Körperliche Betätigung ist ein wesentlicher Pfeiler der multimodalen Therapie von Spondyloarthritiden wie der Psoriasis-Arthritis. Sportprogramme können die erlebten Schmerzen verringern sowie körperliche Funktionen und die Lebensqualität verbessern. Auch mit positiven Auswirkungen auf Psyche und Emotionen punktet Sport bei Patienten mit muskuloskelettalen Erkrankungen.
In einem systematischen Review über die Auswirkungen von Trainingsprogrammen auf Patienten mit Spondyloarthritiden zeigte sich, dass Trainingsprogramme zu verbesserten körperlichen Funktionen und verminderter Krankheitsaktivität bei Patienten mit Spondylitis ankylosans führen. Welche Art des Trainings am besten für diese Patienten geeignet ist, ist jedoch unklar geblieben.
Funktionelles Training vs. traditionelles Krafttraining
Bei traditionellem Krafttraining wird mit graduellen Erhöhungen eines Widerstands, meist in Form eines Gewichts, gearbeitet. Funktionelles Training hingegen soll die Qualität bzw. Ausführung von Bewegungen durch die Übung von bewegungsassoziierten Fähigkeiten verbessern. Die zu verbessernden Bewegungen können dabei im sportlichen Bereich mit bestimmten Fähigkeiten – wie dem Aufschlag beim Tennis – oder im rehabilitativen Bereich mit den Aktivitäten des täglichen Lebens – wie dem sich waschen und kleiden – verbunden sein.
In einer neuen randomisierten kontrollierten Studie folgten nun insgesamt 41 Patienten mit Psoriasis-Arthritis für zwölf Wochen entweder einem Krafttrainingsprogramm oder einem funktionellen Trainingsprogramm. Eingeschlossen wurden Patienten nur, wenn sie an dem Sportprogramm adäquat teilnehmen konnten und wenn sie nicht kürzlich eine Änderung ihrer Medikation erhalten hatten.
Elastische Bänder statt Kraftgeräten
Das Training bestand aus Übungen für die Brust-, Oberarm-, und Rückenmuskulatur sowie den Musculus gluteus maximus und den Musculus quadriceps femoris. Bei dem funktionellen Training wurden die Übungen mit elastischen Bändern durchgeführt, bei denen nach sechs Wochen auf ein Band der nächsten Widerstandsstufe gewechselt werden konnte. Das traditionelle Krafttraining bestand aus den gleichen Übungen mit dem Unterschied, dass statt elastischen Bändern Kraftgeräte genutzt wurden.
Geringere Krankheitsaktivität bei Psoriasis-Arthritis
Vor Beginn des Trainingszeitraumes sowie nach sechs und nach zwölf Wochen wurden die Patienten mit Psoriasis-Arthritis untersucht und befragt. Die Adhärenz an das Trainingsschema war hoch. So wurde über zwölf Wochen in der Gruppe des traditionellen Krafttrainings eine Trainingsfrequenz von 91,7% erreicht und in der Gruppe des funktionellen Trainings eine Trainingsfrequenz von 83,4%.
Die körperliche Funktion und Krankheitsaktivität wurden gemessen an dem Health Assessment Questionnaire for the Spondyloarthropathies (HAQ-S), dem Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index (BASFI), dem Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI) und dem Disease Activity Score 28 (DAS28). Statistisch signifikante Unterschiede in diesen Assessments gab es zwischen den beiden Trainingsgruppen nicht.
Großteil des Effekts kommt frühzeitig
Innerhalb der Trainingsgruppen aber konnten bei allen Assessments starke Verbesserungen bereits nach sechs Wochen beobachtet werden – und zwar in sehr ähnlichem Ausmaß bei beiden Gruppen. Bei fast allen Assessments zeigten sich weitere Verbesserungen nach zwölf Wochen, wenn dieser Effekt auch kleiner war als nach den ersten sechs Wochen.
Mehr Kraft und bessere Lebensqualität
Ebenfalls in beiden Trainingsgruppen zeigten sich relevante Zuwächse bei Kraftmessungen. Dies war der Fall für fast alle Übungen, außer der Übung für den M. biceps brachii in beiden Trainingsgruppen und der nicht näher beschriebenen Übung „Pull-ahead“ in der Krafttrainingsgruppe.
Der Einfluss auf die Lebensqualität wurde gemessen mit dem Short-Form-36-Gesundheitsfragebogen (SF-36). Die Patienten beider Trainingsgruppen verbesserten sich in nahezu allen Domänen der Lebensqualität. Nur im sozialen Bereich verbesserten sich ausschließlich die Patienten in der Gruppe mit funktionellem Training, nicht aber die Patienten in der Krafttrainingsgruppe.
Fragliche Operationalisierung des Begriffs „funktionelles Training“
Insgesamt verdeutlicht die Studie den positiven Effekt von Trainingsprogrammen auf die körperliche Funktion, die Lebensqualität und die Krankheitsaktivität bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis. Möglicherweise ist ein Teil der Wirkung auch auf den Placebo-Effekt zurückzuführen, da die positive Wirkung von sportlicher Betätigung allgemein bekannt ist und durch die behandelnden Ärzte sicherlich zuvor bereits betont wurde. Eine verblindete Kontrollgruppe mit Pseudo-Training – ähnlich den Sham-Prozeduren bei chirurgischen oder katheterinterventionellen Studien – gab es in dieser Studie nämlich nicht.
Relevante Unterschiede zwischen den beiden Trainingsgruppen konnten nicht beobachtet werden. Erklärt werden könnte dies dadurch, dass die Studie eine vergleichsweise kleine Stichprobe untersuchte. Aus sportwissenschaftlicher Sicht mag auch der Unterschied zwischen den Trainingsmethoden nicht groß genug gewesen sein. Je nach Definition des Begriffs wird funktionelles Training nicht nur dadurch erreicht, dass bei den gleichen Übungen Kraftgeräte durch elastische Bänder ausgetauscht werden.









