Sommer, Sonnenschein, Badesee – und auf dem Schild am Eingang steht: „Ausgezeichnete Badegewässerqualität“. Für die meisten Menschen bedeutet das: sauberes Wasser, unbedenkliches Baden. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Bewertungssystem und Einschränkungen
Eine aktuelle Recherche von CORRECTIV zeigt, dass zwischen der offiziellen Bewertung von Badegewässern und ihrer tatsächlichen Belastung mit chemischen Schadstoffen eine erhebliche Lücke bestehen kann. Selbst Seen, die die Bestnote erhalten, können Rückstände von Pestiziden, Schwermetallen oder langlebigen Industriechemikalien enthalten.
Der Grund liegt in den europäischen Bewertungsregeln. Die Wasserqualität von Badegewässern wird vor allem anhand bakterieller Belastungen beurteilt. Gemessen werden insbesondere zwei Bakteriengruppen, die auf fäkale Verunreinigungen hinweisen können. Chemische Schadstoffe spielen bei der offiziellen Einstufung hingegen keine Rolle.
Chemische Belastungen von Gewässern
Dabei ist seit Jahren bekannt, dass viele europäische Gewässer mit unterschiedlichsten Stoffen belastet sind. Dazu gehören beispielsweise Pestizidrückstände aus der Landwirtschaft, Schwermetalle oder sogenannte PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), eine Gruppe besonders langlebiger Industriechemikalien, die wegen ihrer schlechten Abbaubarkeit auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden.
Ergebnisse der Analyse
Für ihre Untersuchung kombinierte CORRECTIV die Daten der offiziellen Badegewässerbewertung mit Informationen aus dem europäischen Gewässermonitoring. Die Analyse macht deutlich: Die Aussage „ausgezeichnete Badegewässerqualität“ bezieht sich vor allem auf hygienische Aspekte und nicht automatisch auf die vollständige chemische Belastung eines Gewässers.
Einordnung des Risikos
Das bedeutet allerdings nicht, dass Badegäste grundsätzlich Seen meiden sollten. Die Belastungen unterscheiden sich stark zwischen einzelnen Gewässern, und aus den vorliegenden Daten lässt sich nicht automatisch ein Gesundheitsrisiko für jede Badestelle ableiten.
Die Recherche macht jedoch auf einen bislang wenig bekannten blinden Fleck im europäischen Überwachungssystem aufmerksam.
Fun Fact
Eine Badestelle kann gleichzeitig die Bestnote für ihre Badegewässerqualität erhalten und dennoch chemische Schadstoffe enthalten – weil diese bei der offiziellen Bewertung bislang nicht berücksichtigt werden.












