Harnwegsinfektionen sind die häufigste bakterielle Infektion bei Frauen mit einem Lebenszeitrisiko von bis zu 50%. Im Jahr 2019 erkrankten weltweit mehr als 400 Millionen Menschen an Harnwegsinfektionen und mehr als 200.000 Menschen starben daran. Wiederkehrende Harnwegsinfektionen, definiert als zwei Harnwegsinfektionen innerhalb von sechs Monaten oder drei innerhalb eines Jahres, haben erhebliche negative Auswirkungen auf die Lebensqualität. Diese Auswirkungen können über unangenehme Symptome hinausgehen und zu belastenden und gestörten sexuellen Beziehungen, anhaltenden und nicht beherrschbaren Schmerzen und systemischen Erkrankungen führen.
Prophylaxe von Harnwegsinfekten
Der häufigste Ansatz zur Prophylaxe von rezidivierenden Harnwegsinfektionen ist die regelmäßige Einnahme von Antibiotika. Dies ist zwar während der Prophylaxe wirksam, erhöht aber das Risiko für spätere resistente Infektionen und unerwünschte Wirkungen. D-Mannose ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das in geringen Mengen in einigen Obst- und Gemüsesorten vorkommt und eine Alternative zur Antibiotikaprophylaxe bei betroffenen Frauen darstellen könnte. D-Mannose ist ein Isomer der Glukose, das mit dem Urin ausgeschieden wird und durch die Bindung an Fimbrien das Anhaften von Bakterien an Uroepithelzellen hemmen kann.
Studie untersucht das prophylaktische Potenzial von D-Mannose
In einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie wurde nun die klinische Wirksamkeit von zwei Gramm D-Mannose und Placebo (Fructose) über sechs Monate zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen bei 598 Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen verglichen. Die Teilnehmer nahmen das Studienpräparat auch weiterhin ein, wenn Symptome auftraten und sie Antibiotika einnehmen mussten. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Frauen, die innerhalb von sechs Monaten nach der Randomisierung mindestens eine weitere Episode einer klinisch vermuteten Harnwegsinfektion hatten und sich deswegen an eine ambulante Einrichtung wandten.
Ergebnisse der Studie
Von 294 Frauen in der D-Mannose-Gruppe und 289 in der Placebo-Gruppe hatten 150 (51,0%) bzw. 161 (55,7%) eine weitere Episode einer klinisch vermuteten Harnwegsinfektion (95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 0,80 bis 1,05; p = 0,22). Es gab außerdem keine Unterschiede zwischen der D-Mannose- und der Placebogruppe in Bezug auf die Dauer von mäßig schweren oder schlimmeren Symptomen basierend auf Symptomtagebüchern. Es gab zwischen den Gruppen auch keine Unterschiede bei der Anzahl der klinisch vermuteten oder mikrobiologisch nachgewiesenen Harnwegsinfektionen sowie der Anzahl der verordneten Antibiotika-Kuren. Und auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Harnwegsinfektionen war in beiden Gruppen ähnlich hoch.
Fazit
Die vorliegende Studie hat sich der Frage gewidmet, ob die tägliche Einnahme von zwei Gramm D-Mannose über sechs Monate wiederkehrenden Harnwegsinfektionen vorbeugt. Dabei konnte für D-Mannose kein prophylaktischer Nutzen festgestellt werden.









