal Chondrocyte Tissue-Engineered Cartilage oder N-TEC bezeichnet wird, ist ein autologes Verfahren, bei dem Knorpeltransplantate aus körpereigenen nasalen Chondrozyten gezüchtet und chirurgisch implantiert werden.
Im Rahmen dieses Verfahrens entnimmt das Team ein Knorpelsegment von etwa 7x7 mm aus der Nasenscheidewand des Patienten. Daraus werden Chondrozyten isoliert, die zwei Wochen in einer Nährlösung vermehrt, dann in ein biologisch abbaubares Kollagengerüst eingebaut und für weitere zwei Wochen kultiviert werden. Nach insgesamt vier Wochen entsteht ein Knorpeltransplantat von bis zu 40 cm2 Größe, das im Operationssaal an den zu reparierenden Knorpeldefekt angepasst und eingesetzt wird. Die Entnahme von Knorpel aus der Nasenscheidewand beeinträchtigt die Nase nicht.
Forschungsmittel in Millionenhöhe: Schweizer Regierung und EU investieren in zukünftige Studien
Seit 2012 wurde diese Form der Behandlung bereits erfolgreich an mehr als 100 Patienten mit fokalen Knorpeldefekten im Knie sowie zwei Patienten mit fortgeschrittener Kniearthrose in klinischen Phase-I- und Phase-II-Studien (NCT01605201, NCT02673905) getestet. Daraufhin haben die Schweizer Regierung und die Europäische Union (EU) 11,8 Millionen Schweizer Franken (CHF) für klinische Studien der nächsten Generation bereitgestellt, wie die Universität Basel mitteilt. Die Forschenden rekrutieren bereits Probanden auf internationaler Ebene für weitere multizentrische klinische Studien.
Ende 2023 ist eine randomisierte klinische Phase-II-Studie zur Kniescheibenarthrose (patellofemorale Arthrose, PFOA) geplant. Um die Effektivität der Behandlung zu überprüfen, werden zwei Gruppen verglichen: eine erhält ein Gewebetransplantat (N-TEC), während die andere Gruppe die Standardtherapie in Form von plättchenreichem Plasma (PRP) bekommt. Die Ergebnisse werden über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg nachbeobachtet.
N-TEC als Alternative zur Prothesenversorgung
Die N-TEC-Methode stellt eine innovative Alternative zur Heilung begrenzter Knorpelschäden im Knie sowie zur Behandlung von degenerativer Osteoarthritis (OA) dar, die bisher eine Kniegelenkersatzoperation erforderten, erklären die Mediziner aus Basel. Die Implantation des gezüchteten Knorpeltransplantats ist insbesondere für Patienten geeignet, die über eine einfache Schmerzbehandlung hinausgehen möchten, jedoch keine Prothese wünschen.
Wichtig zu beachten ist, dass N-TEC nicht zur Behandlung von rheumatoider Arthritis geeignet ist. Die aktuellen N-TEC-Studien konzentrieren sich ausschließlich auf die patellofemorale Arthrose und nicht auf vollständige Kniegelenksarthrosen.








