Die Osteoporose, charakterisiert durch den Abbau von Knochengewebe, stellt eine häufige Begleiterscheinung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen dar. Sie wird durch das Entzündungsgeschehen sowie durch Bewegungsmangel, der häufig mit den rheumatischen Beschwerden einhergeht, gefördert. Auch die Einnahme von Glukokortikoiden stellt einen Risikofaktor dar. Die aktualisierte Osteoporose-Leitlinie des Dachverbands Osteologie bringt neue Einsichten und Handlungsempfehlungen in Bezug auf Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose, insbesondere im Kontext rheumatischer Erkrankungen.
Neuerungen im Algorithmus zur Frakturrisikoberechnung
Eine der wesentlichen Neuerungen in der Leitlinie betrifft den Algorithmus zur Berechnung des individuellen Frakturrisikos. Prof. Dr. med. Peter M. Kern, Direktor der Klinik für Immunologie, Rheumatologie und Osteologie am Klinikum Fulda, der für die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) an der aktuellen Leitlinie mitgearbeitet hat, hebt hervor, dass der Algorithmus nun auf etwa 100 evidenzbasierte Risikofaktoren erweitert wurde und entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, systemischen Lupus erythematodes und Spondyloarthritiden berücksichtigt. Die Gewichtung der einzelnen Risikofaktoren wurde vollständig überarbeitet und an neue Erkenntnisse angepasst.
Anpassungen in der Osteoporose-Basisuntersuchung
Die Leitlinie empfiehlt nun explizit eine Basisuntersuchung auf Osteoporose, wenn eine Therapie mit Glukokortikoiden in einer Dosierung von 7,5 mg pro Tag oder höher für mehr als drei Monate geplant ist. Diese Diagnostik sollte auch Männern und Frauen vor dem 50. Lebensjahr angeboten werden, insbesondere wenn sie an bestimmten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden. Bei Patienten über 70 Jahren sollte jährlich nach Stürzen oder sturzbedingten Frakturen gefragt und ein Test zur Erfassung der Mobilität und des Sturzrisikos durchgeführt werden.
Neues zur medikamentösen Osteoporose-Therapie
Die Empfehlungen zur Initiierung einer medikamentösen Therapie wurden ebenfalls angepasst, wobei das Risiko für eine Schenkelhals- oder Wirbelkörperfraktur in den ersten Jahren nach einer bereits stattgehabten Fraktur besonders berücksichtigt wurde. Neue und altbekannte Wirkstoffe wurden in die Leitlinie aufgenommen und differenzierte Therapieregime entwickelt, die sich stärker nach den individuellen Patientencharakteristika richten.
PD Dr. med. Björn Bühring, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie, Immunologie und Osteologie am Bergischen Rheuma–Zentrum in Wuppertal und ebenfalls an der Leitlinie mitwirkender DGRh-Experte erklärt in einer Pressemeldung, dass Rheuma-Patienten künftig vermehrt eine medikamentöse Osteoporose-Therapie erhalten würden, da die Einnahme von Glukokortikoiden in der neuen Leitlinie stärker gewichtet werde.
Meilenstein in der Osteoporose-Behandlung bei Rheuma-Patienten
Die aktualisierte, interdisziplinäre Leitlinie zur Osteoporose stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, indem sie eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe auf einem hohen Evidenzniveau bietet, heißt es von der DGRh. Die Neuerungen ermöglichen es, den Fokus wesentlich früher auf potenzielle osteoporotische Veränderungen zu richten und betonen die Notwendigkeit, Osteoporose von Beginn an in jede Rheumatherapie miteinzubeziehen. Zukünftige Forschungen und Entwicklungen könnten zu weiteren Anpassungen und Präzisierungen der Leitlinien führen, um eine noch individuellere und effektivere Patientenversorgung zu gewährleisten.








