Wer kennt es nicht? Man geht zielstrebig in die Küche, ins Nebenzimmer oder ins Büro – und kaum angekommen, ist der Grund für den Gang plötzlich verschwunden. Das Phänomen ist so verbreitet, dass es sogar einen eigenen Namen bekommen hat: den Doorway-Effekt.
Darunter verstehen Forschende die Beobachtung, dass Menschen Informationen manchmal schlechter abrufen können, nachdem sie eine Türschwelle überschritten oder den Raum gewechselt haben.
Eine häufig zitierte Studie von Radvansky et al. aus dem Jahr 2011 untersuchte diesen Zusammenhang experimentell. Die Forschenden beobachteten, dass sich Versuchspersonen nach einem Raumwechsel schlechter an bestimmte Informationen erinnern konnten als bei vergleichbaren Aufgaben innerhalb desselben Raumes.
Als Erklärung wird häufig ein sogenannter Kontextwechsel diskutiert. Das Gehirn verarbeitet Ereignisse offenbar nicht als kontinuierlichen Strom, sondern unterteilt Erfahrungen in einzelne Abschnitte oder „Ereignisse“. Wird ein neuer Raum betreten, kann dies als Beginn eines neuen Ereignisses interpretiert werden. Informationen aus dem vorherigen Kontext sind dann möglicherweise nicht mehr so leicht verfügbar.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Gedächtnis fehlerhaft arbeitet. Im Gegenteil: Die Strukturierung von Informationen in unterschiedliche Kontexte hilft dabei, Erlebnisse zu organisieren und effizient zu speichern. Im Alltag kann dieser Mechanismus jedoch gelegentlich dazu führen, dass ein geplanter Gedanke kurzfristig verloren geht.
Neuere Untersuchungen legen zudem nahe, dass der Effekt nicht immer gleich stark ausgeprägt ist. Faktoren wie Aufmerksamkeit, Ablenkung oder die Komplexität einer Aufgabe können eine Rolle spielen.












