Sarkopenie – ein häufiges Problem bei rheumatischen Erkrankungen

Sarkopenie betrifft vermehrt Menschen mit entzündlichen und degenerativen rheumatologischen sowie muskuloskelettalen Erkrankungen, insbesondere bei rheumatoider Arthritis und Vaskulitis. Ein entsprechender Verdacht sollte mit standardisierten Untersuchungen abgeklärt werden.

Sarkopenie

Hintergrund

Sarkopenie (SP), der altersbedingte, degenerative Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft, ist zu einer wachsenden Herausforderung in unserer immer älter werdenden Gesellschaft geworden. Die Erkrankung erhöht das Risiko von Stürzen, Gebrechlichkeit und funktionellen Einschränkungen. Zudem gibt es Hinweise auf längere Rekonvaleszenzzeiten, eine erhöhte Morbidität und Mortalität.

Sarkopenie betrifft aber nicht nur geriatrische Patienten; auch Personen mit entzündlichen und degenerativen rheumatologischen muskuloskelettalen Erkrankungen (RMD) sind gefährdet, eine Sarkopenie zu entwickeln. In einer aktuellen Studie haben Forschende des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne, Deutschland, die Häufigkeit und den Schweregrad von Sarkopenie in dieser Patientengruppe untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden in der 'Zeitschrift für Rheumatologie' veröffentlicht [1].

Studiendesign und Methodik

Die Querschnittsstudie umfasste insgesamt 141 Patienten über 65 Jahre mit rheumatoider Arthritis (RA), Spondyloarthritis (SpA), Vaskulitiden und nichtentzündlichen RMD. Zur Klassifizierung von Präsarkopenie, Sarkopenie und schwerer Sarkopenie wurden die Definitionen der European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP 1 und 2) verwendet.

Die Magermasse als Parameter für die Muskelmasse und die Knochendichte wurden mit Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) gemessen, während die Handgriffstärke und die Short Physical Performance Battery (SPPB) standardisiert erfasst wurden. Zusätzlich wurden Informationen zur Häufigkeit von Stürzen und zur Gebrechlichkeit mittels Anamnesen erhoben. Die statistische Auswertung erfolgte unter anderem mithilfe von Student's t-Tests und Chi-Quadrat-Tests.

Höchste Sarkopenie-Prävalenz bei rheumatoider Arthritis und Vaskulitis

Die untersuchten Patienten waren zu 73% weiblich, das durchschnittliche Alter lag bei 73 Jahren. Etwa 80% von ihnen litten an einer entzündlichen RMD. Gemäß den Kriterien der EWGSOP 2 wurde bei 58,9% der Patienten eine Sarkopenie diagnostiziert, die wahrscheinlich auf eine eingeschränkte Muskelfunktion zurückzuführen war. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der Muskelmasse lag die SP-Prävalenz bei 10,6%, wovon 5,6% als schwere Sarkopenie eingestuft wurden. Patienten mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen (11,5%) zeigten tendenziell eine höhere Sarkopenie-Häufigkeit im Vergleich zu denen mit nicht entzündlichen Erkrankungen (7,1%). Der Unterschied erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.

Patienten mit rheumatoider Arthritis (9,5%) und Vaskulitis (24%) wiesen die höchste Sarkopenie-Prävalenz auf, Patienten mit Spondyloarthritis (4%) waren am seltensten betroffen. Osteoporose (40% vs. 18,5%) und Stürze (15% vs. 8,6%) traten bei Patienten mit Sarkopenie häufiger auf als bei denen ohne SP.

Fazit

Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, dass Sarkopenie ein weitverbreitetes Problem bei Patienten mit entzündlichen und degenerativen rheumatologischen muskuloskelettalen Erkrankungen darstellt, insbesondere bei rheumatoider Arthritis und Vaskulitiden. Bei entsprechendem Verdacht sollten standardisierte Untersuchungen zur Sarkopenie erfolgen. Neben der Messung der Knochendichte ist die Messung der Muskelmasse mittels DXA anzuraten, so die Empfehlung der Arbeitsgruppe. Dies könnte dazu beitragen, Sarkopenie frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zur Prävention und Behandlung einzuleiten.

Autor:
Stand:
17.10.2023
Quelle:

Buehring, B. et al. (2023): Häufigkeit und Schweregrad von Sarkopenie bei Patient*innen mit entzündlichen und nichtentzündlichen muskuloskeletalen Erkrankungen. Zeitschrift für Rheumatologie, DOI: 10.1007/s00393-023-01332-7.

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